Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

6. Die Wirtschaft Aquincums im Spiegel der neuen Funde - 6.1. Lokales Gewerbe und Handel (Klára Póczy, Paula Zsidi)

Produktion lokaler Kleinbetriebe (von Valentinianus I. bis Attila) Im Laufe des 4. Jahrhunderts war es die früh­christliche Kirche, welche die Beziehung zwischen Norditalien und der Provinz Valeria, und dort zu Aquincum, enger knüpfte. Die sich an den erhal­ten gebliebenen Baudenkmälern und auch unter den Kleinfunden zeigenden christlichen Einflüsse belegen, daß die Verkehrs- und Handelsroute Aquileia-Aquincum weiterbestand. Über diese Straße dürften aber nicht nur zerbrechliche, feine und teuere Waren (in erster Linie orientalisches Glas, afrikanische Sigillaten), sondern auch das Gedankengut des Christentums in die dauernde Gefahr ausgesetzte Grenzregion und damit nach Aquincum gelangt sein. Abb. 23. Krug mit eingeglätteten Verzierung aus dem spätrömischen Gräberfeld von Gazdagrét Die für das Zeitalter typischen, industrieähnlich hergestellten lokalen Produkte beschränkten sich nun schon ausnahmslos auf das Militär. Die Zivil­bevölkerung dagegen ging zur selbstversorgenden, hauswirtschaftlich betriebenen Handwerkstätigkeit über. Führender Handwerkszweig war vor allem die Herstellung von Baumaterial, das in Folge von Valentinians Befestigungspolitik in unverän­dert großen Mengen benötigt wurde, da man das Donauknie und den Limesabschnitt von Aquin­cum an beiden Ufern durch kleine Kastelle bzw. Wachttürme befestigte. Auf den für die Bauten benutzten Ziegeln standen ab 372-374 die Namen der Generäle des Kaisers. Die Ziegeleien bzw. Brennöfen waren weiterhin in der zum Legions­lager gehörenden Gebiet tätig, jedoch in weitaus größerem Umfang als früher (FACSÁDY 1997, FACSÁDY 2002/2). Charakteristische Keramiktypen des Zeitalters sind neben der glasierten Keramik (BONIS 1990) (Abb. 22.) die Gefäße mit Einglättverzierung. 31 (Abb. 23.) Letztere verbreiteten sich nach der 378 stattgefundenen, einen historischen Wendepunkt bedeutenden Schlacht bei Hadrianopolis in der Provinz. Auf Grund der wenigen aus Aquincum bekannten Stücke 32 dürften sie auch hier vor­wiegend bei den zur Garnison der Wachttürme am Limes gehörenden, meist verschiedenen bar­barischen Völkergruppen (foederati) in Gebrauch gewesen sein. Ab Mitte des 4. Jahrhunderts ging die Einwoh­nerzahl Aquincums zurück. Nach der Schlacht bei Hadrianopolis (378) brach der Geldumlauf ab, eine wirtschaftliche Krisensituation entstand, und in Folge der Ansiedlung von foederati kam es zu einer beträchtlichen Barbarisierung der Bevölke­rung. Die in den dreißiger Jahren des 5. Jahrhun­derts erfolgende offizielle Übergabe der Provinz 31 Zuletzt über einen Herstellungsort der eingeglätteten Kera­mik: K. Ottományi, Eine Töpferwerkstatt der spätrömischen Keramik mit Glättverzierung in Pilismarót-Malompatak. ActaArchHung 48 (1996) 71-133. 32 Zum Beispiel von dem spätrömischen Wachtturm am Fund­ort Gasfabrik oder aus dem Gräberfeld Gazdagrét (ZSIDI 1987, 67). Die Aufarbeitung der späten Keramik von Aquincum wurde noch nicht in Angriff genommen.

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