Budapest Régiségei 34. (2001)
STUDIEN = TANULMÁNYOK - Kaba Melinda: Thermae maiores in Aquincum 135-146
weggenommen wurden, eine ohne Bindmaterial erbaute Wand über den Kanälen der Latrine (Abb. 1. Nr. 13) aufgezogen worden sein. In Kenntnis des Grundrisses und der Überreste der im Laufe unserer Forschungen untersuchten zahlreichen - mit unserer Aquincumer Therme fast zur selben Zeit errichteten - Bädern fanden wir hauptsächlich in vier Badegebäuden den architektonischen Lösungen unseres Bades ähnliche Baudetails vor: Lambaesis, Odessos, Leptis Magna, Augusta Treverorum. 15 Noch einige Worte über die Wasserversorgung. Besonders große Wasserbeansprucher waren die Bäder und hinter ihnen die Thermae maiores in Aquincum. Das Bad erhielt sein Wasser aus zwei Orten: über eine West-Ost-Leitung, welche das Wasser der westlichen Berge zum Bad brachte, und über die nordsüdliche Hauptwasserleitung, die das Wasser von der etwa 3 km entfernten Quelle zum Bad leitete. Es gelang uns, die Pfeiler dieses Aquaeductus in den Jahren 1977-1979 auf eine Länge von 500 m freizulegen (Abb. 8). Von diesen sind auf einer Länge von 350 m 85 - zum Teil rekonstruiert - im Trennstreifen der in Richtung Donauknie erbauten neuen Autostraße mit je vier Fahrspuren zu sehen. 16 Von der Verzierung des Bades wissen wir nur wenig. Auf dem Fußboden von Schönvisners Sudatorium (Abb. 1. Nr. 35) hat sich auf einer kleinen Fläche des einstigen dunkelblauen Mosaikfußboden erhalten. 17 Schönvisner hat auch einige Inschriften Und figürliche, gemeißelte Steinfragmente in der Mauer der in neben der Grabungsstätte gestandenen Villa eingebaut, oder auf dem Boden zerstreut gefunden, die er auch zeichnerisch dokumentierte. Von diesen stellen die im Vordergrund des Bildes liegende Nymphe und hinter ihr die den ausgedehnten Wasserspiegel versinnlichenden, in einem mit dichten Wellenlinien versehenen Feld bis zur Hüfte versunkene Gestalten eine Komposition dar (Abb. 9). Die Steinfragmente ist verloren. Im Laufe der neueren Ausgrabungen ist in der Nähe des östlichen Eingangs der Südmauer des Palaestra ein im großen und ganzen quadratförmiges Bruchstück eines Säulenkapitell gefunden worden. Darauf wurde ein aus Kalkstein gemeißelter Jupiter-Ammon Kopf dargestellt (Abb. 10). Der Stein ist gut erhalten, er ist zugänglich. Sein Ausmaß ist 65x63 cm. Die Darstellung umfasst drei Seiten des Säulenkopfs, die vierte Seite ist der Teil des Sunblocks, der sich an die Wand schmiegt. Die rechte Seite der Darstellung ist stark beschädigt, der linke Teil ist in besserem Zustand geblieben. Der Männerkopf, dessen Stirn vom lockigen Haar halb verdeckt ist, hat einen in Locken ringelnden Vollbart und seine Ohren werden von Widderhörnen umschlungen, die sich vom Gesicht nach außen biegen und sich nach innen bogenförmig schlingen. 18 Ähnliche Jupiter-Ammon Darstellung kennen wir aus Divodurum im Material des Museums zu Metz auf dem Bruchstück einer Statue. 19 Die Einströmung der östlichen Kulte konnte schon während des Wiederaufbaus nach dem Markomannenkriegen beginnen. 20 Diese Tätigkeit bekam einen großen Aufschwung im Zeitalter von Septimius Severus und die wirkliche Blüte der östlichen Religionen kann auf diese Zeit datiert werden. So erschienen auch in Aquincum auf einigen Denkmälern Darstellungen von Jupiter-Ammon, des Stadtgottes von Leptis Magna, der von Septimius Severus besonders verehrt wurde. 21 Nehmen wir an, daß die Säulenkapitell mit dem Jupiter-Amon Kopf, anläßlich des Kaiserbesuchs 202 n. Chr. zum Eingang der Palaestra hergestellt ist. 22 Nach unseren Vermutungen sollte diese große Halle 80x30 m eher "basilica thermarum" genannt werden, wo außer Sport auch Militärfeierlichkeiten veranstaltet werden konnten. In der Nähe des Eingangs zum Museum in Aquincum wurde 1931 bei der Reinigung der Porticus ein großer korinthischer Säulenkopf entdeckt. Auf einer seiner Seiten wurde der Jupiter-Ammon Kopf mit Widderhörnern gemeißelt. 23 Nach der kurzen Zusammenfassung der Ausgrabung der Thermae maiores können wir feststellen - obwohl wir einstige vermutlich reiche Verzierungen an Ort und Stelle nicht mehr auffinden konnten - daß sich unsere Forschung in Aquincum mit bedeutenden Werken der Baukunst aus der römischen Zeit bereichert hat. Trotz aller Schwierigkeiten bei der Ausgrabung wurde 1984 - glechzeitlich mit der Eröffnung der Arpádbrücke - auch das Bademuseum eröffnet, das mit monumentalen Überresten des römerzeitlichen Bades, bei den Füßen der aus Eisenbeton gebauten Objekte eine eizigartige Sehenswürdigkeit für den Fremdenverkehr darbietet (Abb. 11-16). Ausser die wissenschaftliche Ergebnisse hinaus, dokumentiert es oft hoffnungslos erscheinende technische Lösungen, die beispielhafte Verschmelzung von Vergangenheit und Gegenwart. 136