Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

6. Die Wirtschaft Aquincums im Spiegel der neuen Funde - 6.1. Lokales Gewerbe und Handel (Klára Póczy, Paula Zsidi)

Abb. 8. Trinkgefässe aus westlichem Import (Trier), aus einem Kindergrab im nördlichem Gräberfeld der Militärstadt Abb. 9. Gläser, meistens aus westlichen Import (Köln), aus dem Westgräberfeld der Militärstadt Gleichzeitig mit den oben geschilderten Abläu­fen vollzog sich im Wirtschaftsleben von Aquin­cum ein bedeutender Strukturwandel. Während früher die lokale Industrie- und Gewerbetätigkeit neben dem Import nur eine zweitrangige Rolle bei der Befriedigung der Bedürfnisse gespielt hatte, konnten die örtlichen Werkstätten im behandel­ten Zeitraum in nahezu allen Handwerkszweigen - mit Ausnahme der Luxusartikel - den Bedarf des lokalen Marktes decken. Die traditionellen Importartikel waren auch zu dieser Zeit Terra Sigillaten, die man aus galli­schen und später dann germanischen Manufaktu­ren nach Aquincum brachte. Großer Beliebtheit erfreuten sich außerdem die sog. rätischen Becher (Abb. 8.) und Schüsseln sowie einzelne glasier­te Gefäßtypen. Geschliffene Gläser lieferte im 2. Jahrhundert noch überwiegend Italien nach Pan­nonién und unter anderem nach Aquincum. Doch schon vom Beginn des 2. Jahrhunderts an tauchte aus westlicher Richtung in größeren Mengen auch die Kölner Glasware auf. (Abb. 9.) Bei Ausbruch der Markomannenkriege kamen diese Kontakte vorübergehend zum Erliegen. Erst Ende des 2. Jahrhunderts wurden sie wieder angeknüpft und ab diesem Zeitraum intensiver als früher gepflegt. Damals importierte man im Vergleich zu früher meist schon reicher verzierte, als Luxus geltende Typen. Den Ansprüchen des alltäglichen Lebens konnte die lokale Glashandwerk bereits genügen (BARKÓCZI 1988, 35-36), und zur gleichen Zeit wurden für den Glasimport auch direkte Handels­beziehungen zum Orient aufgenommen. Den vormals italischen Import der gleichfalls als Luxusartikel geltenden Bronzegefäße bzw. Wagen­und Pferdebeschläge (SZIRMAI 1994) lösten die hauptsächlich aus Gallien stammenden Gegenstän­de ab. Ein schönes Beispiel dafür ist der mit dem Kopf einer Mänade geschmückte Bronzeeimer aus einem der spätrömischen Gräber Aquincums, der wohl als westlicher Import in den Donauraum gelangte (PARRAGI 1963, 323; K. SZABÓ 1991). Die hier gefundenen Bronzeplastiken und anderen Kunstgegenstände dürften dagegen Arbeiten der alexandrinischen Kopierwerkstätten sein (SZIR­MAI 1986, 4). (Abb. 10.) Bernsteinschmuck bzw. Ringe mit geschliffenem Stein gelangten nach wie vor nur in geringer Zahl an den Limes nach Aquincum. Hinzu kam, daß der nach der Mitte des 2. Jahrhunderts ausgebrochene Krieg mit den benachbarten Barbarenvölkern, von dessen einzel­nen Auswirkungen oben bereits die Rede war, die Beschaffung des Rohbernsteines erschwerte. 14 Als Folge davon ging zwar die Produktion der Werk­14 S. Anm. 12.

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