Budapest Régiségei 36. (2002) – In memoriam Rózsa Kalicz-Schreiber (1929-2001)

Neugebauer-Maresch, Christine - Neugebauer, Johannes-Wolfgang: Speise- und Getränkebeigabensitten in der süddanubischen Frühbronzezeit Niederösterreichs = Élelem- és italmellékelési szokások Alsó-Ausztria dél-dunavidéki kora bronzkorában 257-274

CHRISTINE NEUGEBAUER-MARESCH — -J-JOHANNES-W NEUGEBAUER vergesellschaftet; Tassen alleine in Ein- oder Mehr­zahl sind nur in 35 Gräbern (4,9 %; Abb. 2) mitgege­ben. Die 17 Sonderformen (2,4 %) entfallen auf Bech­er, Amphoren und Siebgefäße. Letztere stammen aus­schließlich aus Kindergräbern und könnten einen Hinweis auf Milchverwertung, bzw Milchprodukte darstellen. Obwohl eindeutige Hinweise oder entsprechende chemische Analysen ausstehen, wird man in den Tas­sen und Töpfen die Getränkebehälter oder Trinkge­fäße sehen dürfen. Daß dagegen die Breitformen zur Aufnahme von Speisen dienten, wird durch die Tat­sache unterstrichen, daß sich in 101 Fällen in den Schüsseln und Schalen Tierknochen fanden. Neunmal waren diese direkt neben den Behältern, fünfmal gleichzeitig in und um die Gefäße deponiert. Da aber etliche Male Tierknochen scheinbar frei an der Sohle lagen oder auffällige Leerzonen am Kopf oder Fuß­ende der Grabgrube, bzw des (Baum-) Sarges fest­stellbar waren, ist ursprünglich unzweifelhaft mit ei­nem höheren Prozentsatz der Mitgabe von Spei­se-und Getränkebehältnissen zu rechnen. Nur werden in den angeführten Fällen die Behälter aus vergan­genen organischen Materialien, wie Holz und Rinde (Heischbretter und -teller), Leder (Becher-und Tassen), Fruchtschalen (Haschen, halbkugelige Gefäße) oder Geflechten (Teller, Körbe) gefertigt gewesen sein. 7 Die Tierknochenfunde aus einem Gräberfeld sind in der Regel in der Art und Zusammensetzung anders geartet als jene aus den zeitgleichen Ansiedlungen. „Während im Küchenabfall mit Resten aller je verzehrter Tierarten zu rechnen ist, beschränken sich Speisebeigaben in Gräbern auf standardisierte Teile weniger ausgewählter Arten. Dementsprechend stereotyp ist die Zusammenset­zung des Fundbestandes..." (Zitat E. Pucher). Rückschlüsse auf Wirtschaftsformen ließen sich nur aus dem Vergleich mit dem Siedlungsabfall ge­winnen. Dann erst könnte man erkennen, welche Re­lationen zwischen den Küchenabfällen und den Grab­beigaben bestanden haben. Etwa ob für Friedhofs­zwecke einige Tierarten, bzw bestimmte Teile und Al­tersstufen bevorzugt wurden. 8 Umfangreichere, jedoch leider noch unbearbeitete Vergleichsmaterialien liegen aus den süddanubischen Bereichen Niederösterreichs aus den Weilern des Un­teren Traisentales, wie Franzhausen, Inzersdorf o. d. Traisen und Oberndorf a.d.Ebene/Unterradlberg (Un­terwölblinger Kultur-gruppe), sowie aus der befes­tigten Ansiedlung auf dem Hochfeld von Bö­heimkirchen (locus typicus der gleichnamigen Gruppe der Vëterov-Kultur) vor. 9 Aus Nordostniederöster­reich wurden bereits Ergebnisse aus der Ansiedlung 7 NEUGEBAUER-MARESCH-NEUCEBAUER 1997. 8 NEUGEBAUER-BLESL 1998. 395 ff. » BLESL 1995.137 ff. und RIEDEL 1998. 341 ff. der Vëtef ov-Kultur am Buhuberg bei Waidendorf an der March publiziert. 10 Einem beachtlichen Anteil von Wildtieren (20,7 %), besonders Rothirsch, stehen die Haustierreste gegenüber. Hier wären Rinder (zT nun auch zur Milchnutzung und als Arbeitstier herange­zogen), relativ großwüchsige Schweine, aber auch Hund (5,6 % Anteil, meist jungadult geschlachtet und verzehrt) oder Schafe zu nennen. Die Tendenz bei Let­zteren zu einem höheren Alter und zum weiblichen Geschlecht, könnte einen Hinweis auf Schafsmilchpro­duktion darstellen. Aus Unterhautzental wiederum stammen die erst 1990 geborgenen Überreste eines im hohen Alter zugrunde gegangenen Pferdes. Die schlanke und grazile, relativ kleine Stute gehört zu den frühesten Hauspferden Mitteleuropas; sie gehört dem östlichen Typ der Hauspferde an. Wie die äußerst sel­tenen Schlachtabfälle beweisen, wurden diese eher für Reit- und Zugzwecke genutzt. 11 ' n Das im Frühbronzezeitgräberfeld I von Franzhau­sen geborgene Tierknochenmaterial wurde der Ar­chäologisch-zoologischen Sammlung des Naturhisto­rischen Museums übergeben und von Erich Pucher ausgewertet. 13 Die Erhaltung der Knochen ist relativ schlecht, die Oberflächen sind angegriffen und auch die Substanz brüchig. Die zahlreichen Röhrenknochen juveniler Tiere, meist fragmentarische Schaftstücke ohne Epiphysen, lassen häufig eine Unterscheidung von Schaf oder Ziege nicht mehr zu. 20 % der Gräber von Franzhausen I enthielten Tierknochen als Über­reste von Speisebeigaben (Abb. 3). Nicht berück­sichtigt sind dabei Knochenpartien nicht eßbarer Teile, etwa Schädel, Kiefer und Zähne von zumeist Rindern. Während die Hauptmasse dieser Überreste in Streu­lage in der Füllerde gefunden wurde und dermaßen auch zufällig von der alten Oberfläche oder über­haupt erst bei den häufig beobachteten Wiederöff­nungen im Zuge von Beraubungsvorgängen ins Grab gelangt sein könnten, lagen im Falle der Bestattung Obj. Nr. 2802 von Franzhausen II mehrere Rinder­kieferäste zu Füßen des Frauenhockers. 14 Parallelbeobachtungen nicht nur an der Grabsohle, sondern auch über den Beisetzungen vorkommender Rinderschädelteile führten zur Deutung als amulett­wertige Beigaben oder Opfer (R. A. Maier 15 ) als Über­reste von Totenfeiern mit symbolisierten Tieropfern (M. Primas 16 ), als fragmentierte GrabungsWerkzeuge oder auch als Objekte mit magischer Bedeutung zur Bannung negativer Folgen für Grabfrevler 17 (f.-W 10 PUCHER 1986.11 ff. » PUCHER 1992.19 ff. 12 PUCHER 2001. 64ff . 13 PUCHER 1997. und PUCHER unpubliziertes Manuskript. 14 NEUGEBAUER 1991190 f. (Franzhausen) und 16/3 u. 4. 15 MAIER 1972. 229 ff. * PRIMAS 1977.103 ff. 17 NEUGEBAUER RGF 49.103 ff. 258

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