Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

7. Kunstdenkmäler aus den jüngeren Forschungen - 7.3. Musikdenkmäler aus Aquincum (Judit Topái)

bestandteile gelang es der weltberühmten Pécser Orgelbauerfirma Angster im Jahr 1935, zwei authentische Kopien anzufertigen. Eine ist auch heute in der Kopiensammlung des Museums zu besichtigen 4 und kann sogar gespielt werden. Die an das Thema anknüpfenden neuesten Ergebnisse und Hypothesen verschiedener Autoren findet man in der Publikation über das Internationale Sym­posium "Orgel der klassischen Antike: die Aquin­cum-Orgel A.D. 228 (Hrsg. H.H. Eggebrecht, Kleinblittersdorf 1997). Zubehör von Blasinstrumenten dürften aller Wahrscheinlichkeit nach jene aus Langknochen bzw. Geweih geschnitzten und geschliffenen, innen hohlen, in einigen Fällen mit einem sorgfältig gebohrten Griffloch versehenen Gegenstände gewe­sen sein, deren fragmentierter Zustand es jedoch nicht ermöglicht, das betreffende Objekt authen­tisch zu rekonstruieren. Die in der römischen Sammlung aufbewahrten Gegenstände 5 könnten Fragmente einer einfachen Flöte (tibia gingrina, tibia impares) oder eventuell Möbelbestandteile, namentlich Scharnierröhren, gewesen sein. 6 Die innen sorgsam ausgehöhlten und geschliffenen, mit einem oder zwei gebohrten Löchern verse­henen Geweihgegenstände, 7 die an das bei den Germanen gebräuchliche Horn (lurum) erinnern, sind auch als Instrumente zu benützen. Die Frag­mente von einigen Beingegenständen 8 hat man auf Grund ihrer Form und Ausbildung vielleicht ebenfalls für Mundstücke von Blasinstrumenten zu halten, wobei hier sogar Blechblasinstrumente wie cornu, bucina, salpinx, tuba etc. in Betracht kämen. 9 (Abb. 2.) Der im zweifellos nahe bei Aquincum gelegenen Zsámbék unter ungewissen Umständen ans Tages­4 Aq. Mus. Inv. Nr. RM 34, KS 94.29. 5 Aq. Mus. Inv. Nr. 51160, 51173 und 52761. 6 J. Obmann, Die römische Funde aus Bein von Nida-Hed­dernheim. Sehr. Frankfurter Museums für Vor- und Früh­geschichte. 1997, 57 ff., Taf. 9. 7 Aq. Mus. Inv. Nr. 15262, 51127. 8 Aq. Mus. Inv. Nr. 52762, 52976 und 52977. 9 Kürzlich kam in einem Grab des Westfriedhofs der Mili­tärstadt von Aquincum eine beinerne Pfeife zum Vorschein. Grabung O. Madarassy, Vályog Str. 6., Grab 88., 2001, Plan 9, Nr. 62. Abb. 2. Pfeife aus dem Tierknochen aus einem spätrömischen Grab des westlichen Gräberfeldes der Militärstadt Abb. 3. Bronzene Schelle vom Donauufer, südlich der Militärstadt licht gelangte, in Ungarn bislang einzige publizier­te Tuba-Fund (GABLER 1970 59 ff.) 10 läßt sich unserer Ansicht nach nicht an Aquincum binden. Als relativ häufige Beigaben kommen in den Bestattungen in Aquincum — hautpsächlich in Kindergräbern - kleine Bronzeschellen 11 vor, (Abb. 3.) die gerade wegen ihrer winzigen Maße (Dm.: 1,5-2,0 cm) und der daraus resultieren­den schwachen Klangkraft nicht für Instrumente im klassischen Sinn, sondern eher für Spielzeug zu halten sind. Anders verhält es sich mit den in unserer Sammlung recht zahlreich vertretenen, 10 Inv. Nr. 10/1951.3 im Ungarischen Nationalmuseum. 11 Z. B. Aq. Mus. Inv. Nr. 86.7.211, 91.2.3, 92.8.57, etc.

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