Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
6. Die Wirtschaft Aquincums im Spiegel der neuen Funde - 6.1. Lokales Gewerbe und Handel (Klára Póczy, Paula Zsidi)
Vermittlerrolle spielte es darüber hinaus — in erster Linie im claudischen Zeitalter und im 2. Jahrhundert, doch in gewisser Weise während der ganzen Römerzeit - im Handel mit der östlichen, südgallischen und germanischen Keramik, den Glas- und Bronzeprodukten, dem Spanischen Öl (KELEMEN-GABLER 1984, 127-131.), den mediterranen Früchten, der Fischsoße und dem Wein (PÓCZY 1972/1, 271). Im 1. Jahrhundert standen hauptsächlich italische Waren auf der Liste der Importartikel. Von den landwirtschaftlichen Erzeugnissen kündet in erster Linie ihre aus haltbarem Material bestehende Verpackung. Aus Aquincum und seiner unmittelbaren Umgebung stammen sogar mehrere Amphorenfunde dieser Zeit (BEZECZKY 1991, KELEMEN 1987, 29-30, 40-42.). Ein solcher Fund kam im Bereich des einige Kilometer südlich von Aquincum gelegenen Militärlagers zu Tage (T. NAGY 1948, 107-108). Am Rand der zur Lagerung und Beförderung von Olivenöl dienenden Amphore kann man in einem ovalen Rahmen den Stempel CLAEKB sehen, der davon berichtet, daß das Vorratsgefäß von einer Werkstatt in Fazano bei C. Laecanius Bassus hergestellt wurde. Bei dem Stempel auf der anderen Seite des Randes befindlichen BAR(...) mag es sich um den Namen des Töpfermeisters oder des Olivenölerzeugers handeln. Ende des 1. Jahrhunderts erhielt die Provinz, ebenso wie Aquincum, das istrische Öl zum Teil schon von kaiserlichen Domänen (GABLER 1990, 185). Beweis dafür sind zwei Amphorenfunde aus Aquincum. Am Rand der einen Amphore, in einem viereckigen Rahmen, der Stempel IMP(eratoris) AVG(usti) GER(manici) , die andere ist auf Grund des Stempels IMP(eratoris). NERVAE AUG(usd) das Fabrikat einer Officina bei Parenzo (Porec). Im spätclaudisch-flavischen Zeitalter kamen dann die Terra Sigillata Gefäße der verschiedenen italischen Manufakturen in Gebrauch. (Abb. 1.) Zuerst im westlichen Teil der Provinz, danach in den östlichen Gebieten, so auch in Aquincum (GABLER 1999/1). Zum Ende des 1. Jahrhunderts wurden die Erzeugnisse italischer Werkstätten nach und nach von der südgallischen Abb. 1. Italische Sigillaten aus dem frührömischen Gräberfeld von Víziváros (Wasserstadt) Abb. 2. Barbotineschalen aus dem frührömischen Gräberfeld von Víziváros (Wasserstadt) Ware abgelöst, anfangs durch Vermittlung in Aquileia ansässiger Handelshäuser (PÓCZY 1987, 501-503). Die zweite typische Importkeramik der Zeit neben den Terra Sigillaten war die Gruppe der feinen, dünnwandigen sog. Barbotineschalen. (Abb. 2.) Diesen schwarzen oder dunkelgrauen Gefäßen mit zumeist glänzender Oberfläche und schraffiertem Dekor oder Barbotineverzierung aus dem Zeitraum Mitte bis Ende des 1. Jahrhunderts begegnet man auch an den Fundorten in Aquincum. 6 Gleichfalls über AquÜeia bzw. Emona 6 Im Fundmaterial der letzten Jahre z. B. aus einem Grab des südlich des Lagers der Víziváros gelegenen Gräberfeldes: HABLE-BERTIN 1998, bzw. PÓCZY-ZSIDI 2001, 138, Nr. 4, 5.