Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

6. Die Wirtschaft Aquincums im Spiegel der neuen Funde - 6.1. Lokales Gewerbe und Handel (Klára Póczy, Paula Zsidi)

Hängen der nördlich der Stadt gelegenen Hügel sowie in den zur Canabae gehörenden Friedhöfen einzelner Siedlungen an der Grenze Pannoniens (Intercisa, Brigetio, Carnuntum) einige Mumien­bestattungen zum Vorschein. Der wertvollste unter den aus diesen Gräbern stammenden Gegenstän­den ist das auf Eichenholz gemalte Porträt eines Mannes mit ausgesprochen orientalischen Zügen (PÓCZY 1966). Den Glasimport dieser Periode kennzeichnet eine ganz besondere Vielfalt (BARKÓCZI 1988, 46). (Abb. 18.) Aus dem Westen trafen zumeist Serienprodukte der Kölner Manufaktur - große, schliffverzierte Flaschen bzw. Glasbecher mit figu­ralen Darstellungen, z. B. Gladiatoren - in Aquin­cum ein. Aus den Glaswerkstätten des Ostens, in erster Linie von Zypern und Dura-Europos, gelangten geschliffene Schüsseln und Pokale in die nördliche Grenzregion. Mangels Materialun­tersuchung ist vorerst nicht zu entscheiden, ob die fertige Glasware oder deren Hersteller selber nach Aquincum kamen. Nach den Beigaben der spätrömischen Gräber zu urteilen war Aquincum außerdem ein stabiler Absatzmarkt für die in Sir­mium produzierten dickwandigen, blaugepunkten Glasbecher. Ebenfalls zu dieser Zeit kommt hier an der Grenze der Bernsteinschmuck wieder in Mode. In den Gräbern des Zeitalters sind auffallend viele und wertvolle Goldgegenstände anzutreffen. (Abb. 19.) Die Reihe der traditionellen Schmuck­typen (Halskette, Armband, Ohrgehänge, Bulla) ergänzen golddurchwobener Stoff, ein goldenes Haarnetz 27 bzw. mit Gold verzierte Totenschuhe (PÓCZY 1964/2). Und natürlich durften auf den Festtafeln der späten Römerzeit auch in Aquincum unter keinen Umständen die afrikanische Sigillata Chiara-Schüssel (GABLER 2002, 234) und die Silberkanne fehlen. Der relative wirtschaftliche Aufschwung führte zur Belebung der lokalen Gewerbe- und Indus­trieproduktion. Die größeren, industrieähnlich produzierenden Betriebe arbeiteten in erster Linie für das Militär. In der Notitia Dignitatum wird 27 Sammlung des Aquincum-Museums Inv. Nr. 51469. Abb. 20. Rekonstruiertes Holzkästchen mit Bronzebeschlägen aus einem Grab der Militärstadt sogar eine Waffenfabrik aus Aquincum - Acin­censis scrutaria - erwähnt (Not. Dign. LX.19.). Neben Aquincum zählt die Quelle noch Sirmium, Carnuntum, Lauriacum und Salona als Orte der Waffenherstellung auf. Der führende Handwerkszweig des Zeitalters war das Bronzegießen. Die zu den Begräbnisri­tualen verwendeten Kästenbeschläge dürften von einer größeren, zur Herstellung neuer Erzeugnis­se geeigneten Werkstatt in Aquincum produziert worden sein (GÁSPÁR 1986, 77 ff, 110-144). (Abb. 20.) Von den gegossenen, figurai verzierten Griffen sind aus Aquincum mehrere Exemplare bekannt, aber auch nach Brigetio und Intercisa gelangten die Fabrikate dieser Werkstatt. Unbe­dingte Erwähnung verdienen unter den Produkten der Bronzegießereien die im Gussverfahren herge­stellten Zwiebelkopffibeln sowie der billigere Bron­zeschmuck wie Armring, Bulla usw. Aus Bronze gefertigte Trachtgegenstände waren wertvoll und wurden selbst dann nicht weggeworfen, wenn sie kaputt gingen. (Abb. 21.) Es entstanden auch klei­ne, eher in Wohnhäuser betriebene Werkstätten, wo man solche Stücke reparierte. In zwei Gebäu­den im Zentrum der Zivilstadt von Aquincum war eine kleinere Werkstatt tätig (K. SZABÓ 1990,

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