Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Vargha, László: Wirtschafts - und architekturgeschichtliche Denkmäler in Ungarn aus dem 18. und 19. Jahrhundert

WIRTSCHAFTS- UND ARCHITEKTURGESCHICHTLICHE DENKMÄLER IN UNGARN AUS DEM 18. und 19. JAHRHUNDERT (Agrarmuseologie und wirtschaftsgeschichtlicher Denkmalschutz) LÁSZLÓ VARGHA (Budapest, Hungary) Die Zentren der feudalen Landwirtschaft — Meierhöfe der Gutswirt­schaften — wurden in Ungarn im 18. und 19. Jahrhundert den Gegeben­heiten und Anforderungen der Zeit entsprechend gebaut und entwickelt. Neben dem Schloß, im Zentrum des Gutes gelegen, bestand der Gutsho. aus den Wohngebäuden der Angestellten (des Gutsverwalters, des Meiers, des Gesindes), aus Ställen, Scheunen, Schuppen, Speichern, Schutzdächern, Steiger, und anderen wirtschaftlichen Nebengebäuden; alle diese dienten funktionellen Ansprüchen der Wirtschaft. Diese Gebäudekomplexe, die zum größten Teil auch in unseren Tagen noch aufrecht erhalten sind und einen wirtschafts- und baugeschichtlichen Wert besitzen, spiegeln in ihrer ursprünglichen historischen Umgebung als bauliche Objektivationen von siedlungsgeschichtlicher Bedeutung die Agrarkultur der vergangenen Jahrhunderte getreu wider. So bilden diese wirtschaftsgeschichtlichen Baudenkmäler, die teilweise noch in ihrer ursprüngli­chen Gestalt existieren, teilweise authentisch hergestellt oder stark umgebaut wurden, einen agramuseologischen architektonischen Nachlaß von speziellem und wertvollem dokumentarischem Wert.. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden in Ungarn neben bedeutenden kirch­lichen, hochadeligen und bürgerlichen Bauten im Barock- und klassizistischen Stil und in Verbindung mit diesen auch großangelegte, zeitgemäße und oft künst­lerisch anspruchsvolle landwirtschaftliche Bauten errichtet. Aufgrund unserer heutigen wirtschaftsgeschichtlichen, architekturgeschichtlichen und historisch­volkskundlichen Kenntnissen haben wir schon einen Überblick über die mate­rielle Kultur und die Entwicklung der Agrarkultur jener Epoche, folglich sind wir imstande, die repräsentativen Werke, schließlich auch die Typen der Bauten fur die Agrarmuseologie und für den wirtschaftsgeschichtlichen Denkmal­schutz demonstrieren zu können. Durch die herrschaftlichen Gebäudekomplexe aus dem 18. Jahrhundert im Barockstil, sodann aus dem 19. Jahrhundert im klassizistischen Stil wurde den spezifischen Ansprüchen und Möglichkeiten des Zeitalters und der Gesell­schaft gemäß der Agrarwirtschaft ein baulicher Rahmen gegeben, durch den diese fast zwei Jahrhunderte lang bestimmt und auch gebunden war. Aus dem gesamten abwechslungsreichen Material der erwähnten, wirt­schaftsgeschichtlich und architektonisch so wertvollen Denkmälerkomplexe kön­nen wir hier nur einige charakteristische Beispiele vorführen. Dabei beabsichtigen 10* 147

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