Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

6. Die Wirtschaft Aquincums im Spiegel der neuen Funde - 6.1. Lokales Gewerbe und Handel (Klára Póczy, Paula Zsidi)

wie auch anderswo im Reich, die verschiedenen Berufsgruppen zu Vereinigungen zusammen, was ihnen Schutz, Rechtssicherheit und vor allen Din­gen die Qualität der produzierten Waren gewähr­leistete. Offiziell war das Wirken der Vereine an eine Bedingung gebunden: sie mussten irgendeine gemeinnützige Aufgabe erfüllen, wie zum Beispiel eine freiwillige Feuerwehr bilden oder die Instand­haltung bestimmter öffentlicher Gebäude überneh­men. Inschriften aus Aquincum belegen bislang die Tätigkeit neun solcher Kollegien, was für eine Provinzstadt eine relative hohe Zahl ist. Mehrere davon waren ausgesprochene Vereinigungen der Händler und Handwerker. Dem conventus civium Romanorum consistentes legionem II Adiutricis gehörten Bürger an, die schon das römische Bür­gerrecht in einer anderen Stadt erlangt hatten. Es waren in erster Linie aus Norditalien kommende Unternehmer, die sich mit Importgeschäften und Finanzinvestitionen befassten. Sie wohnten in der Militärstadt, und das Gebiet nördlich davon war ihnen wohl als Begräbnisstätte zugewiesen wor­den. Darauf deutet auch ein dort freigelegtes, reich geschmücktes Grabmal, das italische Vor­bilder zeigt (ZSIDI 1997/2). Von der Rolle des collegium civium Agrippinensium Transalpini war weiter oben bereits die Rede (L. NAGY 1931/1, POCZY 1961), und das collegium negotiantium, d. h. der Verein der Kaufleute, gibt seine Tätig­keit schon im Namen zu erkennen. Zwei Vereine der Gewerbetreibenden, der das collegium fab­rum, also der Zimmerleute, und das collegium centonariorum, also der Tuchmacher, dürften die Genehmigung deshalb bekommen haben, weil sie das zum Feuerlöschen erforderliche Material her­stellten (L. NAGY 1941/1). Von der Existenz des collegium dendrophorum der Holzbearbeiter- und Lieferanten wiederum kündet ein fragmentierter Grabstein. Im Falle der beiden Vorgenannten ist auch der Sitz ihrer Kollegien in der Zivilstadt von Aquincum bekannt. Kenntnis haben wir dar­über hinaus von einem collegium veteránommá 19 Ein im zurückliegenden Zeitraum im westlichen Gräberfeld der Militärstadt freigelegter weiterer Grabstein belegt die Tätigkeit dieses Kollegiums ebenfalls MÁRTON 2002/1. Abb. 15. Goldring mit inschrift VRSA, aus dem Westgräberfeld der Militärstadt (Abb. 16.) collegium tenuiorum, und collegium scaenicorum in Aquincum. Ein Großteil dieser Körperschaften leistete auch Bestattungshilfe, und das erklärt, weshalb die Steinmetzarbeiten so viele Informationen über sie vermitteln. Neben den Vereinswerkstätten der Steinmetzen wurden auch die Werkstätten der Legion weiter betrieben. Die Stelen zeigen noch immer in erster Linie italischen Einfluss. Vermutlich als Mustervor­lage für eine der Legionswerkstätten wurde Ende des 1. Jahrhunderts jener große, kunstvoll behau­ene Marmorgrabstein nach Aquincum geliefert, dessen Einfluss auf das lokale Steinmetzhandwerk bis ans Ende des 2. Jahrhunderts verfolgt werden kann (T. NAGY 1971/3, 114). Das hohe Niveau der in den einzelnen Werkstätten hergestellten Erzeugnisse macht es wahrscheinlich, daß dort weiterhin auch wandernde Steinmetze tätig gewe­sen sein dürften. Ab der Mitte des 2. Jahrhunderts tauchten als Neuheiten der lokalen Werkstätten die Sarkophage auf, deren frühe, mythologische Szenen darstellende Exemplare Verwandtschaft mit dem Motivschatz der Werkstatt in Virunum andeuten (T. NAGY 1971/3, 130). Auch die zur inneren und äußeren Ausschmü­ckung der Gebäude dienenden Wandmalereien, Stuckdekorationen und Mosaiken schuf man in diesem Zeitraum meist nach italischen Vorbildern und häufig unter Mitwirkung wandernder Meis-

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