Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

6. Die Wirtschaft Aquincums im Spiegel der neuen Funde - 6.1. Lokales Gewerbe und Handel (Klára Póczy, Paula Zsidi)

auf einer dieser Fassdauben besagt, daß die in dem Fass eingetroffene Ware deshalb zollfrei war (immune in rfationem] val[etudinarii] legfionis] II ad[iutricis]), weil es eine Lieferung für das Legionslazarett von Aquincum war (KUZSINSZ­KY 1932). 12 In der zurückliegenden Forschungs­periode kamen in Aquincum weitere Funde von Holzfässern zum Vorschein (PETO 1976/4). (Abb. 7.) Abb. 7. Dauben von Holzfässern mit Inschrift aus dem Legionslager Zwei Veränderungen ganz anderer Art trugen in diesem Zeitraum zur Belebung des Verkehrs auf der Norditalien mit Aquincum verbindenden Straße bei. Einerseits die schon seit Domitian laufenden Vorbereitungen zur Besetzung der Pro­vinz Dakien, und dann die Bildung der neuen Provinz. Mit dem nördlichen bzw. nordöstlichen Teil der neuen Provinz konnte die Führungszen­trale, ob nun in Friedens- oder Kriegszeiten, auf 12 Zur von Kuzsinszky publizierten Holzdaubeninschrift s. T. Bezeczky, Centuriók a XV. Apollinaris légióból [Zenturionen der legio XV. Apollinaris]. ArchÉrt 121-122 (1994-1995) 32., sowie A. Vaday, Roman Barrel-Wooded Wells. Speci­mina Nova 11 (1995) 187-198. dem kürzesten weg über Aquincum Kontakt hal­ten. Zudem trieben die Unternehmer eineinthalb Jahrhunderte lang von Aquincum aus Handel mit dem Barbaricum und Dakien. Die zweite wichtige Veränderung bedeutete der Ausbau der Donaulimes-Straße, die es ermög­lichte, das Heer mit Lebensmitteln zu versorgen und die Luxusansprüche in dessen Umgebung mit den damals mehr und mehr gefragten galli­schen Waren zu befriedigen. Damit war das bis dahin fast uneingeschränkte italische Importmo­nopol gebrochen. Doch obwohl im Handel von da an die westlichen Produkte und Beziehungen dominierten, blieben die Beziehungen zwischen Aquincum und Italien - wenn auch mit wechseln­der Intensität — dennoch weiterhin bestehen. Am interessantesten und überzeugendsten in dieser Hinsicht ist vielleicht jene Gruppe von Steindenk­mälern mit Inschrift aus Aquincum, deren Stif­ter sich in einer Körperschaft namens collegium Agrippinensium Transalpini zusammengeschlossen hatten. Die Rede ist von rheinischen Kaufleuten, welche - dem Attribut Transalpini zufolge - zu Beginn des 2. Jahrhunderts in Aquincum eine weitere, noch entferntere donauländische Filiale (POCZY 1961) ihrer in Colonia Agrippinensis (dem heutigen Köln) angesiedelten aquileischen Tochterfirma eröffneten (L. NAGY 1931/1). Diese Angabe zeigt deutlich, daß die Geschäftsbeziehun­gen - wenn auch bereits mit Kaufleuten vom Rhein und mit rheinischen Waren - noch immer über das gut ausgebaute Handelsnetz abgewickelt wurden. Der Verkehr verlief von der Hafenstadt Aquileia an der Adria teils über die Bernsteinstra­ße, teils über die Verlängerung der via Postumia, unabhängig davon, daß die Donaulimes-Straße damals schon fertiggestellt war (POCZY 1972/ 1, 271). Einfluss auf die Bedeutung der alten, bewährten Route hatten auch die militärischen Ereignisse entlang der Grenze. So war es zum Beispiel natürlich, daß der Handel aus Richtung Italien zur Zeit der Markomannenkriege intensi­ver wurde. 13 13 F. Maselli Scotti, A római kori Aquileia története [Geschich­te des römischen Aquileia]. In: Aquileia— Aquincum. Buda­pest 1995, 24.

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