Technikatörténeti szemle 8. (1975-76)
A TECHNIKA FEJLŐDÉSÉNEK NÉHÁNY VONÁSA KÖZÉP-EURÓPÁBAN 1700–1848 KÖZÖTT CÍMŰ KONFERENCIÁN 1974. NOVEMBER 19/20. ELHANGZOTT ELŐADÁSOK - H. Bernhardt: Charles Babbage – ein Vorläufer der modernen Rechentechnik
n. Erfolgreicher als bei der Konstruktion von Rechenmaschinen war Babbage auf wissenschaftsorganisatorischem Gebiet. Im Zusammenhang mit dem Fortschreiten der industriellen Revolution in England nahm auch die wissenschaftliche Aktivität zu. Ausdruck dafür war unter anderem die Gründung zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften, die sich aus Wissenschaftler, vielfach aber auch aus Liebhabern der Wissenschaft und aus Industriellen zusammensetzten und an der Förderung der Wissenschaft interessiert waren. Ausgangspunkt in Sonderheit für Babbages wissenschaftsorganisatorische Tätigkeit war der Umstand, dass zu Beginn des 19. Jahrhunderts in England noch immer Newtons relativ schwerfällige Form der Infinitesimalrechnung vorherrschte, während man sich auf dem europäischen Kontinent der von Leibniz eingeführten und von den Bernoullis, von Euler und franzoschen Mathematikern weiterentwickelten, eleganteren und praktisch zweckmässigeren Darstellung der Infinitesimalrechnung bediente. Um diesem Rückstand zu begegnen, gründete eine Gruppe junger englischer Mathematiker unter der Führung von Herschel, Peacock und Babbage die "Analytical Society", die zunächst zahlreichen Anfeindungen ausgesetzt war. Mit der Übersetzung und Veröffentlichung des von dem Franzosen François Lacroix auf Leibnizsehe Manier verfassten Lehrbuches "Traité du calcul differential et du calcul integral" (Paris 1800, 2. Auflage) konnte aber der erwünschte Erfolg erzielt werden, Leibniz' Form der Infinitesimalrechnung fand auch in England Eingang. Das Leitmotiv der Gessellschaft waren "the Principles of pure D' ism in opposition to the Dot-age of the University". (1, S. 29) Dieses mit (Struik 4. S. 178) geistreiche Wortspiel beruht auf dem Doppelsinn von d' ism als Differentialschreibweise von Leibniz und Deismus als rationaler Strömung der Aufklärung und dot-age (Punktzeitalter) die Fluxionsschreibweise Newtons und dotage in der Bedeutung von Altersschwäche. Im Jahre 1828 nahm Babbage während einer Reise durch mehrere Länder an der 7. Tagung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte in Berlin teil, wo er - seine Bekanntschaft mit Alexander von Humboldt erneuernd - Ziele und Arbeitsweise der Gesellschaft kennen lernte. Bei dieser Gelegenheit mag ihm der Gedanke gekommen sein, auch in England eine ähnliche Institution und zwar als Pendant zur Royal Society zu gründen, die weniger aus Vertretern höfischer Kreise als vielmehr aus wissenschaftlich Tätigen bestehen und Zentrum wissenschaftlichen Meinungsstreits werden sollte. Eine solche Gesellschaft wurde auf Initiative Babbages tatsächlich 1831 mit der Bezeichnung "British Association for the Advancement of Science" geschaffen. Sie gewann alsbald Ansehen und Einfluss und war nach Mason während des 19. Jahrhunderts "repräsentativste Organisation der britischen Wissenschaft" (5, S. 527). Die jährlich in einer der grössten Städte Grossbritanniens oder der Kolonien stattfindenden Versammlungen sahen bis zu 2000 Teilnehmer; die dort geführten Diskussionen gaben ein umfassendes Bild des Standes der Wissenschaften und ihrer Teildisziplinen - mit dem Schwergewicht auf Mathematik und Physik - für das jeweilige Jahr und Anretung für weitere Forschungsarbeiten. Interessant und charakteristisch für die Situation im Hinblick auf die industrielle Revolution ist, dass bereits im Gründungsjahr (1831) der Gessellschaft eine Sektion für technische Wissenschaften geschaffen wurde. Es gibt weitere Beispiele dafür, dass Babbage der Kommunikation der Wissenschaftler - zu Recht - grosse Bedeutung beimass und dabei insbesondere an ihren Zusammenschluss in wissenschaftliche Gesellschaften und Vereinen dachte. Auf eine entsprechende Frage des Grossherzogs von Toscana 1827 nach der Arbeitsweise der Wissenschaftler antwortete er sinngemäss, es sei besser, wenn 3