Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

4. Historische Zusammenfassung - 4.1. Aquincum vor der römischen Eroberung (Tibor Hable)

4.1. AQUINCUM VOR DER RÖMISCHEN EROBERUNG Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. geriet die im Karpatenbecken seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. ungebrochene keltisch-pannonische Kultur 1 mehr und mehr unter dakischen Einfluss, und vom Beginn des 1. Jahrhunderts an entwickelten sich - allen Konflikten zum Trotz - auch die keltisch­römischen Handelsbeziehungen. Der Zusammen­bruch des keltischen Machtgleichgewichtes ab 60 v. Chr. (La Tène D2) war eine Folge der Ero­berungen des unter der Herrschaft von Burebista erstarkenden dakischen Staates, während die Zeit der keltischen Unabhängigkeit mit der schrittwei­sen römischen Besetzung nach 16 v. Chr. end­gültig zu Ende ging (M. SZABÓ 1990, 25, 27). Bemerkenswert ist, daß dem Gebiet des späteren Aquincum gerade in dieser Periode des Nieder­gangs mit der Verselbständigung des Stammes der Eravisker eine größere Rolle zukommt (MÓCSY 1968, 278). Die spätestens am Ende des Jahres 40 (vor dem Jahre 41) v. Chr. erfolgende dakische Offensive betraf Pannonién (DOBESCH 1995, 17-18). 2 Burebista besiegte zuerst die Scordisker und mach­te sie zu seinen Verbündeten (ALFÖLDY 1964, 117), danach griff er die Boier und die Tauris­1 Die wichtigsten Zusammenfassungen des der Römerzeit vorangehenden Zeitraums in Bezug auf Aquincum bzw. das Gebiet von Budapest: ALFÖLDI 1942/1, TOMPA 1942, 1-171, 236-265; T. NAGY 1973, 39-82; SZILÁGYI 1968, 74-75, 111; KŐSZEGI 1995. Allgemein über die La Tène­Zeit: L. Márton, A korai La Tène kultúra Magyarországon [Die frühe La Tène-Kultur in Ungarn]. ArchHung XI, Buda­pest 1934, I. Hunyady, Kelták a Kárpátmedencében [Kelten im Karpatenbecken]. DissPan II. 18. Budapest 1944, BÓNIS 1969, 223-237; M. SZABÓ 1990, M. SZABÓ 1992. 2 Zur früheren Datierung - zwischen 56 und 50 v. Chr. - siehe: MÓCSY 1974, 20-26. Zusammenfassung der auf die Daker bezogenen Literatur: FITZ 1999, 102. ker an. Laut Strabon standen im Hintergrund dieser Konflikte unbegründete Gebietsforderungen (Strab. VII. 5, 2), deren Gegenstand der von den Boiern beherrschte Teil Nordostungarns (die Theißgegend) bildete (Ptol. 3, 8, 3) (ALFÖLDY 1966, 231). Irgendwo in Nordostungarn oder der Ostslowakei fügte Burebista den verbündeten Boi­ern und Tauriskern eine schwere Niederlage zu. Der geographische Name déserta Boiorum (Plin. III. 147) 3 allerdings ist bei der Beurteilung des Ausmaßes der Niederlage irreführend, denn die Bevölkerungsdichte der späteren civitas Boiorum deutet nicht auf ein massenweises Auswandern der Kelten hin (ALFÖLDY 1974, 41; M. SZABÓ 1990, 26). Nach dem Tode Burebistas nach 44 v. Chr. erwies sich die dakische Oberhoheit zwar nicht als dauerhaft, aber dennoch als gerade aus­reichend, um die Einheit der Boiermacht und damit das boisch-tauriskische Bündnis aufzurei­ben oder kleinere keltische Bevölkerungsgruppen (z. B. die Cotiner) zu dakisieren (BARKÓCZI 1944-1945, 180). Dakisches Fundmaterial kam in Südosttransdanubien nur sporadisch zum Vor­schein, während in der Südwest- und Südostslo­wakei gleichermaßen mit dakischer Ansiedlung zu rechnen ist. 4 Plinius zufolge befand sich die Große Tiefebene bis zur Ankunft der Jazygen unter daki­3 Konträr zur Meinung von E. TÓTH 1977/2: I. Borzsák, Die Kenntnisse des Alterums über das Karpatenbecken. DissPan 1.6. Budapest 1936, 31, Anm. 1. 4 BÓNIS 1969, 188; J. Filip, A kelta civilizáció öröksége[Das Erbe der keltischen Zivilisation]. Budapest 1966, 356. Auf­fällig ist die Konzentration des dakischen Fundmaterials im Tal der Flüsse Waag und Garam: A. Tocik, K otázke osidlenia juhozápadného Slovenska na zlome letopoctu - Zur Frage der Besiedlung der Südwestsiowakai zu Ende der alten Zeitrechnung. Archeologické rohzledy 11 (1959) 843., 847. Fundortkarte: 311.

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