Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

6. Die Wirtschaft Aquincums im Spiegel der neuen Funde - 6.1. Lokales Gewerbe und Handel (Klára Póczy, Paula Zsidi)

bis ans Ende des flavischen Zeitalters, betrieben wurde, ist ihr Einfluss auch an den Produkten des großen Töpfers in Aquincum der späteren Perio­de, des Meister Pacatus, noch spürbar. Darüber hinaus wurden in der Officina noch reliefverzierte Henkelpokale sowie bemalte Schüsseln und Gefä­ße mit Appliken hergestellt. In einer vorerst nicht lokalisierten Werkstatt entstanden Gefäße, die die frühe glasierte Importkeramik nachahmten. Einige dieser Stücke sind aus den gleichzeitigen Gräber­feldern in Aquincum bekannt (BARKÓCZI 1992). Daneben produzierte ein Teil der Werkstätten, vorwiegend für das Militär, auch Baumaterial bzw. Baukeramik. Mit dem Militär waren auch die Steinmetzen und ihre Auftraggeber eingetroffen, deren Tätig­keit ebenfalls an die ersten Truppenverbände anknüpfte (T. NAGY 1971/3, 104-105). 11 Der erste nach italischem Muster hergestellte Grab­stein, der gegenwärtig aus Aquincum bekannt ist, war eine einfache Stele zweier Flottenangehöriger. Gut erfassbar sind die italischen Vorbilder an dem mit architektonischen Elementen dekorierten Grabstein des Reitersoldaten NERTUS, der in der ala I. Hispanorum gedient hat. Gleichfalls in einer Werkstätte der Hilfstruppen entstand der Grabstein des TL Claudius. Bald nach den Werkstätten der Hilfstruppen nahm man auch die Werkstatt der Legion in Betrieb. Die im Gräberfeld des einige Kilometer südlich von Aquincum gelegene Mili­tärlagers ans Tageslicht gelangten Grabsteine von Legionären sind ein Hinweis auf diese Werkstatt, deren erste Meister zusammen mit der Legion hier eingetroffen sein müssen. Der Grabstein des aus dem italischen Comum gebürtigen C. Castricius Victor, Soldat der legio II Adiutrix, entstand jedoch in der am Rhein üblichen ganzfigurigen Darstel­lungsweise (T. NAGY 1943/2). Grund dafür ist, daß die längere Zeit in Britannien stationierte legio II Adiutrix von einem kürzeren Aufenthalt am Rhein nach Aquincum ans Donauufer beordert wurde. Diese Erscheinung ist übrigens für sämt­liche Waren kennzeichend, die in der zu dieser 11 Vgl. mit den Abschnitt „Die Steinbearbeitung in Aquincum" (7.1.). Zeit für die Legion arbeitenden Officina produ­ziert wurden, gleich um welchen Handwerkszweig es sich handelt. Der italische Import bildete den grundlegenden Musterschatz der Werkstatt, den jedoch gallisch-germanische, hauptsächlich aber rheinische Einflüsse bereicherten. Das Handwerk in Aquincum wächst zur Industrie heran (Zeitalter von Traianus bis Commodus) In diese Periode kann man die Blütezeit der Tätigkeit der selbständigen lokalen Werkstätten und Kollegien bzw. die Belebung der Importbezie­hungen zu Gallien setzen. Dort, wo die Straße die Provinzgrenze überquerte oder eine größere Stadt erreichte, wurde auf die Lieferungen Zoll erhoben. Im Zentrum von Savaria (Szombathely), an der Abzweigung der römischen Straße, legten Archäo­logen die Reste einer Zollstation frei. Dabei kam auch ein Zollstempel aus Bronze zum Vorschein (E. TÓTH 1998, 25-26). Auf seiner scheiben­förmigen Kopfplatte ist der Name des leitenden Zollbeamten sowie die Abgabe des Zollbetrages in gekürzter Form zu lesen. Wie dem Text zu entnehmen ist, war der Pächter der oberpannoni­schen Zollstation Caius Titius Antonius Peculiaris, der auch in Singidunum - wie dies Schriftquel­len berichten - Kapital angelegt hatte. Er selbst, oder eventuell sein Sohn (?), finanzierte später als einer der Bürgermeister von Aquincum den Bau mehrerer öffentlicher Einrichtungen (CIL III 10495, 10496=6452). Aus einem Vergleich mit anderen Inschriften ergibt sich, daß im Zeitraum zwischen 160 und 180 für die mit Stempel verse­henen speziellen Luxuswaren 12,5% Zoll entrichtet werden musste. Aquincum gehörte zum illyrischen Zollbezirk (DOBÓ 1940). Über die Tätigkeit des Zollam­tes von Aquincum informieren sogar mehrere Inschriftdenkmäler. Hier gab es für den Zoll in erster Linie durch den Warenverkehr auf der Donau bzw. den als Umschlagplatz dienenden Hafen mehr zu tun. In den Dauben von Holzfäs­sern, die man später als Brunnenverschalung ver­wendete, waren Zollstempel eingebrannt. Der Text

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