Tanulmányok Budapest Múltjából 19. (1972)
Gál Éva, L.: A Krisztinaváros topográfiája, 1770-1872 = Topographie der Christinenstadt, 1770-1872 179-219
ÉVA GÁL TOPOGRAPHIE DER CHRISTINEN STADT (1770 — 187 2) Unter den Vorstädten der königlichen freien Hauptstadt Buda ist die im Westen liegende Christinenstadt die jüngste. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde sie gegründet. Bis dahin war dieses Gebiet unbewohnt. Nach der Wiederoberung von den Türken wurde dieses Gebiet Teil des militärischen Vorgeländes und war unter Bebauungsverbot gefallen. Als also im Jahre 1769 der Rat der Stadt Buda auf Anregung der Erzherzogin Maria Christina entschied, das Gebiet um die seit 1700 dort stehende Pest-Votivkapelle (die sogenannte Rauchfangkehrerkapelle) zur Ansiedlung zu verwenden, war zur Aufhebung des Bebauungsverbotes die Erlaubnis des Wiener Kriegsrates notwendig. Der Magistrat gedachte, in der neuen Vorstadt Hauer anzusiedeln, denn zur Entwicklung des Weinanbaus in Buda waren weitere Arbeitskräfte vonnöten. Dementsprechend leitete die Stadt auf dem bisherr nicht verwendeten Stadtgrund, auf der Ostseite des der Burg gegenüberliegenden Sonnenberges (Naphegy) die Neusiedlung auf kleinen, 160 bis 180 Klafter großen Parzellen ein. In ihrer Absicht stand es auch, das unmittelbar unterhalb der Burg liegende breite Tal, die von Militärkommando und Garnison benutzte sogenannte Generalswiese auf ähnliche Weise zu besiedeln. Auf dieser verhältnismäßig kleinen Fläche wollte die Stadt 600 Familien besiedeln. Aber der Plan konnte nicht verwirklicht werden, weil die Militärbehörden des betreffende Gebiet nicht freigaben. Vom Standpunkt der Stadtbebauung und des Stadtbildes her war dies eine glückliche Entwicklung, weil so anstelle von dichtbesiedelten Elendsvierteln großes unbebautes Gebiet blieb, das nunmehr dem Stadtbild von Budapest großen Wert vermittelt. Die ersten beiden Häuser der Christinenstadt wurden 1770 gebaut. Die eigentliche Entwicklung der neuen Vorstadt setzte aber erst in den folgenden zwei Jahren mit größerem Schwung ein. 1772 wurden 51 neue Häuser errichtet. Der überwiegende Teil der Hauseigentümer tatsächlich Hauer, sodaß dementsprechend auch die Häuser kleine ebenerdige Häuschen mit eher dörflichen Charakter waren. Aber schon in diesen Jahren machte sich eine andere Tendenz bemerkbar, die später dann dominierend wurde. Namentlich jene Entwicklung stelle sich ein, daß auch viele wohlhabende Einwohner von Buda sich in der neuen Vorstadt ausgedehnte Grundstücke erwarben, um auf diesen große Gärten einzurichten und Sommerhäuser zu errichten. Zu diesem Zwecke wurde die nordöstlich der Rauchfangkehrerkapelle (offizieller Name : Sacellum Beatae Virginis ad Sanguinem) gelegene ebene Fläche, die sogenannte Deutschenthal-Ackerried benutzt, deren Felder nun nach der Gründung der neuen Vorstadt von ihren Besitzern zu Hausgrundstücken parzelliert für gutes Geld verkauft wurden. Auf diese Weise bekamen auch die von Maria Theresia in Buda angesiedelten Englischen Fräulein einen Garten von acht Joche Größe. Die neue Siedlung entwickelte sich im ersten Jahrzehnt sehr rasch. An dem Steilhang des Sonnenberges wurde die Kolonisation der Hauer weiter fortgesetzt: in drei Straßenzügen (dem heutigen Krisztina-Ring, der GellérthegyGasse und der Nagyhegy-Gasse) wurden rund 100 Häuser erbaut. Die Hausbesitzer und auch die Mehrheit der Hausbewohner waren Hauer, aber es kamen auch Fuhrleute und Maurer, in kleinerer Zahl auch Schankwirte und Greißler vor. Nördlich der Kapelle erstreckte sich die neue Vorstadt schon 217