Nyelvtudományi Közlemények 95. kötet (1996-1997)

Telegdi Zsigmond: Ein früher Versuch die ungarische Morphologie systematisch aufzubauen 13

16 ZSIGMOND TELEGDI Übereinstimmungen nicht das Materielle betreffen, nicht die Lautformen der Wörter und Wortelemente — wäre dies der Fall, so wären, nach seiner Meinung, die beiden Sprachen Dialekte einer einzelnen, eine Ansicht, die ihm abwegig erscheint — , sondern ausschließlich die Methode (ratio) der Flexion und des Satzbaus, die abstrakte Grammatik.9 So z.B. stimmen nach Verseghy ungarische und hebräische Flexion darin überein, daß in beiden Sprachen das Nomen einen zweifachen "Status" (einen "absoluten" und einen mit einem Possessivsuffix erweiterten) und das Verb eine zweifache "Form" der Konjugation (in der einen zeigt die Personalendung nur das Subjekt, in der zweiten Subjekt und Objekt zugle­ich an) besitzt, ohne daß in des Sphäre der Ausdrucks eine entsprechende Überein­stimmung bestände (1793. §.72). Ungarisch und Hebräisch gehören daher nach Verseghy zu derselben Art von Sprache, es besteht zwischen ihnen eine typologis­che Affinität, aber keine genetische Verwandtschaft, wie es Révai annahm.10 Verseghy folgt der Tradition, indem er charakteristische, den Charakter der Sprache bezeichnende Übereinstimmungen zwischen Hebräisch und Ungarisch findet; er weicht von ihr in der grammatischen Bestimmung jener Übereinstim­mungen ab. Die herkömmliche Analyse zerlegte ein possessives Nomen (d.h.die Verbindung eines Nomens mit einem Hinweis auf die Person des Besitzers zur Einheit eines Wortes, wie ház-am "mein Haus") in Wurzel und (affigiertes) Pronomen. Verseghy verwirft stillschweigend diese Vermengung von morpho­logischer und syntaktischer Betrachtung, für ihn sind in házam eine Wurzel und eine "Formative" (d.h. ein stammbildendes Suffix) zu einem Wort verknüpft. Er unterscheidet (in Übereinstimmung mit Adelung) drei Grundelemente der Wortbildung: Wurzeln, Inflexionen und Formati ven. Unter Wurzel versteht Verseghy ein nacktes Wort, ein solches, das in seiner Lautform kein gramma-9 "Similitude- proinde inter hebraeam et hungaricam non in radieibus, neque in syllabis inflexionum, aut formativis, et multo minus in eadam litterarum... traetatione quaerenda, sed unice ad similem formationis, inflexionis, ac struendi sermonis methodum restringenda est, nisi has lin­guas instar duarum tantum dialectorum, quod absonum foret, considerare velimus" (Proludium §.68.). Die Affinität von Ungarisch und Hebräisch (d.h. ihre übereinstimmenden Züge) werden von Verseghy in den Paragraphen 69-74 des Proludium zusammengestellt. 10 Verseghy übernimmt von Adelung (1781. 62) die Hypothese, daß Sprachen sich auf drei Weisen zu einander verhalten können. Es gibt solche, die gänzlich, in grammatischer Hinsicht ebenso wie in den Grundlagen ihres Wortschatzes von einander abweichen. Eine solche Ver­schiedenheit besteht nach Verseghy zwischen "orientalischen" und "okzidentalischen" Sprachen. Andere unterscheiden sich von einander in ihren Wurzeln, Flexions- und Derivationssuffixen, also materiell, sind aber einander ähnlich in der ratio (der abstrakten Form) der Bildung und Flexion der Wörter und der Methode ihres Satzbaus. Unter solchen Sprachen besteht Affinität, sie gehören zur selben Art. Das Ungarische — stellt Verseghy gegen Révai fest — kann nur in diesem Sinn dem Hebräischen ähnlich genannt werden. Wenn, endlich, Sprachen in ihren Wurzeln und grammatis­chen Exponenten nur geringfügige Abweichungen (quoad aliquas consonantes) aufweisen, so stellen sie bloß Dialekte einer Sprache dar. Als Beispiel eines solchen Verhältnisses mochten dem Gelehrten die ihm bekannten semitischen Sprachen vorschweben. Nyelvtudományi Közlemények 95 1996-1997.

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