Nyelvtudományi Közlemények 77. kötet (1975)

Tanulmányok - Hüfner, Lorenz: Samuel Gyarmathi und seine Bemerkungen um die grammatische Komponente der Finnougristik 57

64 HÜFNEE, LORENZ Pallas, Verzeichnis der slawischen Lehnwörter, Ergänzungen ; bei dem Appen­dix III handelt es sich um den bereits erörterten Brief und Zusatz Schlözers. Aus heutiger Sicht besteht eine Schwäche der Affinitás darin, daß Gyarmathi die Lautlehre gegenüber der Formenlehre eindeutig unterbewertete, was sich damit erklären läßt, daß ihm bei den meisten der von ihm unter­suchten Sprachen nur das Schriftbild, nicht aber das Lautbild zugänglich war, und oft auch jenes nur begrenzt. Eine weitere Schwäche geht darauf zurück, daß Gyarmathi oft kein authentisches Sprachmaterial zur Verfügung stand, so daß er auf konstruierte Beispiele zurückgreifen mußte, wozu bis zu einem gewissen Grade auch Bibelübersetzungen, die, meist unter missionarischen Gesichtspunkten, von Ausländern angefertigt wurden, zählen. Die von Gyarmathi vorgenommenen Wortvergleiche und Etymologien sind von unterschiedlichem Wert. Insgesamt hat sich knapp ein Drittel davon als richtig erwiesen, eine Quote, die sich zunächst gering ausnimmt, bei deren Einschätzung es jedoch den damaligen Stand der finnisch-ugrischen Wissen­schaft zu berücksichtigen gilt und die in einem ganz anderen Lichte erscheint, wenn man weiß, daß das zutreffend erschlossene Wortmaterial zum soliden Ausgangspunkt für die künftige Forschung wurde. Das Hauptverdienst lag teilweise auf dem Gebiet der Satzlehre — wo er das vorhandene Wissen vor allem systematisierte —, ganz besonders jedoch auf dem der Formenlehre, wo beispielsweise seine Forschungen zu Diminutiv­und Komparativsuffixen bis auf den heutigen Tag nichts von ihrer Gültigkeit eingebüßt haben. Auch mit seiner Auswertung von Forschungsreiseergebnissen aus Rußland erwies er sich als Wegbereiter der künftigen finnisch-ugrischen Forschung. So konnte Gyarmathi anhand des „Sibirischen Wörterbuchs" von Fischer die Ähnlichkeit zwischen dem Ungarischen und dem Ostjakischen mit einer den bisherigen Wissensstand weit übertreffenden Genauigkeit untermau­ern. Die von ihm aus Arbeiten von Pallas exzerpierten ungarischen Wörter untersuchte er auf ihre etymologische Herkunft (Appendix II), wobei er zu dem Ergebnis kam, daß von den 140 Ausdrücken 66 finnisch-ugrischen Ur­sprungs waren. In seiner Ausführlichkeit blieb dieses von Gyarmathi auch the­matisch klassifizierte Wörterverzeichnis mehr als ein halbes Jahrhundert lang ohne Gegenstück. Nach ihrem Erscheinen erregte die Affinitás in Form von Rezensionen und Würdigungen in Fachkreisen einige Aufmerksamkeit, wenn sich dieses Echo quantitativ auch in Grenzen hielt. Die wissenschaftlich bei weitem bedeutendste dieser Besprechungen erschien am 6. Juli 1799 in der Allgemeinen Literatur-Zeitung und stammte von keinem Geringeren als Josef Dobrovsky.17 Dobrovsky äußert sich darin insgesamt höchst positiv über Gyarmathis Arbeit. Er betont jedoch, daß das Finnische näher mit dem Estni­schen als mit dem Lappischen verwandt sei und daß diesem Tatbestand die Klassifizierung von Gyarmathi nicht gerecht werde. Ferner verweist Dobrovsky auf die Eigenentwicklung des ungarischen Deklinationssystems. Während er in der Behandlung der Postpositionen und der Bildungssuffixe völlig mit Gyarmathi übereinstimmt, hält er Gyarmathis Schlüsse im Hinblick auf die Pronomina und die Possessivsuffixe nicht für beweiskräftig, weil entsprechende Erscheinungen auch auf orientalische Sprachen zuträfen. Daneben geht Dobrovsky noch auf viele Einzelfragen ein. Es ist eine helfende und fördernde 17 Abgedruckt bei R. Pra2ák, Josef Dobrovsky- als Hungarist und Finno-Ugrist, Brno 1967, S. 336 ff.

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