Nyelvtudományi Közlemények 77. kötet (1975)

Tanulmányok - Hüfner, Lorenz: Samuel Gyarmathi und seine Bemerkungen um die grammatische Komponente der Finnougristik 57

SAMUEL GYARMATHI UND SEINE BEMÜHUNGEN 65 Kritik, die Dobrovsky vornimmt — sehr gründlich und detailliert angelegt. Sie hat auch nach heutigen Gesichtspunkten nichts von ihrer Gültigkeit ein­gebüßt. Es spricht für Dobrovskys Größe, daß er bei aller Orientierung auf philologische Probleme zugleich auch die historische Bedeutung von Gyarmathis Arbeit erfaßte. Er sah in der Beschäftigung mit der eigenen Sprache einen nationalen Auftrag des ungarischen Volkes an seine Wissenschaftler, wobei er die nationale Selbstbestimmung der Slawen und die der Ungarn nicht als trennendes, sondern als verbindendes Moment empfand. Ein solcher Standort erschien Dobrovsky um so wichtiger, als die Ungarn an drei Seiten von Slawen umgeben waren. Zweifellos glaubte er, dem guten Nachbarschafts Verhältnis zwischen Ungarn und Slawen dadurch zu dienen, daß er seine Achtung vor den nationalen Traditionen der Ungarn und damit der ungarischen Sprache und ihrer Geschichte klar zum Ausdruck brachte. So verwies er am Schluß seiner Rezension auf die Notwendigkeit eines unga­rischen Wörterbuches, ,,mit gehörigen Scheidung des später hinzugekomme­nen Fremden, oder wenigstens eine Sammlung echt Ungarischer Wurzel Wörter mit beständiger Verleichung der Finnischen Dialekte, wozu des Vf. Arbeit gut gebraucht werden kann".18 Gyarmathi erhielt also einen reichen Schatz von Anregungen, als er nach Ungarn zurückkehrte. Danach begann jedoch seine Schaffenskraft auffällig zu stagnieren. Die Gründe für seine Resignation sind quellenmäßig im ein­zelnen nicht zu belegen. Immerhin aber muß es zu denken geben, daß er in Göttingen innerhalb kurzer Zeit sein Hauptwerk verfassen und vollenden konnte und daß ihm in Siebenbürgen nichts Gleichwertiges mehr gelang. Offenbar waren ihm im Ausland die bürgerlichen Errungenschaften der Fran­zösischen Revolution deutlicher als der Mehrzahl seiner Landsleute bewußt geworden, ganz besonders auch im Hinblick auf die Zukunft und die Ent­wicklung des eigenen ungarischen Volkes. So mußte auf ihn die Umgebung des rückständigen ungarischen Ständestaates besonders lähmend wirken. LORENZ HTTFNER 18 Zitiert nach R. Prazák, ebenda, S. 44 . 5 Nyelvtudományi Közlemények 77/1.

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