Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

2. Schwerpunkt und Charakteristika der Forschungen in Aquincum 1969—2002 (Klára Póczy)

Aus dem Bereich Numismatik wurde oben bereits die Prägestätte der Eravisker auf dem Gellértberg erwähnt. Die neue Datierung der Einrichtung (TORBÁGYI 1984) ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, den Zeitpunkt der Erobe­rung der Provinz bzw. des Ausbaus des Limesab­schnitts an der Donau, zu dem es verschiedene Hypothesen gibt, festzulegen. Mit einer neuen Angabe zum Wirtschaftsleben von Aquincum trug ein früher ans Tageslicht gelangter, doch erst jetzt identifizierter Prägestock aus der Zeit Caracallas bei, den man in einem geschlossenen Fundkomplex in der Zivilstadt fand (BIRO-SEY 1982). Fraglich ist, ob das Stück auf eine offizi­elle - saisonal betriebene - Prägestätte hindeutet oder ob es sich um den Nachlass von Geldfäl­schern handelt. Es darf aber angenommen wer­den, daß man die schwere materielle Belastung durch die häufigen Kaiserbesuche der Severer mit lokaler Geldemmission auszugleichen suchte (PÓCZY 1991/1). Unter den Ruinen der im Jahr 260 zerstörten Villa in Budaörs eines der namentlich bekannten Dekurionen aus Aquincum wurde, in einem Gefäß verborgen, ein aus meh­reren hundert Silberdenaren bestehender Schatz gefunden. Das nie wieder verwendete Vermögen ist ein Hinweis darauf, wie schwer die Stadt und ihre Umgebung von den Kriegsereignissen der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts betroffen waren (KABA 1983-1984). Wichtig für die spät­kaiserzeitlichen Forschungen ist die ungewohnt große Menge Münzen, die während der kurzen Herrschaftszeit der Kaiser Valentinianus I. und Valens in den Raum von Aquincum floss. Offizi­ell diente sie wohl zum Ausbau des gefährdeten Limesabschnitts und gewiss auch für den erhöh­ten Sold des Heeres. Beobachtungen zufolge waren diese Münzen nicht nur im 5. Jahrhundert kontinuierlich in Umlauf, sondern wurden sogar bis zur ungarischen Früharpadenzeit als gültiges Zahlungsmittel anerkannt (SOPRONI 1969). Was die Frage der Kontinuität anlagt, 9 bringt die Forschung die Beendigung der römischen 9 Ausführlich und mit Literatur s. im Kapitel „Zur Frage der Kontinuität in Aquincum" (4.3.). Verwaltung und Militärpräsenz im Gebiet Pan­noniens gegenwärtig mit der Auflösung des Weströmischen Reiches in Verbindung, d.h., sie setzt sie in den Zeitraum nach der Mitte des 5. Jahrhunderts (VÁRADY 1969, SALAMON-BAR­KÓCZI 1978-1979, SALAM O N-B ARKÓ CZI 1982, BARKÓCZI-SALAMON 1984, SOPRO­NI 1985, SOPRONI 1986, FITZ 1984, FITZ 1993-1995, 1319-1322, 1332-1333, E. TÓTH 1994). Nach der früheren Forschung geht die Römerherrschaft in Aquincum mit dem hunnisch­germanischen Einfall des Jahres 409 zu Ende (T. NAGY 1973, 112, 185.). Auf diesem Gebiet hat Abb. 8. Straßenabschnitt neben den Pfeilern der Nord-Süd-Wasserleitung im Bereich der Zivilstadt von Aquincum (Grabung von Klára Póczy und Paula Zsidi 1979) sich in der Aufarbeitung der Geschichte Panno­niens und innerhalb dessen vor allen Dingen der Geschichte Aquincums - im Vergleich zum Stand von vor dreißig Jahren - fraglos der bedeutendste Anschauungswandel vollzogen. Die Beweisführung dieses Datums gelang den Forscher unabhängig voneinander, mitunter indem sie ihre Angaben gegenseitig weiterentwickelten, sowie unter Ver­wendung der zahlreichen neuen und sich ständig

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