Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

2. Schwerpunkt und Charakteristika der Forschungen in Aquincum 1969—2002 (Klára Póczy)

sich anhand dieser Gegenstände der Weg der aus Aquincum abgezogenen bzw. hierher beorderten Hilfstruppen verfolgen (SZIRMAI 1990/1, SZIR­MAI 1994, SZIRMAI 1995/1, SZIRMAI 1998/3, SZIRMAI 2002/3). Die Glasforschung war vor allem bestrebt, die einzelnen Perioden des Glasimports aus Aquileia einzugrenzen (PÓCZY 1972/2). Als wichtiger erwies sich jedoch, daß der vom 3. Jahrhundert an aus den nahöstlichen Zentren einströmende Glasimport erkannt wurde (BARKÓCZI 1988, BARKÓCZI 1990). Mit dieser Entdeckung zer­bröckelte die Vorstellung, wonach die Einwohner­schaft Aquincums und der Provinz in dieser Zeit nur Exporte rheinischer Werkstätten erworben haben soll. Daneben gelang es in mühevoller For­schungsarbeit zu klären, daß auch im ausgehen­den 4. Jahrhundert noch Glasimporte und Terra Sigillata Chiara-Waren in den östlichen Grenzab­schnitt Pannoniens gelangten (BARKÓCZI 1971/1, GABLER 2002). Dies ist ein ebenso bedeutsames Resultat wie es wichtig war, daß im Industrie­viertel der Legion eine Glasbläserwerkstatt freige­legt wurde, die man in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts sogar renoviert hatte (PARRAGI 1976/2). Gleichzeitig kam in der Zivilstadt ein auf Herstellung von Glas hindeutender Fundkomplex zum Vorschein (BARKÓCZI 1977, BARKÓCZI 1988, 27-30.). Auf dem Gebiet der Steinbearbeitung 5 hat die Forschung Produkte mehrerer lokaler Werkstät­ten abgesondert und nach stilkritischen Aspekten analysiert. Der früheste Komplex sind die sog. Grabsteine mit Kranzschmuck, die Anfang des 2. Jahrhunderts von den Steinmetzen der Legi­on nach italischen Vorbildern für wohlhabendere Auftraggeber in Serie produziert wurden (T. NAGY 1971/3, 113-116.). Diese Steinmetzwerk­statt versorgte auch die Bewohner der Zivilstadt. Gleichfalls ab der Wende vom 1. auf das 2. Jahrhundert betteten die vermögenderen Familien ihre verstorbenen Mitglieder in Familiengrabstätten bzw. Grabädiculen zur letzten Ruhe. Die mit Hilfe 5 Detailliert und mit Literatur s. im Kapitel „Die Steinbear­beitung in Aquincum" (7.1.). Abb. 6. Freilegung eines repräsentativen öffent­lichen Gebäudes im nordöstlichen Viertel der Militärstadt (Grabung von Krisztina Szirmai 1979-81) erhalten gebliebener Steinmetzarbeiten angefertig­ten Rekonstruktionen belegen ihre Verbindung zum „Kunstzentrum" Aquileia (ZSIDI 1997/2). Ein gutes Jahrhundert später sorgte eine vermut­lich aus dem Nahen Osten hier angesiedelte, unter orientalischem, genauer gesagt syrischem Einfluss tätige Werkstatt für den Bedarf der Einwohner­schaft, die ihre Bauinschriften und Grabdenkmäler mit „barocken" Greifen-Peltenmotiven schmückte (KADAR 1978). Eine besondere Gruppe der Steindenkmäler muss an dieser Stelle ebenfalls erwähnt werden. Und zwar die Reliefserie von Aquincum mit mythologischen Szenen, die der Bearbeiter des Themas mit neuer Datierung in das Jahr des unter Kaiser Philippus begangenen „Milleniums" setzte, indem er bewies, daß zum tausendjährigen Jubiläum der Gründung Roms in den Zentren sämtlicher Provinzen, auch in der Residenzstadt von Pannónia Inferior, neue Tempel errichtet wurden, als deren Fassadenschmuck man mit propagandistischen Absichten geeignete Bilder­serien aus der Geschichte der Urbs ausgewählt hatte (BARKÓCZI 1984). Daneben wurde in der behandelten Forschungsperiode begonnen, einzelne Gruppen der Steindenkmäler aus Aquincum in

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