Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

2. Schwerpunkt und Charakteristika der Forschungen in Aquincum 1969—2002 (Klára Póczy)

Corpus-Form aufzuarbeiten (SZIRMAI 1999/2, ERTEL 2001/1, ERTEL 2002). Auch Spuren der Tätigkeit einer nach syri­schen Musterbüchern arbeitenden Werkstatt für Wandmalereien konnten in Aquincum beobachtet werden. Ihre Arbeiten von der ersten Hälfte und Mitte des 3. Jahrhunderts erschienen in öffentli­chen Gebäuden der Militärstadt. 6 (Abb. 6.) Der wichtigste Wandgemälde-,,Fund" stammt aus dem Mithras-Heiligtum des im Legionslager befindli­chen Hauses der tribuni laticlavii (MADARASSY 1991/1, MADARASSY 1991/2). (Abb. 7.) Abb. 7. In situ vorgefundene Überreste der Einrichtung des Mithras-Heiligtums im Legionslager Aquincum (Grabung von László Kocsis 1978-1979) Auf dem Sektor der Erforschung der öffentli­chen Werke ist vor allen Dingen die Freilegung der nordsüdlich verlaufenden Wasserleitung in voller Länge hervorzuheben (KABA 1976). Dabei konnte, erstmals in Pannonién, das gesamte Vertei­lersystem des Leitungswassers im Gebiet der Zivil­Stadt beobachtet werden (zu öffentlichen Brunnen, Bädern, Privathaushalten) (PÓCZY 1980/1). Als neues, überraschendes Ergebnis zählt, daß man 6 Detailliert und mit Literatur s. im Kapitel „Die Innendeko­rationen der Gebäude" (7.2.). die Hauptleitung sogar zweimal erweitert und das städtische Netz im 4. Jahrhundert durch mehrere an der Oberfläche ausgebaute Leitungen ergänzt hat. (Abb. 8.) Ebenso verhielt es sich in der Militärstadt, wo zwei wichtige Abzweigungen von der Hauptleitung beobachtet wurden, die zu verschiedenen Zeiten entstanden und abweichende Lösungen zeigten. Darüber hinaus wurde die zum westlichen Lagertor führende, auf Bogenpfeilern ruhende (bis dahin völlig unbekannte) Hochleitung freigelegt (WELLNER 1973/1), und auch zur Freilegung der das Industrieviertel des Legions­lagers versorgenden Wasserleitung bot sich Gele­genheit, die das Wasser der am Hügel entsprin­genden Quellen heranführte (PARRAGI 1976/2). In den 30er Jahren des 4. Jahrhunderts hatte man die Wasserversorgung der südlichen Region der Militärstadt durch neue, unterirdische Leitungen mit zwei Rohren verbessert (NÉMETH 1976/2). Ein ebenso komplexes Bild gewannen wir vom Kanalisationsnetz der Zivilstadt, des Legionslagers und der Canabae, wo es gelang, das vollständige System der mehrfach umgebauten bzw. erweiter­ten Kanäle zu dokumentieren (PÓCZY 1997/1). Nicht zuletzt sei an dieser Stelle auch kurz auf die Ergebnisse der interdisziplinären Forschungen (Archäometrie) verwiesen. Die Materialuntersu­chungen der kleineren Gruppe der Töpferöfen und Keramikprodukte (ZSIDI-BALLA 2000), die Aufarbeitung der Pílanzenreste (GYULAI 2001), 7 die Analyse von Tierknochen und Uberresten tierischen Ursprungs (CHOYKE 1993, CHOY­KE, 1994-95, CHOYKE 1998/1-3) sowie die Untersuchung der wenigen Textilien 8 führten hauptsächlich im Hinblick auf die Wirtschaftsge­schichte von Aquincum zu einer Erweiterung der Kenntnisse. 7 Sowie die Diplomarbeit von Dalnoki O., Következteté­sek Pannónia provincia szőlőművelésére az aquincumi Kaszásdűlőről előkerült szőlőmaradványok alapján, különös tekintettel Aquincum territóriumára [Schlussfolgerungen über den Weinbau der Provinz Pannonién auf Grund der in Aquincum, Kaszásdűlő, ans Tageslicht gelangten Weinstock­reste, insbesondere im Hinblick auf das Territorium von Aquincum]. Budapest, ELTE Archäologie 1998. 8 Die drei neuen Textilfunde erwähnen: NEMETH-TOPAL 1991, ZSIDI 1999/5, MADARASSY 2002.

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