Budapest Régiségei 34. (2001)

STUDIEN = TANULMÁNYOK - Pochmarski, Erwin: Zur Ikonographie und Chronologie der römischen Sarkophage aus Brigetio 201-221

aus Brigetio um, so wird für ihn eine Datierung in das 1.Viertel des 3. Jh. n. Chr. wahrscheinlich. In den Seitenfeldern des heute verschollenen Sarkophages aus Virtpuszta (Nr. 53) sind zwei Dienerfiguren dargestellt. Aus der Kleidung - kurze, gegürtete, geschürzte und um die Mitte gebauschte Tunica lassen sich keine Aufschlüsse für die Datierung gewinnen, sodass man für Datierungsfragen auf das Kaisergentilicium Aurelius des Stifters angewiesen bleibt. Auch die beiden sog. Attisfiguren - bei denen es sich nach den Untersuchungen von G. Bauchhenß 46 eher um orientalisch gekleidete Dienerfiguren handeln dürfte, wofür auch die Tunikatracht spricht - ergeben keinen Hinweis auf die Zeitstellung des Sarkophages, sondern höchstens das Kaisergentiliz des Verstorbenen Aelius Domitius. Es folgt eine Reihe von fünfzehn Sarkophagen, bei denen der seitliche Abschluss der Tabula von dem sog. norisch-pannonischen Volutenornament gebildet wird, das zugleich den einzigen bildhauerischen Dekor darstellt (Nr. 23-36). Hinzu kommen eine Reihe von sechs weiteren Sarkophagen, die neben dem norisch-pannonischen Volutenornament noch weiteren bildhauerischen Schmuck tragen (Nr. 2. 7. 9. 16. 18. 21). Von diesen zuletzt genannten Sarkophagen haben vier Eroten in den Seitenfeldern und konnten von uns auf der Grundlage von epigraphisch-historischen und typologisch-ikonographischen Erwägungen datiert werden. Ein Exemplar mit kindlichen Eroten (Nr. 2) kann aufgrund der Inschrift in die Zeit vor Caracalla, d.h. in die Regierungszeit des Septimius Severus datiert werden, eine weiteres (Nr. 9) in die 1. Hafte des 3. Jh. n. Chr. Die beiden anderen Exemplare (Nr. 7: Abb. 7. 16) lassen sich aufgrund der Verwendung des jugendlichen Erostypus frühestens der Regierungszeit des Septimius Severus zuweisen. Von den beiden anderen Sarkophagen kann das Exemplar mit den Soldatendarstellungen (Nr.l. 8: Abb. 4) aus onomasti­schen Gründen in die Zeit ab Marc Aurel oder eher Caracalla datiert werden: der spätere Ansatz wird auch durch antiquarische Gründe bestätigt; schließlich lässt sich der dionysische Sarkophag (Nr. 21: Abb. 6) aus ikonographischen Gründen frühestens in das 1. Viertel des 3. Jh. n. Chr. ansetzen. Die Sarkophage mit norisch-pannonischem Volutenornament und weit­erem bildhauerischem Schmuck stammen also früh­estens aus der frühseverischen Zeit. Es stellt sich nun die Frage, inwieweit sich für die nur mit dem norisch-pannonischen Volutenornament dekorierten Sarkophage außerstilistische Anhalts­punkte für eine Datierung erhalten lassen. Als Anhaltspunkte für eine Datierung können in erster Linie wieder die Kaisergentilizien auf einer Reihe von Sarkophagen (Nr. 23. 25. 26. 28. 30. 35. 36) herange­zogen werden. Unter diesen überwiegen wieder bei weitem die Aurelii (Nr. 25. 26. 30. 35), die eine Datierung in die Zeit nach Marc Aurel oder eher ab Caracalla nahe legen; auf einem Sarkophag (Nr. 28) ist das Gentilnomen lulius verwendet, und bei zwei Exemplaren (Nr. 23. 36) handelt es sich um Flava; sowohl die Iulii als auch die Flavii weisen nach Barkóczi in die Zeit ab Marc Aurel. 47 Von den drei Militärinschriften (Nr. 23. 27. 31) lässt sich nur eine mit der Nennung der legio IV Flavia aus historischen Gründen auf die Regierungszeit Caracallas beziehen. 48 Aus dem Inschriftenmaterial ergibt sich, dass die Sarkophage mit den Kaisergentilizien (Nr. 23. 25. 26. 28. 30. 35. 36) frühestens ab Marc Aurel entstanden sind, die Sarkophage mit den Aurelii (Nr. 25. 26. 30. 35) eher erst ab Caracalla. Für drei der sonst nicht näher datierten Sarkophage (Nr. 25: Abb .8. 26. 28) mit dem norisch-pannonischen Volutenornament als dem einzigen Bildschmuck auf dem Sarkophagkasten ergibt sich ein zusätzlicher Anhaltspunkt aus dem Dekor des Mittel-akroters des Sarkophagdeckels. In einem Fall (Nr. 25: Abb. 8) ist ein Ehepaar dargestellt, wobei der Mann das sagum und die tunica manicata trägt. Obwohl es sich bei dem Mann nach der Inschrift nicht um eine Militärperson handelt, möchte ich doch davon ausgehen, dass im Gefolge der Einführung des sagum als dem allgemein üblichen Uniformmantel des römischen Heeres dieses Bekleidungsstück auch in der Zivilkleidung verstärkt Aufnahme gefunden hat. 49 Auf den zwei übrigen Sarkophagen (Nr. 26, 28) ist im Mittelakroter jeweils eine einzige männliche Figur wiedergegeben. Im einen Fall (Nr. 26) handelt es sich um einen bärtigen Mann, der allem Anschein nach mit der paenula bekleidet ist, die sich einer näheren zeitlichen Einordnung entzieht, als Uniformmantel aber bis in das späte 2. Jh. n. Chr. üblich war; 50 auf dem zweiten Sarkophagdeckel (Nr. 28) ist im Mittelakroter ein unbärtiger junger Mann mit sagum und tunica manicata wiedergegeben, wobei das sagum anscheinend von einer Bügelfibel zusam­mengehalten wird, was eine Datierung an das Ende des 3. Jh. n. Chr. nahe legen würde. 51 Mit der Frage des Aufkommens des norisch-pan­nonischen Völutenornamentes hat sich in letzter Zeit P. Kranz mehrfach befasst. 52 Der von ihm vertretene Ansatz, dass sich das norisch-pannonische Volutenornament in Pannonién frühestens auf der Tabula des C. lulius Severus" finde, lässt sich zwar durch den Weihaltar des L. Aelius Celsus (CIL III 3432) auf das Jahr 164 n.Chr. hinaufverschieben, 54 kann aber für die seitliche Begrenzung der Tabula auf den Sarkophagen gelten. Zuletzt stellt sich die Frage nach einer typologi­schen Gliederung bzw. entwicklungsgeschichtlichen Ableitung des norisch-pannonischen Voluten­ornamentes (Abb. 9). Bei einer ersten Betrachtung der insgesamt 31 Sarkophage aus Briegtio (Nr. 2. 7. 9. 16. 18. 21.23- 36) lassen sich mindestens 15 Varianten des norisch-pannonischen Volutenornamentes unterschei­den. Die Variationen reichen von einer Form (Nr. 9: Variante 2), die noch den Reflexbogen mit dem ein­gelegten Pfeil erkennen lässt, zu Formen mit einer ambossartigen Ausbildung des mittleren Elementes, 204

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