Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

6. Die Wirtschaft Aquincums im Spiegel der neuen Funde - 6.1. Lokales Gewerbe und Handel (Klára Póczy, Paula Zsidi)

Abb. 21. Bronzene Trachtgegenstände aus dem spätrömischen Gräberfeld von Gazdagrét Abb. 22. Grünglasierte Keramik aus dem spätrö­mischen Gräberfeld von Gazdagrét 131; K. SZABÓ 2000, 158). 28 Zwischen den spätrömischen Trümmern eines der östlich vom Gebäude der Basilika gelegenen Privathäuser (sog. Pfauenhaus) wurden ein Gussmodel, auf Bearbei­tung wartende Fragmente sowie kleine, halbfertige Gußstücke gefunden (PÓCZY - ZSIDI 2001, 159, Nr. 105), 29 und in einem der Villengebäude nahe der Zivilstadt hatte man einige Räume für 28 Die Aufarbeitung des Fundmaterials aus dem Macellum zieht neuerdings die Existenz einer Bronzegießerei in Zwei­fel: LÁNG 2001, 5. 29 Grabung K. Póczy und Gy. Hajnóczi 1972, Plan 2, Nr. 3, unpubliziert. die Reparatur kaputter Verschlüsse von Bronzefi­beln eingerichtet (ZSIDI 1991, 151). Uber die lokale Glasherstellung der Spätanti­ke liegen uns keine direkten Angaben mehr vor. Doch die sich als sehr beliebten und vielseitigen, vor Ort hergestellten Glas- und Glasflußperlen deuten zweifellos darauf hin, daß hier auf frühe­re Traditionen zurückgreifende, aber mit engerer Produktpalette arbeitende Betriebe existiert haben (BARKÓCZI 1988). Nach dem Gesamteindruck der aus diesem Zeit­alter freigelegten Gebäude mussten die damaligen Werkstätten für Wandmalerei (PÓCZY 1984/2), Stuckatur und Mosaiken wohl kaum über Auf­tragsmangel klagen, während die beiden früheren „Zugpferde" der Handwerk - die Keramikproduk­tion, vor allem aber die Töpferei, und die Stein­bearbeitung - in dieser Periode niederzugehen begannen. Die für das Zeitalter charakteristischen glasierten Gefäße wurden in Aquincum vermut­lich von einer zur Legion gehörenden Werkstätte produziert, für ihre lokale Provenienz sprechen auch die fehlerhaften bzw. verdorbenen Exemplare (BÓNIS 1990, 26). Ununterbrochen arbeiteten im Gegensatz dazu die damaligen Ziegelbrennereien, und mitunter musste man wegen der langsam nicht mehr abreißenden Wiederherstellungsarbeiten sogar einige neue Brennöfen in Betrieb nehmen. Die Erzeugnisse der Steinmetzwerkstätten sind in diesem Zeitraum deutlich weniger gefragt. Das Weglassen figuraler und ornamentaler Verzie­rungen an den Grabsteinen des 4. Jahrhunderts belegt neben der Einengung des Marktes auch die Einschränkung der Ansprüche. Häufig kommt es vor, daß man frühere Werke nicht nur als Baumaterial (KOCSIS 2001/1), sondern auch zu propagandistischen Zwecken sekundär verwendet. Von einem zur Grabplastik einer Frau aus Aquin­cum gehörenden Kopf beispielsweise stellte sich erst kürzlich heraus, daß er zum Kaiserproträt umgearbeitet im Wachtturm von Visegrád-Lepence Wiederverwendung fand (SZIRMAI 1999/2, 70­71). 30 30 P. Gróf - D. Gróh, The Watchtower of Visegrád-Lepence, BudRég 34 (2001) 117-121.

Next

/
Thumbnails
Contents