Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
7. Kunstdenkmäler aus den jüngeren Forschungen - 7.3. Musikdenkmäler aus Aquincum (Judit Topái)
7.3. MUSIKDENKMÄLER AUS AQUINCUM In Verbindung mit dem Musikleben in Aquincum stehen uns gegenwärtig wenige unumstrittene Beweise zur Verfügung (PÓCZY 1997/2, TOPÁL 2002/1), entgegen der Tatsache, daß Musik bei den Ritualen der verschiedenen Kulte oder im Heer (sowohl in Friedens- wie auch in Kriegszeiten) oder als Begleitung der in den Amphitheatern bzw. Theatern zur Unterhaltung veranstalteten Spiele und nicht zuletzt privater Zusammenkünfte bzw. Festgelage ein wichtige Rolle gespielt hat. Die momentan verfügbaren Belege werden in folgender Gruppierung vorgestellt: Instrumente als archäologische Funde, Darstellungen von Instrumenten, Inschriftdenkmäler ohne Darstellungen. Archäologische Funde Unbedingt als erstes zu erwähnen sind die 1931 von Lajos Nagy bei einer Rettungsgrabung im Keller des Sitzes der Feuerwehr in Aquincum (collegium centonariorum) freigelegten Uberreste einer tragbaren, durch Veränderung des Wasserstandes in einem Druckbehälter (hydraulus, hydra) betriebenen Orgel (orgánum pneumaticum) mit Gebläse (L. NAGY 1934/2, KABA 1970, KABA 2001, WALCKER-MAYER 1970). 1 Nach dem lateinischen Text der kleinen Bronzetafel, 2 die zu der aus Nadelholz angefertigten Windlade gehört, hat der decurio und gleichzeitige praefectus der oben erwähnten Körperschaft, G. Iul(ius) Viatorinus, das Instrument zur Zeit des Konsulats des Modestus und Probus (228. n. Chr.) als Geschenk erhalten (L. NAGY 1932). Die 52 in vier Reihen angeordneten Bronzepfeifen ermöglichten das Schalten von vier Registern. Jeweils 1 Aq. Mus. Inv. Nr. 70.11.1-298. 2 Aq. Mus. Inv. Nr. 70.11.259. 13 Pfeifen ergaben eine chromatische Tonleiter, wobei den Grundton der ersten 13 Pfeifen das mittlere C, der nächsten 13 das vier Töne tiefere F und der beiden folgenden Tonleitern das mittlere F bildeten. (Abb. 1.) Die Musik, die beim Spiel der Pfeifen erklang, war homophoner Art (L. NAGY 1942/1, 559). Wie die chemische Untersuchung der Metallgegenstände ergab, handelt es sich bei dem Instrument um ein Produkt des rheinländischen Metallhandwerks. Leider ging die Rekonstruktion des Wasserbehälters (pnigeus), der die Luftzufuhr zu den Pfeifen gewährleistete, zwischenzeitlich verloren, und auch der Zustand der noch vorhandenen, aber stark korrodierten Fragmente ist nicht zufriedenstellend. 3 Anhand der Rekonstruktion der originalen Bronze-und Holz3 J. Minárovics, Miért volt az aquincumi tűzoltóság orgonája víziorgona? (Weshalb könnte die Orgel der Feuerwehr in Aquincum eine Wasserorgel gewesen sein?). BudRég 28 (1991) 261-282; E. L. Szonntagh, Újabb adatok az aquincumi orgona légnyomásszabályozó szerkezetéhez (Neuere Angaben zum Druckluftregler der Orgel von Aquincum). BudRég 28 (1991) 283-293. Abb. 1. Neue Rekonstruktion der Orgel (hydra) aus Aquincum