Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

6. Die Wirtschaft Aquincums im Spiegel der neuen Funde - 6.1. Lokales Gewerbe und Handel (Klára Póczy, Paula Zsidi)

trafen in Aquincum die frühen glasierten Gefäße, die aus Kleinasien kamen, sowie deren italische Nachahmungen ein. Die zitronengelben und grü­nen, mit reichen Pflanzen- oder geometrischen Mustern versehenen, applizierten und barbotine­verzierten Becher bzw. Skyphosoi haben auch die Produkte der späteren lokalen Werkstätten beeinflusst (PÓCZY 1959/1). Die Aufzählung der Importkeramik war im vorliegenden Fall begrün­det, ist diese doch Beweis für den maßgeblichen Wandel des Lebenstils, der auch eine Änderung der Eßgewohnheiten bzw. das Auftreten neuer Gefäßarten mit sich brachte. Mit dem Stationierung des Militärs kann das Auftauchen der Bronzegefäße im 1. Jahrhundert Abb. 3. Trifolienkanne, italischer Import des 1. Jhs., aus einem Grab des späten 3. Jhs. Abb. 4. Depotfund von fragmentierten Bronzegegenständen aus Víziváros in Zusammenhang gebracht werden. Ein Teil der Bronzegefäße gehörte zur Ausrüstung der Solda­ten (Schöpfgefäß, Pfanne mit Scharnierstiel). Der andere Teil bestand aus bei religiösen Handlungen bzw. Opferdarbringungen der Römer gebräuchli­che Gegenstände (Kanne, Patera). Am Stiel zweier dieser in Aquincum gefundenen Bronzepfannen ist ein Stempel erkennbar. Eine der Pfannen entstand in der Manufaktur des L. Ansius Diodorus, die andere in der des P. Cipius Polybius in Capua (L. NAGY 1942/1). Bronzegegenstände blieben lange Zeit wertbeständig, weshalb man die im 1. Jahrhundert angefertigten Stücke häufig unter späteren Fundumständen antrifft. In einem in der Militärstadt von Aquincum freigelegten Grab vom Ende des 3. Jahrhunderts beispielweise lag als Beigabe unter anderem eine im 1. Jahrhundert hergestellte Trifolienkanne, die Spuren mehrfacher Reparaturen aufwies (SZIRMAI 1985). (Abb. 3.) Auf dem Weg über Aquileia gelangten ferner die aus Bronze gefertigten kleineren Gebrauchs- bzw. Luxusartikel wie Bronzelampen und kleinere Zier­gegenstände nach Aquincum. Ein Großteil der in der Zeit importierten Bronzegefäße dürfte - da Bronze zur Wiederverwendung geeignet war - den sich später herausbildenden lokalen Bronzegieße­reien als Rohstoff gedient haben. 7 (Abb. 4.) Unseren gegenwärtigen Kenntnissen nach traf erstmals zur Zeit der Flavier über den Umschlag­platz Aquileia auch eine der empfindlichsten, sicheren Transport erfordernden Warengruppen in Aquincum ein, die Gläser. Ihre Empfindlichkeit erklärt ihr relativ spätes Auftreten im Grenzgebiet der Provinz. Die Kaufleute übernahmen die Liefe­rung von Glaswaren vermutlich erst, als die Provinz bereits über ein gut ausgebautes, auch den techni­schen Anforderungen entsprechendes Straßennetz verfügte, oder später, als der Wasserweg auf der Donau schon sicherer geworden war (BARKÓ­7 Kürzlich kam im nördlichen Teil des zum Lager in der Vízi­város gehörenden Vicus, und zwar in der Planierungsschicht des 1. Jahrhunderts, ein weiterer Bronzegegenstand (strigilis) mit Werkstattzeichen zum Vorschein (KÉRDŐ 2002/1, 72). Das aus Bruchstücken mehrerer Bronzegegenstände beste­hende Ensemble hat vermutlich zum wiederverwendbaren Rohmaterial einer Bronzegießerei gehört.

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