Tanulmányok Budapest Múltjából 15. (1963)

Nagy István: II. József reformjai Budán = Die Reformen Josephs II. in Buda (Ofen) 363-402

auch nach 1790 Buda; die Ständeversammlungen aber fanden nach 1790 wieder in dem Wien naheliegenden Pozsony statt. Die Verfügungen, die Buda zur tatsäch­lichen Hauptstadt Ungarns erhoben, resultierten aus den Verwaltungs- und Regierungsreformen des aufgeklärten Absolutismus. Der Umsiedlung der Regierungsbehörden folgten mehrere bedeutende Re­formen zur städtischen Entwicklung. Die Stadt war vorerst zur Aufnahme der Regierungsbehörden ungeeignet. Die Regierungsorgane wurden größtenteils in den Budaer Gebäuden der aufgelösten geistlichen Orden untergebracht. Danach erfolgte die Straßenordnung, die Einführung der öffentlichen Beleuchtung und Sauberkeit, die Neuordnung der Wasserversorgung, die Schaffung neuer städtischer Anlagen: öffentlicher Gärten, Vergnügungs- und Ausflugsplätze, Restaurants usw. Zu dieser Zeit entstand in Buda das erste ständige Theater und Kasino. Joseph II. gründete das erste Frauen-Krankenhaus (das Krankenhaus des Elisabeth-Ordens) , machte aus dem städtischen Armenspital ein bürgerliches Krankenhaus. Geringeren Erfolg hatte die Reform der Stadtverwaltung und der Stadt­organisation. Die Einschränkung der städtischen Selbstverwaltung, die strenge Kontrolle durch die höheren Behörden und die Etablierung der Polizei lösten den Widerstand des Bürgertums aus. Das Josephinische Stadtverwaltungssystem wurde erst im Jahre 1789 verwirklicht, hörte aber dann, nach dem Wiederruf der kaiserlichen Verordnungen, im Jahre 1790 wieder auf. Als dauerhaft dagegen er­wiesen sich jedoch die Reformen der städtischen Gerichtsbarkeit und der Admi­nistration. Das städtische Budget wurde von Joseph II. nur insoweit verbessert, daß Buda die Lasten der Stadtregelung zu tragen vermochte. Der Bürgerschaft aber genügten die Zugeständnisse des Herrschers nicht. Wenig kümmerte sich Joseph um die wirtschaftliche Entwicklung von Buda und um die Stützung von Handel und Gewerbe, die er weder für Ungarn, noch für Buda anstrebte. Der Herrscher wollte Buda nur zum Regierungszentrum erhe­ben und auf diesem Gebiete hat er viel getan. Die Josephinischen Reformen zur Entwicklung der Stadt hinterließen bedeutende Spuren in dem rechts der Donau gelegenen Stadtteil von Budapest. Besonders das Burgviertel verdankt seinen Bemühungen viel, aber auch z. B. die Budaer Stadtau (Városmajor), der größte öffentliche Garten Budas und der Ausflugsort »Kamaraerdő« (Kammerwald) sind ein weiteres Andenken seiner Tätigkeit. 402

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