Budapest Régiségei 30. (1993)

VALLÁS = RELIGION - Diez, Erna: Leda in Aquincum = Léda Aquincumból 209-214

kante Szene der Vereinigung der beiden, das Sympleg­ma. Die bekannteste Darstellung (seit dem 16. Jh.) ist die im Archäologischen Museum zu Venedig ver­wahrte Gruppe, obwohl stark ergänzt und in künst­lerischer Hinsicht sehr unterschiedlich bewertet. Lé­da steht in Seitenansicht, in den Knien eingeknickt, hält mit der Linken einen Zipfel ihres herabfallenden, zwischen den Beinen eingeklemmten Gewandes vor die Scham, während sie mit dem vorgestreckten rech­ten Arm den Schwan, den sie am Hals gepackt hat, wegzudrängen sucht. Bei gleichbleibendem Schema der Darstellung zeigen die Symplegma-Reliefs Leda abweisend, sich sträubend, in nachlassendem Wider­stand bis zur völligen Hingabe an den meist über die natürliche Größe gesteigerten Schwan, der sie um­fängt. Von den vielen Reliefbildern dieser Art aus ver­schiedenen Teilen des Imperiums seien hier nur ein 13 Fragment aus dem oberpannonischen Poetovio so­wie die Beispiele aus der Provinz Noricum genannt: Ein Reliefstein aus dem nordöstlichen Landbezirk von Flavia Solva, ein geringes Bruchstück im westlich­sten Randgebiet der Hauptstadt Virunum und die mit der Gestalt des Eros - der derweilen die Insignien des Zeus, Blitzbündel und Zepter hält - auf der einen Seite, auf der anderen mit einem Apfelbaum und einer Toranlage erweiterte Szene aus Lauriacum im Ober­österreichischen Landesmuseum Linz. Das Motiv der liegenden Leda mit dem Schwan, weniger festgefügt als das der stehenden, bewegter, freier, auch anmutiger, scheint im Relief seltener auf, bemerkenswert oft hingegen in der Kleinkunst, beson­ders auf geschittenen Steinen. Leda mit dem Schwan bot nicht zuletzt den Malern ein reizvolles Motiv. Allein in Pompeji fanden sich 15 Leda-Gemälde, die meisten leider beschädigt, ei­nige zerstört und verloren. Das Symplegma, in der Re­liefkunst vorherrschend, ist kein Thema der Malerei. Die Sage, der mythologische Gehalt, treten zurück, sind geschwunden oder doch nur Vorwand für die. Darstellung eines schönen Frauenkörpers und ­eher nebenbei - des majestätischen Vogels, der nicht mehr übersteigert, in natürlichen Größenverhältnissen gegeben ist. Leda, eine Erscheinung wie Aphrodite selbst, ist aufrechtstehend und in Vorderansicht dar­gestellt, nackt bis zum Ansatz der Beine; der Mantel, den sie an einem Zipfel über die Schulter hochzieht, bläht sich und flattert schwungvoll in ihrem Rücken und bildet eine höchst wirkungsvolle Folie um den 21 weiblichen Akt. Mit dem Schwan befaßt sich Leda in spielerisch - tändelnder Weise, hält ihn im Arm, 22 drückt ihn leicht an sich. Zuweilen erinnern die bei­den beinahe an die sog. Seligen Paare des 4. Stils, in dem vornehmlich auch die Leda-Bilder gemalt sind. Mosaikbilder der Leda sind im Westen (Gallien, Hispanien) wie im Osten (Antiochia, Zypern) des Rei­ches aufgedeckt worden. Das Hauptanliegen auch der Mosaizisten ist die Darstellung der kaum beklei­deten schönen Frau. Der Schwan nähert sich Leda, schnappt nach ihrem herabhängenden Gewandzip­fel; Leda ist bei seinem Anblick erschrekt, über­rascht oder wendet sich ihm freundlich, ja zärtlich Oft zu. Ein gut erhaltenes, besonders hübsches Mosaik­27 • ­bild ist in jüngster Zeit allgemein bekannt geworden, wirbt es doch auf Plakaten für Reisen nach der Son­neninsel Zypern. Es zeigt eine anmutig elegante Frau­engestalt in Rückansicht, im Weggehen begriffen; sie trägt ein Busenband und ein lose umgeworfenes Tuch, dessen herabfallendes Ende ein großer Wasservogel spielerisch gefaßt hat. Leda mit dem Schwan? Die vom üblichen Bildtypus abweichende Darstellungswei­se, die Rückenansicht, in der sie als Kalipygos er­scheint, das Busenband, die Frisur, die Reifen an den Oberarmen und über dem linken Knöchel, der weni­ger einem Schwan, vielmehr einer Gans ähnliche Vo­gel und schließlich der Fundort, Alt-Paphos im west­lichen Zypern, lassen an Aphrodite denken, die Kyprierin, deren Hauptkultstätte die Insel Kypros-Cy­prus war. Das Bild der Leda mit dem Schwan auf unserer aquincenser Steinplatte erweist sich als eine Umset­zung des Motivs aus der Malerei in die Reliefplastik. Der Blick des Betrachters erfaßt sogleich die Gestalt der Leda und bleibt auf ihr haften. Sie steht aufrecht, in reiner Vorderansicht,das rechte Bein ein wenig zur Seite und nach vorn gesetzt. Der linke Arm ist abge­winkelt hochgehoben, die Hand hielt den Zipfel des Mantels, der hinter dem Oberarm in geschwungenen, gratigen Faltenzügen bis zur Hüfte reicht. Der rechte Arm ist gesenkt, die zur Seite geführte Hand greift in den Rand des vom Rücken vorgezogenen Mantels und rafft ihn. Hier, in der Bildmitte, ist die Stofflichkeit des unten in Röhrenfalten lebhaft nach links schwin­genden Gewandstückes - das rechts als leblos-flache, von schematischen Faltengraten durchzogene Drape­rie wirkt -, in kräftiger Plastizität und differenzierten Linienführungen wiedergegeben. In der Hauptsache dient der Mantel als gefälliger Hintergrund für die beinahe hüllenlose Frauengestalt. Ihr von den Hüften weit herabgerutschter, unter der Scham in einem dop­pelten Bogen durchhängender Chiton, dessen Saum unter dem rechten Knie zum linken Unterschenkel verläuft, is seidig fein und läßt die Beine wie nackt hervortreten. Es ist ein echt weiblicher Körper, der sich hier prä­sentiert. Die Schulter ist ziemlich gerade, der Arm gut geformt. Die kleinen, festen Brüste sitzen hoch. Wohl­gerundet die Hüften, die linke über dem Standbein etwas höher. Eingehend modelliert die leicht konvex gebildete Bauchpartie. Von der Nabelvertiefung ge­hen nach beiden Seiten langgezogene Falten aus, eine weitere verläuft parallel darunter. Die Oberschenkel sind voll. Ein weichliniger, blühender Frauenkörper. Links im Bild, in Profilansicht nach rechts, nahe den von der raffenden Hand der Leda herabfallenden 210

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