Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
7. Kunstdenkmäler aus den jüngeren Forschungen - 7.1. Die Steinbearbeitung in Aquincum (Krisztina Szirmai)
zurückliegenden Zeitraum ans Tageslicht gelangten Grabsteine werden laufend publiziert (FACSÁDY 2001/4, SZIRMAI 2001/1). In jüngster Zeit untersuchte man die Grabsteine aus Aquincum unter dem Gesichtspunkt der militärischen Ausrüstung (SZIRMAI 2000/2, SZIRMAI 2002/3), und mehrere Forscher beschäftigten sich mit den Darstellungen der Denkmäler des Musiklebens in Aquincum auf Grabsteinen (POCZY 1997/2, TOPAL 1997/2, 2001). Grabbauten Bei den Grabkapellen in Aquincum befanden sich an den Außenseiten eine Attis oder Opferfiguren, innen an den Rückseiten waren eine Büste oder ganzgestaltige Darstellungen der Verstorbenen in Stein gehauen. An der Innenseite der Deckenplatte erschien ein symbolisches Porträt. Die den Grabgarten bildenden Eckpfeiler zierten Dioscur, Attis oder die Gestalten dionysischer Szenen. Teile des Grabbaus konnten Theseus-Minotaurus und Priamos-Achilles darstellende Tafeln sein. Diese Grabbauten stellten die Werkstätten in Aquincum während des ganzen 2. Jahrhunderts her, und selbst im 3. Jahrhundert waren sie noch gefragt (T. NAGY 1971/3, 128; BARKÓCZI 1973, 78-80). An dieser Stelle sei vermerkt, daß László Kocsis beim Abbruch der Westfront der spätrömischen Festungsmauer auf zehn zu einem Grabgarten gehörende Werksteine stieß (KOCSIS 2001/2, ERTEL 2001/2). Eine zusammenfassende Studie über die Grabbauten in Aquincum stammt aus der Feder von Christine Ertel (ERTEL 1999/2). József Beszédes erwähnt in seiner Publikation auch die an Ecksteinen aus Aquincum ausgeformten Dioscur-Darstellungen (BESZÉDES 1996, 133-155), und Paula Zsidi gelang anhand kleiner Fragmente die Rekonstruktion eines Grabbaus (ZSIDI 1997/ 2, 247-255.). 8 8 Vielleicht zu einer Grabplastik gehörte der Kopf, welcher zusammen mit einigen Architekturgliedern eines monumentalen Grabdenkmals zum Vorschein kam und Bestandteil des Grabbaus einer der Villen im Municipium von Aquincum gewesen sein dürfte: LASSÁNYI 2002, 64. Sarkophage Im zweiten Drittel des 2. Jahrhunderts verbreitet sich in Aquincum die Benutzung des Sarges. Der häufigste Typ hat die Form einer einfachen Kiste. Den Sarkophag des L. Valerius ziert nur eine Inschrift mit profiliertem Rahmen, während der Sarg der Pia Celerina schon an allen vier Seiten Verzierungen aufweist. Bei Sarkophagen mit mythologischen Szenen wurden die Vorder- und die beiden Seitenplatten verziert. Die Filiale einer in Virunum ansässigen Werkstatt verwendete Vorbilder mit Leda bzw. Ganymedes. Uber diese Werkstatt gelangten die mythologischen Themen nach Aquincum (Flucht der Iphigenie, Perseus ermordet Medusa, Menelaos und Helena, Theseus und Ariadne etc.). Auch ein Fragment eines Klinésarkophags, der griechisch-balkanische bzw. italische Einflüsse zeigt (T. NAGY 1971/3, 133), kam in Aquincum zum Vorschein. Die Sarkophage des 3. Jahrhunderts sind dreifach gegliedert: zwischen zwei kleinen Nischen eine Inschrifttafel. In den Nischen wurden Attis, Genius- bzw. Opfergestalten dargestellt. Bei einem Teil der Särge Findet man - in dieser Zeit — auch Pelten- und tabula arcsata-Dekorationen. Eines der späteren Denkmäler vom Ende des 3. bzw. Anfang des 4. Jahrhunderts ist schon weniger sorgfältig ausgearbeitet, hat aber noch immer eine Inschrift (Sarg des Aur. Martialis und seiner Gattin) (T. NAGY 1971/3, 129-139). Zuweilen aber wurde die Inschrift auch schon weggelassen. 9 In jüngster Zeit befasste sich Erwin Pochmarski mit einzelnen Typen der Sarkophage aus Aquincum (POCHMARSKI 1998, 181-200), deren Zahl durch neuerliche Erdarbeiten wiederum angestiegen ist (SZIRMAI 1993, 421-427; FACSÁDY 1999/2, 96-97). 10 9 G. Koch - H. Sichtermann, Römische Sarkophage. München, 1982, 325-326. 10 Sekundär verwendete (halbfertige?) Sarkophage kamen bei der Freilegung der römischen Qelleneinfassung im Gebiet des Strandbades Römerufer zum Vorschein (LANG 2001, 92).