Budapest Régiségei 34. (2001)
STUDIEN = TANULMÁNYOK - Kaba Melinda: Thermae maiores in Aquincum 135-146
MELINDA KÁBA THERMAE MAIORES IN AQUINCUM Im Gebiet von Budapest förderte die erste archäologische Erschließung die in sehr gutem Zustand erhalten gebliebenen Sudatorium des Bades des Legionslagers von Aquincum zutage (Abb. 1-2. Nr. 35). Diese Ausgrabung fand 1778 auf dem heutigen Flórián Platz im III. Bezirk statt. Auf dem Grundstück des späteren Hauses Nr. 3 stiess der Grundbesitzer bei dem Auswerfen einer Kalkgrube auf von ihm als "alt" bezeichnete Mauern. 1 Von diesem Fund wurde István Schönvisner Bibliothekar und Latein-Professor verständigt, der dann an Ort und Stelle festgestellt hat, daß die Mauern Überreste eines römerzeitlichen Gebäudes sind, jedoch muß es zu einer gründlichen Freilegung kommen, um seine genaue Funktion bestimmen zu können. Die Nachricht von der Ausgrabung erreichte auch den Kaiserhof und demnach verordnete Maria Theresia die Entdeckung, die richtige Aufbewahrung der Ruinen und ihre Publikation. 2 Schönvisner publizierte die Forschungsergebnisse noch im selben Jahr in seiner lateinisch verfassten Arbeit: "De ruderibus laconici Caldariique romani ..." In dem ans Tageslicht beförderten Gebäudeteil wurde der Fußboden des Sudatoriums, mit den Maßen 15x8 m (Abb. 1. Nr. 35) von 293 Hypocaustpfeiler getragen (Abb. 3^f). Kurz nach der Erschließung wurde über das Sudatorium ein Schutzgebäude errichtet, das die erste Station unserer Denkmalpflege bildet. 3 Siebzig Jahre später 1849 wurde gelegentlich einer Kanalisierung vor dem Bad eine Bauinschrift gefunden, 4 die wichtige Angaben bezüglich des Bades überlieferte. Die Inschrift bezeichnet das Bad als thermae maiores, die 263 zur Zeit des Kaisers Claudius IL umgebaut mit neuen Portalen versehen und wieder der legio II adiutrix übergeben wurde. (Abb. 5) Die Lesung des Textes von András Alföldi: 5 Thermae maiores leg(ionis) II adi(utricis) Claudianae, magno tempore intermissas et destitutas, retractatis porticibus aditibusque [pri] us feci[t], exhiberi inde [ine] episse militibfus] [iuss] it [pr] idie kal(endas) Iuli(as) praesfidente e(gregio)] v(iro) Cleme(ntio) Silvi(o) et cura Aur(elii) Frontini praeßecti) leg(ionis) eiusdem, Paterno II et Mariniano co(n)s(ulibus). Schönvisners Forschungen vermochte Lajos Nagy 6 erst im Jahre 1930 fortzusetzen, der das zum erwähnten Tepidarium gehörige Kaltwasserbecken freigelegt hat (Abb. 1. Nr. 26). Hierauf wurden die beiden Säle im Keller des neuen Wohnhauses als unterirdisches Museum ausgebaut. 7 Ebenso hat eine Bauarbeit zwischen 1960 und 1962 Möglichkeit zur Fortsetzung der Ausgrabung geboten. 8 Zu dieser Zeit konnten wir die östliche Mauer der Palaestra mit der Exedra, das östliche Apodyterium und die Latrine freilegen. Diese Teile sind auch zur Schau gestellt, zum Teil im angelegten Park des Wohnhauses und teilweise im Parteretrakt des sechsstöckigen Hauses (Abb. 6). Die vierte, jetzt schon 90 % vollkommene Erschließung des Bades konnten wir zwischen 1979 und 1984 - während der Erweiterung der Árpádbrücke, der Verbindung der Hauptverkehrstraße, des Baus von Unter- und Überführungen leiten. Die archäologische Erschließung - simultan mit dem großen Bau, an dem 45 Unternehmen mit 5000 Arbeitern teilgenommen haben - war keine leichte Aufgabe. Die verwirklichten Lösungen haben aber ein großes Ergebnis erzielt. Wir konnten auf einer Fläche von 15000 m 2 , 46 Räumlichkeiten des Bades entdecken 9 (Abb. 1). Im Laufe unserer Ausgrabungen konnten wir feststellen, daß die Räume spiegelbildlich entlang einer von Norden nach Süden laufenden Achse erbaut wurden. Die Thermae maiores wurden in der Praetentur 10 des Lagers der legio II adiutrix am Anfang des 2. Jahrhunderts nach Christi erbaut (Abb. 7). Die Perioden des Baus, des Umbaus, der Erweiterung des Bades stimmen mit den Feststellungen der Lagerforschung von Klára Póczy - Margit Németh Krisztina Szirmai - László Kocsis überein. 11 Am Anfang des 3. Jahrhunderts, wahrscheinlich unter Caracalla, wurden alle wichtigere Gebäude erneuert, so die Prinzipia, das Haus des Tribunus Laticlavius und die Kasernen. 12 Etwas später 268 nach Christi mit der Herrichtung der Säulenhallen und der Eingänge wurde das Gebäude umgebaut, wie das die Bauinschrift der Thermae maiores "'retractatis porticibus aditibusque prius refecit" betont. In der dritten Periode, im 4. Jahrhundert wurden bedeutende Umänderungen unternommen. 13 Das vemutete Privatbad des Praefecten an der NW Ecke der Therma (Abb. 1. Nr. 3-6, 8), weiterhin Räumlichkeiten an der Ost- und Westseite des Tepidarium, sowie das große Natatio (Abb. 1. Nr. 28) wurden fertiggestellt. Wir stießen nämilch auf dem Fußboden des Saales, in der Schicht unter den gebrannten Überresten der Holzkonstruktion der einstigen Decke auf das Fragment eines Ziegels mit dem Stempel des Valentinianus L, demnach wir den Umbau hier auf die Jahre um 370 n.Chr. setzen können. 14 Die Reste der Umbauten in der späteren vierten Periode sind in Nr. 21, 22, 24, 32 und 47 Räumen. Viel später, vermutlich schon nach dem Aufhören der ursprünglichen Funktion der Therme, durfte aus den Kalksteinblöcken, die von den Mauern der Therme 135