Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

6. Die Wirtschaft Aquincums im Spiegel der neuen Funde - 6.1. Lokales Gewerbe und Handel (Klára Póczy, Paula Zsidi)

dem östlichen Manufaktur der Zivilstadt gefundene Tonlampe mit Glasur sowie die Konzentration gla­sierter Pfannenstielfunde in Aquincum (Abb. 13.) lassen vermuten, daß es sich um lokale Fabrikate handelt (BUGÁN 2002/1). Diese zitronengelb oder grün glasierten Stücke, die hier produziert wurden, sind im Allgemeinen unterschiedliche Einflüsse widerspiegelnde Einzelanfertigungen. Das zeigt auch eine aus den ersten Jahrzehnten des 2. Jahrhunderts stammende Schale (BARKÓCZI 1992, 9-10). In diesen Zeitraum kann man auch den Beginn der örtlichen Glasherstellung setzen. Beweise dafür sind die Glasschlacke und die Fertigwaren, die in der Werkstatt der Legion geborgen wurden (PAR­RAGI 1976/2, 163-164). Im Zentrum der Zivil­stadt produzierte man Fensterglas, 18 und von hier stammt auch das Fragment eines sog. Merkur­Glasgefäßes mit Bodenstempel (PÓCZY-ZSIDI 1992, 147). Rein zufällig kam sogar der dazuge­hörige Tonstempel zum Vorschein, ein selbst in Relation des ganzen Imperium Romanum einzigar­tiger Fund (BARKÓCZI 1977, BARKÓCZI 1988, 28-29). Über die industrielle Produktion des Metallhand­werks liegen uns nur indirekte Angaben vor. Als sicher darf zum Beispiel angenommen werden, daß man in Aquincum, in Gräbern häufig vorkommen­den und auch auf den Grabsteinen abgebildeten Schmuck der einheimischen Frauentracht, die Flügelfibeln, (Abb. 14.) hergestellt hat. Aber auch andere, einfachere, aus Silber oder Bronze her­gestellte Gebrauchs- und Trachtgegenstände oder Schmuck (z. B. Fingerringe, Armreifen) mögen hier, vorwiegend für die Zivilbevölkerung, entstan­den sein. Das Militär wurde zumeist zentral mit Bekleidung und Sonstigem versorgt, an den Stand­orten befasste man sich in erster Linie mit der Reparatur beschädigter oder zerbrochener Stücke. Nach Eröffnung der Goldminen in Dakien begann im südlichen Teil der Provinz das Goldschmiede­handwerk zu florieren. Die Auswirkungen davon 18 Angabe von Klára Póczy auf Grund der Fragmente, die bei Nachgrabungen in den 1960er Jahren in der Zivilstadt zum Vorschein kamen. Abb. 13. Grünglasierte Pfannenstiel aus dem Legionslager Abb. 14. Flügelfiebel aus dem Nordgräberfeld der Militärstadt kamen auch an den einfacheren, die bewährten Formen nachahmenden Arbeiten der Goldschmiede in Aquincum zur Geltung (FACSÁDY 2002/1). (Abb. 15.) Anfang des 2. Jahrhunderts nahmen die Stein­metzwerkstätten der Kollegien von Aquincum ihre Tätigkeit auf, deren typische Produkte die mit Kränzen verzierten Grabsteine sind (BURGER 1959, T. NAGY 1971/3). Diese zeugen nicht nur von der Steinbearbeitung, sondern liefern auch wichtige, durch andere Quellen nicht ersetzbare Informationen in Bezug auf den Organisations­grad der lokalen Industrie- und Gewerbetätigkeit sowie des Handels. In Aquincum schlössen sich,

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