Budapest Régiségei 36. (2002) – In memoriam Rózsa Kalicz-Schreiber (1929-2001)
Neugebauer-Maresch, Christine - Neugebauer, Johannes-Wolfgang: Speise- und Getränkebeigabensitten in der süddanubischen Frühbronzezeit Niederösterreichs = Élelem- és italmellékelési szokások Alsó-Ausztria dél-dunavidéki kora bronzkorában 257-274
BUDAPEST RÉGISÉGEI XXXVI. 2002. CHRISTINE NEUGEBAUER-MARESCH — -{-JOHANNES-W NEUGEBAUER SPEISE-UND GETRÄNKEBEIGABENSITTEN IN DER SÜDD ANUBISCHEN FRÜHBRONZEZEIT NIEDERÖSTERREICHS In der Frühbronzezeit (2300-1600 v Chr.) ist in Niederösterreich eine Aufspaltung in drei regionale Erscheinungsformen („Frühbronzezeit-Provinzen") festzustellen. Die Zone nördlich der Donau (Weinviertel und Ostrand des Waldviertels) hatte Anteil am Aunjetitz-Kulturkomplex, und zwar an der mährischennordniederösterreichischen-südwestslowakischen Zone. Östlich des Wienerwaldes, zwischen der Donau im Norden und der Raab im Südosten, befand sich in Südniederösterreich, im Burgenland und in Westungarn der Siedlungsraum der Kultur (-gruppé) von Gattendorf (ungarisch: Gâta), die nach dem ungarischen Komitat Moson (Wieselburg) auch als Wieselburg-Kultur (-gruppé) bezeichnet wird. Im süddanubischen Alpenvorland, zwischen Enns und Wienerwald, besonders an den Unterläufen der Nebenflüsse der Donau (Enns, Ybbs, Melk, Fladnitz, Traisen und Große Tulln), lagen die Verbreitungsschwerpunkte der Unterwölblinger Kultur (-gruppé). Neben bereits länger bekannten Aufschlüssen (etwa Gemeinlebarn, Nekropole A, Ossarn, Unterwölbling und Melk-Spielberg) erbrachten hier vor allem die Rettungsgrabungen der Abteilung für Bodendenkmale des Bundesdenkmalamtes im Unteren Traisental ab 1981 bedeutende Gräberfelder mit entsprechenden Aufschlüssen zu den frühbronzezeitlichen Speise- und Getränkebeigabensitten: Franzhausen I (716 Bestattungen), Franzhausen II (bislang über 1400 Beisetzungen), Oberndorf/Ebene-Unterradlberg (26 und 264 Gräber) und Pottenbrunn (74 Hocker). Die Nekropole F von Gemeinlebarn gewährte neben Teilen der Bestattungsplätze von Franzhausen 1 und besonders II dagegen Einblicke in die Stufe III - der süddanubischen Frühbronzezeit 1 (Übergangshorizont und klassische Phase der Böheimkirchner Gruppe der Vetefov-Kultur 2 ). Die endneolithische Basis für die Herausbildung der Frühbronzezeit südlich der Donau und westlich des Wienerwaldes bildet einerseits eine schnurkeramische Komponente, die neuerdings als „Lokalgruppe des Unteren Traisentales" ab 2600/2500 v Chr. mit etwa 115 Körper- und Brandbeisetzungen mit beachtlichen Gefäßensembles zumeist im Räume späterer Frühbronzezeit-Friedhöfe faßbar wurde. 3 Anderer1 NEUGEBAUER 1994. bes. 69 ff. (Unterwölblinger Kultur(gruppe) und 119 ff. (Vateïov-Kultur und Böheimkirchner Gruppe der Vëtefov-Kultur). 2 NEUCEBAUER-MARESCH-NEUGEBAUER 2001. 231 ff. 3 NEUGEBAUER-MARESCH-NEUCEBAUER 1992. 143 ff. seits treten ab 2500 v. Chr. vereinzelt auch Bestattungen der klassischen Glockenbecherkultur mit rottonigen, stempelverzierten Bechern und Schüsseln auf (Gemeinlebarn und Oberndorf/Ebene). 4 Etwas jünger als die klassischen Glockenbecher sind kugelige Tassen mit Bandhenkeln sowie Schüsseln, zum Teil mit Zapfenfüßen am Boden, anzusetzen. Diese späte Ausprägung der Glockenbecherkultur wird für Niederösterreich und das Burgenland als Typus Ragelsdorf-Oggau bezeichnet und stellt die allerletzte Phase vor dem Beginn der eigentlichen Bronzezeit dar. Hier wäre vor allem die kleine 1990 zufällig entdeckte und 1991 systematisch freigelegte kleine Gräbergruppe von Oberbierbaum mit sieben Nord-Süd orientierten Hockern zu erwähnen. 5 Der entscheidende Anteil der Glockenbecherkultur an der Herausbildung der nun folgenden frühbronzezeitlichen Kulturerscheinung von Unterwölbling äußert sich deutlich durch die Übernahme des „Glockenbechertyps" der bipolaren, geschlechtsspezifischen Skelettlage und der Sitte der Speise-und Getränkebeigaben. Nicht nur die unberührten, sondern auch die vielfach gestörten Gräber der Frühbronzezeitnekropolen enthielten häufig Keramiken. 6 Diese wurden primär als Behälter für Lebensmittel bei der Beisetzung mit ins Grab gelegt. Die Speisen und Getränke sollten wohl die Wegzehrungen für die Verstorbenen darstellen; sie sind damit „Beigaben" im strengen Sinne. In 460 Fällen (64 %) der 714 Beisetzungen der Frühbronzezeitnekropole I von Franzhausen sind keramische Beigabengefäße aufgefunden worden. Bei diesen Zahlen sind auch einige sekundär verlagerte, bzw beschädigte Exemplare aus den Störungstrichtern mitberücksichtigt, nicht jedoch einzelne Streuscherben, die wohl eher zufällig von der Friedhofsoberfläche in die Füllerde gelangt sein werden (scheinbar divergierende Zahlenangaben beruhen auf diesen unterschiedlichen Auswahlkriterien). Der Hauptanteil entfällt auf Breitformen, also auf Schalen und Schüsseln (417 Gräber oder 58,4 %; Abb, 1); dreimal sind in einem Grab gleich zwei Stück vertreten. Die 157 Tassen und ihre Varianten sind in 112 Fällen vorwiegend mit Schalen und Schüsseln 4 NEUGEBAUER-MARESCH-NEUCEBAUER 1998; NEUGEBAUER 1994. bes. 23 ff. (Die Lokalgruppe der Schnurkeramik des Unteren Traisentales) und 35 ff. (Die Glockenbecherkultur) 5 NEUCEBAUER-MARESCH-NEUGEBAUER 1993-1994.193 ff. 6 NEUGEBAUER-MARESCH-NEUCEBAUER 1988. 16 ff., bes. 33. 257