Nyelvtudományi Közlemények 95. kötet (1996-1997)

Telegdi Zsigmond: Ein früher Versuch die ungarische Morphologie systematisch aufzubauen 13

EIN FRÜHER VERSUCH, DIE UNGARISCHE MORPHOLOGIE SYSTEMATISCH AUFZUBAUEN 19 31) Wie sich aber die beiden Ansichten der ungarischen Grammatik in der Tat zu einander verhalten, zeigt sich erst, wenn wir die Behandlung der Wortstruk­tur beiderseits näher betrachten. Verseghy dringt auf strenge Unterscheidung von Formative und Inflexion in der Beschreibung des Ungarischen. Er gibt formale Bestimmungen dieser Kate­gorien in ihrem Unterschiede: eine Formative läßt nach sich eine weitere For­mative, zumindest eine Inflexion zu, auf eine Inflexion dagegen kann weder eine Inflexion, noch eine Formative folgen. Was Verseghy mit "Formativen" meint, sind stammbildende Suffixe. Diese zerfallen im Ungarischen in zwei Klassen. Auf der einen Seite stehen eigentliche Derivationssuffixe, die neue lexikalische Einheiten bilden, sie sind morpholo­gisch dadurch gekennzeichnet, daß die Stämme, die durch sie erzeugt werden, die Basis neuer Derivation werden können (vgl. ung. törvény "Gesetz", törvé­nyes "gesetzlich", törvényesség "Gesetzlichkeit". Durch Possessivsuffixe und Suffixe des Plurals werden, auf der anderen Seite, ebenfalls Stämme erzeugt, Gebilde, die flektiert werden (vgl. ung. ház "Haus", ház-am "mein Haus", házam-nak "meinem Haus", házak "Häuser", házak-nak "Häusern"), durch diese wird aber nicht das Lexikon erweitert: sie gehören zum Paradigma des primären Stammes, sie geben ihm als Sekundärstämme eine ungeheure Aus­dehnung.16 Dies ist der Tatbestand, den Verseghys Darstellung im Grunde richtig reflektiert.17 Was die akademische Grammatik über die Suffixe im Ungarischen bietet, ist in seiner Unzulänglichkeit irreführend, verfehlt. Sie findet, daß die Grenze zwischen Formativen und Inflexionen im Ungarischen fließend ist, da gewisse Suffixe, wie die possessivischen und das Suffix des Plurals, Inflexionen sind, die man auch zu den Formativen rechnen könnte. Sie erklärt daher, gleich am Anfang der Wortlehre, daß sie im Lauf der Darstellung "um der Ordnung und der leichteren Übersicht willen" auch diese Suffixe zu den Inflexionen rechnen wird (§.32). In der Tat vereinigt sie unter dem Namen "nominale Inflexionen" (ung. névragozás) die Possessiva und das -k des Plurals, die Formativen sind, und drei Arten von Inflexionen, zumeist Kasuszeichen, in demselben Paragraph (§.142). 3. Auch der Fortschritt, den Verseghy in der Erforschung des Kasusproblems im Ungarischen erreicht hat, bleibt in der akademischen Grammatik unbeachtet. 16 Das Paradigma eines ungarischen Substativs enthält virtuel 1176 Wortforme (Bárczi et al. 1967. 409. 17 Er faßt die zwei Arten von Suffixen (die eigentlichen Derivationssuffixen und die, welche nur "Inflexionen" nach sich haben können) ausdrücklich in derselben Gattung der "Formativen" zusammen. Diese Ansicht äußert sich auch in der Bemerkung, die Behandlung der possessiven Nomina gehöre eigentlich in das Kapitel über die Bildung der Nomina und nicht in das über ihre Deklination (1816. 193). Nyelvtudományi Közlemények 95 1996-1997.

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