Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
4. Historische Zusammenfassung - 4.1. Aquincum vor der römischen Eroberung (Tibor Hable)
scher Herrschaft (Plin. IV. 80). Im Gebiet von Budapest kam an mehreren Fundstellen des rechten Donauufers dakische Keramik zu Tage. 5 Nach der Niederlage erscheinen die Völker der ehemaligen Machtsphäre der Boier in antiken Quellen unter ihren eigenen Namen. 6 Die Frage ihrer Wanderung (ihres „Ursprungs") löste im Kreis der Forscher - in erster Linie wegen fehlender Grabungsdaten - zahlreiche Diskussionen aus (ALFÖLDI 1942/2, 24; MÓCSY 1979, 180). Am schwierigsten ist es vielleicht, die Herkunft der Eravisker zu bestimmen. Nachdem geklärt war, daß Tacitus vielzitierter Locus (Tac. Germ. 28. 3) einer ethnographischen Spekulation ohne tatsächlicher Beweiskraft gleichkommt (MÓCSY 1962/1, 533), wurden die Möglichkeit der Wanderung des Stammes bzw. seine ursprüngliche ethnische Einheitlichkeit fraglich und es musste bewiesen werden, daß die Eravisker eine keltische Sprache gesprochen haben (M. SZABÓ 1963, 220). Aus chronologischer Sicht ist die Ursprungsdiskussion heute schon weniger widersprüchlich, was vorwiegend numismatischen (TORBÁGYI 1984) und den neuen archäologischen Argumenten (BÓNIS 1969, 223-237) zu verdanken ist. Denkbar wäre, daß die eravisci bzw. aravisci genannte ethnische Gruppe in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts ursprünglich zusammen mit den Boiern nach Pannonién kam (FITZ 1958/1, 397) und etwa bis zu den 60er Jahren v. Chr. an einem nicht näher bestimmbaren Ort unter Oberhoheit der Boier lebte. Durch das Vordringen der Daker oder als Nebenerscheinung der darauf folgenden Krisenentwicklung (z. B. Zerfall des Bündnisses Boier-Taurisker, Einstellung der boischen Münzemission) 7 verließen vor 50 v. Chr. (Caes. VI. 25. 2) kleinere Stämme oder Teilvölker 5 Szentendre, Pomáz, Békásmegyer, Tabán, Gellérthegy, Érd: ALFÖLDI 1942/2, 11; L: NAGY 1942/1, 243; RADNÓTI 1955, 20 (die Topographie stammt von M. Horler); BÓNIS 1969, 188-192, 196, 202, 224-227, 230. 6 Osi (Tac. Germ. 28), Cotini (Tac. Germ. 43), Anartii (Caes. VI. 25, Ptol. III. 8. 3), Tuerisci (Ptol. III. 8. 3). 7 K. Pink, Einführung in die keltische Münzkunde. ArchAust 6 (K950) 22. ihre früheren Siedlungsorte. So dürften auch die Eravisker - die vermutlich vom linken Ufer der Donau herüber kamen (M. SZABÓ 1990, 26) - Mitte des 1. Jahrhunderts einen Großteil der heutigen Komitate Pest, Fejér und Tolna besetzt haben (M. SZABÓ 1971, 20). Namenstatistische Angaben der civitas Eraviscorum (MÓCSY 1959, 59-64) und bestimmte Akkulturationserscheinungen 8 deuten darauf hin, daß sie im genannten Gebiet eine „Ureinwohnerschaft" gemischter, auf die Spätbronzezeit zurückführbarer, mit illyrischthrakischen und skythischen Einflüssen verwobener Kultur vorfanden, offenbar zusammen mit früheren Inseln keltischen Ethnikums. 9 Die Münzen vom Typ „Trisekles" wurden in einer der nicht genauer an einen Ort zu bindenden, im Gebiet des heutigen Komitats Fejér tätigen Werkstätten geprägt und waren vorwiegend in den Komitaten Fejér, Győr und Veszprém sowie in den Donauanrainergebieten der Komitate Tolna und Baranya im Umlauf. Vom Gebiet Nordosttransdanubiens kennen wir nur ein Exemplar aus Buda (T. NAGY 1973, 74). Die Vorbilder der boischen 5L4T£C-Münzen (60-45 v. Chr.) waren die von Stücken aus dem Kapos-Tal und Noricum inspirierten kleinen Silbermünzen des Typs Tótfalu (BÓNIS 1969, 225). Sie lassen sich weder mit den Eraviskern (ALFÖLDI 1942/1, 148-150; T. NAGY 1962, 32), noch mit deren römische Vorbilder imitierenden und gemäß römischem Münzfuß geprägten Münzen (BÓNIS 1969, 226; TORBÁGYI 1984, 188-189) in Zusammenhang bringen. Die früheste Erwähnung der aravisci (Eravisker), „...die RAVI S-Legende der Denar-Imitationen aus der Umgebung von Aquincum" (MÓCSY 1968, 277), entstammt dem augusteischen Zeitalter. Alle übrigen Schriftdenkmäler sind im Zeitraum der Römerherrschaft entstanden (ALFÖLDI 1942/1 8 Z. B. in der Tabáner Keramik: BÓNIS 1969, 188-191. 9 Békásmegyer: TOMPA 1942, 101, 130-133; L. NAGY 1942/2, 162-172. Gellérthegyi?): T. NAGY 1959, 132, Abb. 7; BÓNIS 1969, 204, Anm. 51, 52. Dies könnte eventuell auch der Kulturhorizont der 1998 in der Víziváros, am Corvin tér, gefundenen Fibel vom Typ Mötschwill sein: HABLE 1999, 117.