Nyelvtudományi Közlemények 95. kötet (1996-1997)

Telegdi Zsigmond: Ein früher Versuch die ungarische Morphologie systematisch aufzubauen 13

18 ZSIGMOND TELEGDI vom Sprachgebrauch als "oberster Richter der Sprachen" vom Proludium an zu eigen. Damit trat er Révai entgegen, der in der Feststellung der ungarischen Sprachregeln die "ehrwürdige Antiquität" als die einzige sicherste Meisterin ansah und bereit war, den jüngeren Usus, der einen "älteren zu verdrängen drohte, als Verderbnis zu verdammen.14 Am Anfang des XIX. Jahrhunderts entbrennt in der Tat ein heftiger, von Révai mit einer masslosen Verbissenheit geführter Streit zwischen den beiden Gelehrten über gewisse Fragen der ungarischen Orthographie und Grammatik. Der Streit erweckte ein lebhaftes Interesse in der Öffentlichkeit, namentlich in Schriftstellerkreisen. Die Mehrheit stellte sich auf Révais Seite, wobei Verseghys Konservatismus in der Frage der "Spracherneuerung" eine nicht geringe Rolle spielte. Seine Kritiker mochten in Einzelheiten Recht haben, Originalität und Bedeutung Verseghys als Grammatiker gingen über ihren Horizont hinaus; um so kühner zeigten sie sich in seiner Herabsetzung, sogar Beschimpfung. Es ist ihnen gelungen, Verseghys Sprachwissenschaft auf lange Zeit hinaus zu diskredi­tieren.15 2. Die Stellung der ungarischen Grammatikschreibung ändert sich mit der Entstehung der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (zuerst: Ungarische Gelehrte Gesellschaft); sie wurde 1825 gegründet, konnte aber ihre Tätigkeit erst 1831, nach der Bestätigung ihrer Statuten durch den König aufnehmen. Ihre erste Klasse, die der Sprachwissenschaft, sah eine ihrer dringendsten Aufgaben darin, durch ihre autoritative Stellungnahme eine Standardisierung in den Grundfragen der Orthographie und der Grammatik zu fördern. Sie gibt gleich in 1832 eine Anweisung zur Rechtschreibung, die die Praxis der besten Anhänger Révais in der Literatur zusammenfaßt, heraus. In 1846 erscheint unter dem Titel A magyar nyelv rendszere (System der ungarischen Sprache) eine Skizze der ungarischen Grammatik, die durch die gemeinsame Arbeit von Mitgliedern der ersten Klasse hergestellt und von einer Vollversammlung der Akademie angenommen wurde. Die akademische Grammatik stimmt mit Verseghys Auffassung überein, indem sie sich von der hebraisierenden Tradition befreit: die Wortlehre, der Haupt­teil des Werks, wird als Lehre vom Aufbau der Wortformen aus bestimmten Ele­menten (Wurzelwort, Stammwort, Formative und Inflexion) aufgefaßt (1846. 14 "Has etenim verborum formationes certo monstruosas nulla unquam novit aetas superi­or, in formationum legibus multo sane melior atque unica magistra tutissima" (Révai 1803a. 269). 15 In einem unlängst erschienenen Aufsatz schildert Z. Éder die Schicksale von Verseghys Sprachwissenschaft. Er setzt den ersten Abschnitt ihres Nachlebens auf 1825-1862 und bezeich­net ihn als eine Verschwörung gegen den Gelehrten. L. Gáldi, der Verseghy als Lexikographen gewürdigt hat, nennt ihn den Bahnbrecher, aber auch den Märtyrer der ungarischen Sprach­forschung. Noch hundert Jahre nach dem Ende von Éders ersten Abschnitts war es nicht überflüs­sig, "in macher Hinsicht" Verseghys Rehabilitation zu fordern (Antal 1961. 107). Nyelvtudományi Közlemények 95 1996-1997.

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