Budapest Régiségei 36. (2002) – In memoriam Rózsa Kalicz-Schreiber (1929-2001)

Neugebauer-Maresch, Christine - Neugebauer, Johannes-Wolfgang: Speise- und Getränkebeigabensitten in der süddanubischen Frühbronzezeit Niederösterreichs = Élelem- és italmellékelési szokások Alsó-Ausztria dél-dunavidéki kora bronzkorában 257-274

SPEISE-UND GETRÄNKEBEIGABENSITTEN IN DER SÜDDANUBISCHEN FÜHBRONZEZEIT NIEDERÖSTERREREICHS Neugebauer). In 117 Fällen waren die tierischen Spei­sebeigaben anhand der Knochenreste identifizierbar. Die größte Gruppe stellt Schaf oder Ziege (48,72%; Abb. 5) dar, gefolgt von Schaf 38,46%; Abb. 6). In geringer Stückzahl sind Rind (6 Gräber = 5,98%; Abb. 7), Ziege (4 Gräber = 3,42%; Abb. 4) und Schwein (4 Gräber = 3,42%; Abb. 8) aufgefunden worden. In den meisten Fällen handelt es sich um die Unterarm­knochen (Ulna und Radius, 43,59%); beim Schwein sind es ausschließlich diese Teile. Es folgen die iso­lierten Oberarmknochen (23,93 %) sowie die gesamten Vor der laufe dieser Tiere (22,22%). Schienbeinknochen sind nur in zwei Fällen (1,71%) von Schaf oder Ziege vorhanden. Größere Skelettpartien konnten von Schaf bestimmt werden: Schulterblatt bis Oberarmknochen in 5 Gräbern (4,27 %), Schulterblatt bis Unterarm­knochen in 4 Gräbern (3,42 %) und in einem Fall ein Teilskelett (Grab Obj. 852, infantiles Schaf = 0,85 %). Darüber hinaus fand sich in der Füllerde des stark ge­störten Grabes Obj. 965 das fragmentarisch erhaltene, doch ursprünglich wohl vollständige Skelett eines adul­ten Schafes (Abb. 9). Abschließend sei noch festgehalten, daß neben den eher seltenen frühbronzezeitlichen Nachweisen von Schwein (viermal) in drei schnurkeramischen Gräbern derartige Überreste zum Vorschein kamen. Hiemit könnte sich eventuell auch in einem geringen Maße chronologisch bedingte Auswahlkriterien bei den Fleischbeigaben andeuten. Wenn man für die Frühbronzezeit archäologisch nicht mehr nachweis­bare ausgelöste „Gustostücke" außer acht läßt, kann man bei den durch Knochenfunde gesicherten Stü­cken zwar kaum geschlechtsmäßig, sondern eher altersmäßig bedingte Regeln andeutungsweise auf­zeigen: Der Stufe Inf ans I wird die minderste Fleisch­qualität, Ulna und Radius von Schaf und Ziege, in der Stufe II männlich orientierten Kindern jedoch eher bessere Teile von Schaf und Ziege oder Schaf mitge­geben. Erwachsene Männer besitzen eher einen stär­keren Anteil an guten Fleischqualitäten als die Frauen. Außerdem ist die Beigabe von Ziege, Schwein und Rind nur in Erwachsenengräbern nachgewiesen wor­den (Abb. 10). Im Rahmen der Grabungen in der Nekropole II von Franzhausen wurden zahlreiche organische Reste ge­borgen und 1990/1991 von Gisela Wolf vom Botanis­chen Institut der Universität Göttingen einer ersten morphologischen Analyse, unterzogen. Neben zahl­reichen Holzresten konnten auch Samen und Frucht­kerne verschiedenster Wild- und Kulturpflanzen festgestellt werden (detaillierte Ergebnisse stehen zur Stunde noch aus). In einer Moderprobe aus Grab Obj. 1279 fand sich neben anderen Obstkernen auch ein Weinsamen. Durch das Fehlen der oberen weichen Kernschale und des Schnabels ist jedoch eine Zuord­nung des Kernes zur Wilden Rebe oder zur Kultur­rebe kaum mehr möglich. 18 Den Ansätzen von Franzhausen ähnliche Ergeb­nisse konnte Francois Bertemes bei der eingehenden Analyse der Altbestände des Frühbronzezeitgräber­feldes A von Gemeinlebarn erzielen. 19 In 40 von über 200 Gräbern wurden Tierknochen und -zahne fest­gestellt (seine Tabelle 14). Während die Überreste von Schaf oder Ziege zumeist in oder im Zusammenhang mit Schalen lagen, war dies bei jenen der Rinder nur in wenigen Fällen gegeben. Hier dominierten die unterschiedlichsten Positionen in der Verfüllungserde. „Von Schaf oder Ziege wurden 13 Male Extremitätenkno­chen, viermal Fußknochen und dreimal Schulterknochen vorgefunden. Vom Rind fanden sich siebenmal Fußkno­chen, sechsmal Unterkieferbruchstücke, zweimal Extremi­tätenknochen, sowie ein Schädelbruchstück und ein Ober­kieferfragment. Demnach wurden bei Schaf und Ziege mit Vorliebe nur Teile der Extremitäten - inklusive Füße - mit­gegeben und lediglich in drei Fällen Schulterpartien, jedoch nie Schädelstücke. Auffallend sind dagegen die Fleischbei­gaben vom Rind. Hier kommen hauptsächlich fleischarme Körperteile, wie Schädel und Kiefer stücke, Fußwurzeln und nur zweimal Extremitätenteile vor." (Zitat F Bertemes). Da der Nährwert der mitgegebenen Teile äußerst gering war, leitet E Bertemes davon eher einen sym­bolischen als einen tatsächlichen Speisecharakter ab. „Allem Anschein nach handelt es sich dabei um Über­reste eines nach dem Totenritual notwendigen Leichenschmauses", meint Bertemes und deutet damit an, daß es sich bei den tatsächlich ins Grab gelangten Stücken um die (schlechteren) Überreste eines Toten­mahles gehandelt haben könnte. Rinderbackenzahne, Rinderkiefer oder Schädel könnten dagegen Symbol­oder Pars-pro-toto-Charakter besitzen und auch Spu­ren eines Rinderkultes, bei dem der Schädel eine be­sondere Rolle gespielt hat, sein. In der Nekropole F von Gemeinlebarn, die ausch­ließlich der Stufe III der frühbronzezeitlichen Kultur­entwicklung zuzuordnen ist, konnten im Gegensatz zu den Stufen I und II nur mehr in 8 von 258 Gräbern „Gefäßbeigaben" oder größere Keramikfragmente in der Füllerde gestörter Beisetzungen aufgefunden werden (nur in vier Gräbern komplette Gefäße). Die Schale des einzigen Brandgrabes Nr. 213 enthielt den linken Oberarm eines jungen Schafes oder einer Ziege. Da ansonsten Tierknochen ebenfalls weitge­hend fehlen, muß es am Ende der Frühbronzezeit bei weiterem Beibehalten des „Glockenbechertyps der Bestattungssitte" im Zuge kultureller Wandlungen (Einfluß der Vëtefov-Kultur) auch zur weitgehenden Aufgabe der frühbronzezeitlichen Sitten der Speise­und Getränkebeigaben gekommen sein. 20 18 NEUGEBAUER 1991 95. « BERTEMES 1989. bes. 43 ff. 259

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