Technikatörténeti szemle 8. (1975-76)

A TECHNIKA FEJLŐDÉSÉNEK NÉHÁNY VONÁSA KÖZÉP-EURÓPÁBAN 1700–1848 KÖZÖTT CÍMŰ KONFERENCIÁN 1974. NOVEMBER 19/20. ELHANGZOTT ELŐADÁSOK - H. Bernhardt: Charles Babbage – ein Vorläufer der modernen Rechentechnik

Die Analytical Engine - man kennt übrigens weder detaillierte Konstruktionspläne noch genaue Beschreibungen, wenn man von den Nachschriften absieht, die ein ita­lienischer Mathematiker nach einem Vortrag anfertigte, den Babbage 1840 in Turin hielt - sollte aus einem Speicher von zweihundert 25-stelligen Zahlen bestehen und aus Vorrichtungen ("mills"), die wir heute Rechenwerk nennen würden. Nach dem Vorbild des Jacquard-Webstuhls, den Babbage 1835 kennengelernt hatte, sollte sich das Rechenprogramm durch eine spezielle Steuerung in Gestalt eines Lochkartensys­tems verändern lassen. Das Rechnen selbst sollte durch getrennte, mechanische Rechenwerke für die vier Spezies erfolgen, und Zwischen und Endergebnisse sollten ausgedruckt werden. Damit ist das Prinzip einer automatischen Rechenmaschine vom Umfang ihrer Bauteile konzipiert: 1. Steuerung der Maschine durch ein vorbereitetes Programm, 2. Speicherung von Daten in der Maschine, 3. Durchführung bestimmter Rechenvorgänge unter Verwendung von Zwischenergebnissen und 4. Ausdruck der Er­gebnisse in maschinenlesbarer Sprache, evtl. zur weiteren maschinellen Bearbeitung. An der Realisierung dieser Maschine arbeitete Babbage etwa 50 Jahre. Nach 1845 versuchte er tatsächlich, seine Maschine auf der Grundlage von tausenden ein­zelnen Konstruktionszeichnungen bauen zu lassen. Aber nicht nur das Fehlen finan­zieller Mittel - er selbst brauchte sein Vermögen auf - führten zum Scheitern auch dieses Projektes. Die technischen Schwierigkeiten waren unter den Bedingungen, die die damalige Technik bot, unüberwindlich. Doch wenn der 72jährige Babbage in seiner Selbstbiographie bekennt: "If I survive some few years longer, the Analytical Engine will exist, and its workes after­wards be spread over the world." (1, S. 449), dann zeugt das von festem Glauben an das, was die Technik für die Menschheit zu leisten imstande ist. In gewissem Sinne hat die Entwicklung ja Babbage bestätigt, wenn auch - soweit bekannt - niemals eine Maschine nach seiner Vorstellung gebaut wurde. Indessen ist noch ein anderer Aspekt im Zusammenhang mit Babbages Konstruk­tion der Difference Engine erwähnenswert, der vornehmlich technischer Art ist. Da sich die von ihm konzipierte Maschine äusserst kompliziert im Zusammen­spiel ihrer Teile erwies, glaubte er sich gezwungen, Möglichkeiten zu suchen, die mehr boten als technische Zeichnungen, die es gestatten sollten, mit einem Blick bewegliche von festen Teilen zu unterscheiden, Geschwindigkeit und Richtung der auf­tretenden Bewegungen, kraftübertragende Teile u.a. mehr zu übersehen. Dafür fand er eine mechanische Zeichensprache, die er in seiner eigenen Werkstatt ausprobierte. In seiner Selbstbiographie erzählte er: "I have called this System of signs the Mecha­nical Notation. By its application to geometrical drawing it has given us a new de-' monstrative science, namely, that of proving that any given machine can or cannot exist; and if it can exist, that it will accomplish its desired object." (1, S. 143). Diese Worte verraten nun bereits eine erdachte Maschine wirklich herstellbar und brauchbar ist, bzw. vereinfacht werden kann. Auch diese Zeichensprache ist wie viele Probleme in Babbages Arbeiten nur grob umrissen, eine klare Darstellung fehlt. Das mag einer der Gründe dafür sein, dass auch dieses Projekt keinen Erfolg hatte, ob­wohl sich noch andere Wissenschaftler im 19. Jahrhundert z.T. von etwas anderer Ausgangsposition her mit einer Zeichensprache beschäftigten.

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