Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
6. Die Wirtschaft Aquincums im Spiegel der neuen Funde - 6.1. Lokales Gewerbe und Handel (Klára Póczy, Paula Zsidi)
ter. 20 Stuck und Wandgemälde lassen sich sowohl in künstlerischer als auch technischer Hinsicht schwer voneinander trennen. Zur Herstellung der Stuckverzierungen wurden die Negativformen in manchen Töpferwerkstätten herausgestellt oder man ließ sie in den großen Handwerkerviertel (z. B. in der sog. Manufaktur Gaswerke) anfertigen. Nach der Mitte des 2. Jahrhunderts begann man auch in Aquincum, die Fußböden der Gebäude mit prächtigen geometrischen oder figuralen Mosaiken zu schmücken. Die Mosaikleger waren wandernde Meister, die zu dieser Zeit aus Italien hierher kamen und ebenso wie die Meister der Wandmalereien nach Musterbüchern arbeiteten. Den Höhepunkt der Innendekoration des Zeitalters stellen die Wandmalereien und Mosaiken des Statthalterpalastes von Aquincum (PÓCZY 1958, KABA 1958, KÉRDŐ 2000). Zeitraum der militärischen Konjunktur (von den Severern bis Gallienus) Nach den Heimsuchungen der Markomannenkriege erlebte Aquincum im Zeitalter der Severer seine zweite Blütezeit. Viele Städte des Imperiums waren im 3. Jahrhundert zwar bereits vom Niedergang gezeichnet, doch die Grenzzone an der Donau nahm ob ihrer militärischen Rolle in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht eine exponierte Stellung ein. Damals war die Zahl seiner Einwohner am höchsten und die Schicht der Wohlhabenden am breitesten. Mit dem Sold der Soldaten und den hier laufenden Befestigungsarbeiten flössen größere Geldmengen in die Stadt (GABLER 1966, ZSIDI 2002/1). In den Jahrzehnten, als die Situation am Limes kritisch wurde, war der Kaiser bestrebt, die strategisch wichtigen Punkte durch noch mehr Geld zu stabilisieren, und die sich entfaltende Konjunktur lockte die in anderen Gegenden des Reiches schon verarmten zivilen Unternehmer und Kaufleute auch aus entfernteren Provinzen in den Raum Aquincum. Aquincum konnte seinen Urbanen Charakter relativ lange 20 S. den Abschnitt „Die Innendekoration der Gebäude" (7.2.). Zeit bewahren, und verdankte das eigenartigerweise gerade seiner unsicheren Lage. Die politischen Verhältnisse erforderten nämlich immer öfter die persönliche Anwesenheit des Herrschers am gefährdeten Donauabschnitt. Zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert besuchten die Kaiser die pannonische Limesstrecke so auch Aquincum oft (FITZ 1958/2, FITZ 1982/2, NÉMETH 1976/1, NÉMETH 2000/2, 20). Von hier eröffneten sie ihre Strafexpeditionen zur Niederschlagung ihrer Gegner, und auch einige der das ganze Imperium betreffenden, schicksalschweren Entscheidungen wurden hier gefällt. Abb. 16. Grabstein mit Erwähnung des collegium Veteranorum, aus dem Westgräberfeld der Militärstadt