Weiner Mihályné szerk.: Az Iparművészeti Múzeum Évkönyvei 9. (Budapest, 1966)
IPARMŰVÉSZETI MÚZEUM — MUSÉE DES ARTS DECORATIFS - Héjj-Détári, Angéla: Der „Matthias Corvinus-Pokal" und Endres Dürer, der „Meister mit Rosette"
Diese gegossenen Verzierungen sind nicht besonders betont, sie gliedern sich harmonisch dem gewundenen Stiel der Kuppe an, oder sie schmiegen sich dem Raum zwischen den Blasen bzw. dem Mundrand derart an, daß das HellDunkel des mühsam und sorgfältig getriebenen Goldes, sein reicher Schimmer und seine vornehme Eleganz mit Hilfe der glatten, gewundenen oder gerippten Blasen entsprechend zur Geltung kommen. Nach Beendigung der Ausbesserung haben wir den Pokal erst ohne die Kaltemail-Verzierungen zusammengestellt. Die überlastende Verziertheit des Gegenstandes, wie wir sie früher kannten, war plötzlich weg; die Maße des Pokals schienen sich verändert zu haben, er hatte sofort ein vorteilhafteres Äussere, seine ebenmäßig konstruierte Form und die Klarheit seines Stils fielen auf. Er war von einer Grundform, die für die aus etlichen Analogien bekannten gotischen Buckelpokale kennzeichnend ist (Abb. 7). Es ist eine lange festgestellte Tatsache, daß der Prototyp dieser Becherart, zugleich auch eigenartigerweise eine Spitze, ein in der Geschichte der Goldschmiedekunst ohne Vorgänger dastehendes Stück, der sog. Corvinusbecher aus Wiener Neustadt (im Stadtmuseum zu Wiener Neustadt) ist. 12 Diesen Prunkbecher schenkte König Matthias Corvinus 1462 dem deutsch-römischen Kaiser Friedrich III zu Ehren ihres Friedensschlusses. 13 Diesen . Corvinus12 Genthon : Magyar művészek Ausztriában. . . 13 Wir müssen wiederholt betonen, daß die Auffassung einiger deutscher Forscher, nach w r elcher der Matthias-Pokal von Wolfgang Zulinger, Goldschmied in Wiener Neustadt hergestellt worden wäre, nicht aufrechtzuhalten ist. Dieser Auffassung widerspechen neben den typisch ungarischen Stilmerkmalen und der Drahtemailtechnik, sowie den historischen Tatsachen auch logische Folgerungen. Man kann sich überhaupt nicht vorstellen, daß Matthias Corvinus, weit berühmt durch seine Schatzkammer, bei Gelegenheit des Friedensschlusses im kaiserlichen Sitz ,,in aller Eile" einen herrlichen Pokal mit einem Wienerneustädter Goldschmied als Geschenk für Kaiser Friedrich herstellen gelassen hätte. Diese Prachtstück mußte unbedingt die Delegation aus Buda mit sich gebracht haben. Bei solchen Gelegenheit war es Gepflogenheit, die diplomatischen Geschenke vor Vertragsabschluß — gegebenenfalls vorder Überreichung des Lösegeldes für die Ungarische Krone — quasi als Vorschuß zu überreichen, bereits beim Empfang der Delegierten. Aus Bonfinis Berichten ist bekannt, daß Matthias Corvinus, wenn er abgesandte ausschickte oder selbst mit seinem Gefolge auf Reisen war, eine ganze Schatzkammer von Goldschmiede werken mit sich brachte. Diese Kunstwerke wurden bei Festgelagen, beim Empfang von Delegationen zur Schau gestellt und nachher größtenteils verschenkt; der König war bestrebt, mit seinem Reichtum, seinem Mäzentum und seiner Freigiebigkeit die Fremden zu verblenden. Man denke an die nach Urbino gesandte Delegation oder an den Friedensschluß von Olmütz in der Beschreibung von Bonfini, a. a. O. In Gegensatz mit der Meinung Otto von Falkes (Das spätgotische Kunstgewerbe, in: Lehnert, G.: Illustrierte Geschichte des Kunstgewerbes. I. Berlin, 1908. S. 374.) hält neuestens Mrazek (Das Kunsthandwerk, in: Gotik in Österreich, Wien, 1963. S. 116 — 117.) diesen Gegenstand nicht für ungarische sondern für österreichische Arbeit aus den Jahren nach 1479. (Siehe noch Hermann Fillitz: Kunst und Kultur eines Landes in Spätmittelalter. Ausstellungskatalog. Krems —Stein 1959. Nr. 318. S. 97.) Jolán Balogh vermutet einen Zusammenhang zwischen den Donation des Pokals und der Eroberung der Stadt durch König Matthias im Jahre 1487, auf Grund des Ratprotokolls der Stadt iener Neustadt aus dem Jahre 1741, wo es heißt ,»wegen dem Allerdurchlauchtigsten Erzhausz von Österreich unverbrüchlich erzeugten Treu und Tapfrer gegenwähr" (op. cit. S. 359. mit vollkommener Bibliograhie S. 360—63. u. S. 728). Zur Zeit datier Gertrud Gerhartl dieses Stück um 1480, und vermutet, daß es eine Donation Friedrich des III. „für den von ihm gegründeten und 1479 in Wiener Neustadt angesiedelten St. Georgs-Ritterorden" war. (Ausstellung Katalog : Friedrich III. Kaiserresidenz Wiener Neustadt. 1966 S. 393—94. Siehe noch ebendort Hermann Fillitz: Kaiser Friedrich III. und die bildende Kunst. S. 189.)