Budapest Régiségei 22. (1971)
TANULMÁNYOK - Holl Imre: Középkori kályhacsempék Magyarországon : 2. közlemény 161-207
Helmzier ist ein sich hervorhebender gekrönter Löwe (Abb. 119). Aus dem Budaer Burgschloss ist uns bisher nur das Fragment eines grünlichbraunen glasierten Stückes bekannt und so fehlen uns die Einzelheiten der Verzierung (Höhe des Bruchstückes 31 cm, die volle Höhe konnte etwa 46 cm gewesen sein). Der Inhaber des dargestellten Wappens war vermutlich der Bischof Eberhard ; in dem auf Grund des Stils in Betracht kommenden Zeitalter begegnen wir nämlich in einheimischer Relation nur bei ihm am Rand des auf seinem Siegel dargestellten Löwenwappens dem Keilschnittmuster. 9 Das Vorkommen des Wappens des Bischofs Eberhard auf einem Ofen des Budaer Schlosses ist nicht überraschend. Er gehörte nämlich zur Verwandtschaft der Königin, stand anlässlich des Aufruhres in den südlichen Teilen des Landes an der Seite Sigismunds, wurde 1404 von Sigismund zum Kanzler ernannt und als Träger dieses Amtes auch 1419, in seinem Sterbejahr erwähnt. 10 Der Gebrauch seines Wappens im Budaer Schloss kann man sich daher am ehesten zwischen den Jahren 1404—1419 vorstellen. Mit den sieben neuen Kacheltypen lässt sich die Tätigkeit der Werkstätte der Gruppe I von mehreren Gesichtspunkten aus untersuchen und auch unsere früher angegebene Zeitbestimmung bedarf einer Korrektion. Vor allem können wir feststellen, dass die Werkstätte auch mehrere Öfen von abweichender Konstruktion hergestellt hat: die Typen 14—15 können bei den Öfen, welche aus den übrigen Typen rekonstruierbar waren, nicht angewendet werden und sind auch chronologisch verschiedenartig. Die Erzeugnisse der Werkstätte haben in erster Linie die Schlösser und Paläste des Königs geschmückt (Buda, Schloss, Typus 1—13, 15; königliches Haus in Pest: Typus 1, 3; unterer Palast in Visegrád: Typus 1; Schloss zu Nyék: Typus 2, 3, 5, 7, 11), es wurde jedoch auch für die Barone gearbeitet (Buda, Typus 14; Esztergom, Erzbischöfliches Palast: Typus 1). Wir wiesen bereits im ersten Teil unserer Abhandlung darauf hin, dass diese Werkstätte sich durch ihre Technologie und ihren Stil an eine, unter der Regierung des König Ludwig d. Gr. tätige Werkstätte knüpf (dortige III. Gruppe), vielleicht wurde sie von einem Meister der letzteren geführt. Der für Stephan Laczkfy gefertigte Ofen (vor 1397) bedeutet die Übergangsperiode, die den Aufträgen Sigismunds vorangegangen sein dürfte, der Drachenorden auf dem Wappen des Typus 12 wiederum (1408) diejenigen Jahre, wo die neuen Öfen hergestellt werden. Zwischen den Themen der Kachel, die das Wappen des Drachenordens zeigen und denen der mit Drachen verzierten gegiebelten Kachel bestehen unmittelbare Zusammenhänge, die die Ereignisse dieser Epoche, sowie die politische und weltanschauliche Stellungnahme des Königs Sigismund widerspiegeln. Bei der Stiftung des Ritterordens durch Sigismund versammelte er nach der Liquidierung der Gegenparteien die mächtigsten Barone des Landes um sich. Sein Ritterorden ist auf politischer Ebene ein im Interesse des Königs und der Barone zustande gebrachtes Schutz- und Trutzbündnis, dessen Ideologie in den Mittelpunkt die Verteidigung der römische Kirche stellt. Deshalb wird gemäss der Worte der Stiftungsurkunde „... als Zeichen undSymbol ihrer ... auf die Verteidigung ... des Glaubens gerichteten ... Bestrebungen ... zur Ausrottung der Anhänger des Urdrachen, nämlich sowohl der heidnischen Heere wie der Abtrünnigen ... das Zeichen des sich zu einem Kreise gekrümmten Drachen, das heisst sein Bild, wie er seinen Schwanz um den Hals windet ..." gewählt. 11 Die Gestalt des Drachen erscheint in der christlichen Symbolik des Mittelalters in der Auslegung der Apokalypse und der Lehren der Kirchenväter, unter anderen, laut der Erklärung des Hrabanus Maurus (+ 856): „... In mystischem Sinne bedeutet der Drache entweder den Teufel oder dessen Diener, ja die Verfolger der Kirche, die bösen Menschen...". 12 In diesem Sinne kommen die Drachen auch auf der Giebelkachel vor, unter ihnen die Gestalt mit der Bischofsmütze und dem menschlichen Kopf, wodurch zur Zeit der Kirchenspaltung offensichtlich die Tätigkeit des vom Gesichtspunkt der römischen Kirche gefährlichsten Angreifers, des Johann Huss von Prag symbolisiert ist. Zwischen den Jahren 1408 und 1415 spielten sich jene Ereignisse ab, die wahrscheinlich dieser Darstellung eine Aktualität verliehen. Nach den in reformatorischem Geist tätigen Prager Predigern der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts löste zu dieser Zeit die Tätigkeit des J. Huss seitens der römischen Kirche die grösste Gegenwirkung aus. Im Jahre 1408 klagen die Pfarrer zu Prag Huss beim Erzbischof ein, der bei der Wiederholung der Anklagen im folgenden Jahr bei der Inquisition die Untersuchung der Anklagen anordnet und zugleich auch das Eingreifen des Papstes verlangt. Im März 1410 wird die päpstliche Bulle zur Beseitigung des Ketzertums veröffentlicht, sodann werden die Bücher von Wycliffe verbrannt und zwei Tage später am 19. Juli 1410 Huss und seine Genossen unter kirchlichen Bann gesetzt. Die Intervention des Königs Wenzel beim Papst war vergebens, der Prozess läuft weiter, im März 1411 wird die Exkommunikation von Huss in sämtlichen Kirchen von Prag verkündet und der Erzbischof setzt die Stadt Prag unter Bann. Noch im selben Jahr verlässt der Erzbischof in Erwartung der Unterstützung Sigismunds gegen den König von Böhmen das Land und begibt sich zu Sigismund. Im Jahre 1412 lösten die Tätigkeit der päpstlichen Delegaten einen neueren Widerstand in Prag aus, Huss und seine Genossen brandmarken das Verfahren des Papstes (Johann XXIII.) und seines Legaten: unter anderen den gegen Geldspenden erfolgten Sündenerlass, von der Kanzel und von dem Universitätskatheder; sie nennen den Papst einen Antichrist und verbrennen öffentlich die päpstlichen Bullen. Auf die Intervention der Prager Pfarrer unterwirft der Papst durch seinen Kardinal im Juli 1412 Huss dem schwersten Bann und in den meisten Kirchen werden die Karnalien eingestellt. 1413 werden in Rom die Lehren Wycliffes von neuem verurteilt, sodann wird — vor allem auf Sigismunds Anregung das Kon13* 195