Nyelvtudományi Közlemények 77. kötet (1975)

Tanulmányok - Hüfner, Lorenz: Samuel Gyarmathi und seine Bemerkungen um die grammatische Komponente der Finnougristik 57

60 HÜFNER, LORENZ Ausdruck kommt : „Da ich nebst Lappländischen und Finnischen Sprachlehren und Wörterbüchern, auch eine zu Petersburg 1775 Wotische, und durch die Güte des Herrn Pallas, eine Permische Grammatik zum excerpieren erhalten habe, so kann ich mit der Zeit über die nähere oder entferntere Verwandtschaft dieser Sprachen mit der ungarischen etwas Bestimmteres sagen".11 Dobrovsky hat sein Vorhaben nicht durchgeführt, weil es ein anderer verwirklichte : Gyarmathi mit seiner „Affinitás". Dies zeigt sich nicht zuletzt daran, daß Dobrovsky dieses Werk als seiner eigenen Konzeption nahestehend freudig begrüßte, worauf noch zurückzukommen sein wird. Schon im Herbst 1797 hatte Gyarmathi wesentliche Teile seiner „Affini­tás" — den sogenannten Fasciculum I (Affinitás linguae Lapponum et Finno­rum) — in der Rohfassung fertiggestellt und Schlözer zur Begutachtung überreicht. Schlözer gab das Manuskript unter dem Datum vom 19. November 1797 mit einer ausführlichen schriftlichen Stellungnahme zurück. Schlözers Anregungen hatten auf die weitere Linienführung der „Affinitás" einen bestimmenden Einfluß, wenn sie auch von dem unter Zeitdruck stehenden Gyarmathi nur teilweise verwirklicht werden konnten. Insgesamt hat sich Schlözer ungemein positiv über Gyarmathis Arbeit geäußert. Ganz besonders bekundete er seine Freude darüber, daß ihm Gyarmathi neue Beweise für seine „schon vor vollen 41 Jahren" gewonnene Überzeugung von der engen Sprachverwandtschaft zwischen dem Ungarischen und dem Finnischen gelie­fert habe.12 Für besonders vorzüglich halte er, Schlözer, daß Gyarmathi die Ähnlichkeit auch im Innern beider Sprachen angezeigt und den Nachweis erbracht habe, daß sie „nicht nur im Vocabulario, sondern auch in der Gram­matik, wo nicht Schwestern, doch Cousinen sind". Seine kritischen Hinweise faßte Schlözer in sieben Punkten zusammen. Sein erster Vorschlag zielt in einer richtigen Erkenntnis zeitgeschicht­licher Zusammenhänge daraufhin, daß die Finnougristik — gerade im Zeichen des sich mit Wucht eintfaltenden ungarischen Nationalbewußtseins — nicht nur eine wissenschaftliche, sondern auch eine nationalpolitische Komponente besitzt. Deshalb werde man in Ungarn eher eine Verwandtschaft des eigenen Volkes mit den Finnen, die schon Tacitus gekannt und die im Mittelalter re­nommiert gewesen seien, als mit den vergleichsweise traditionslosen Lappen akzeptieren. Gyarmathi solle daher die Bezugnahme auf die Lappen in der Überschrift entfallen lassen (was in der Gesamtüberschrift des Buches auch von Gyarmathi berücksichtigt wurde). Aber auch aus wissenschaftlichen Erwägungen (der zweite Punkt) ver­diene das Finnische gegenüber dem Lappischen den Vorzug, weil es mehr „Sprach-Subsidia (Bibel-Übersetzungen, Lexica, Grammatiken)" habe. Mit besonderem Nachdruck richtete Schlözer Gyarmathis Augenmerk auf das Estnische, wobei er ihm gleichzeitig eine estnische Grammatik zum Studium übersandte (der dritte Punkt, der offensichtlich den Fasciculum II der Affinitás — Affinitás linguae Esthonum — stimulierte). Überhaupt wünschte sich Schlözer eine breitere Anlage des Werkes, wovon er sich einen höheren Verallgemeinerungsgrad der Forschungsergebnisse versprach. Unter anderem dachte er dabei an eine Einbeziehung der Sprachen 11 Zitiert nach J. v. Farkas, Samuel Gyarmathi und die fgr. Sprachvergleichung, S. 119. 12 S. Gyarmathi, Affinitás, Appendix III, Göttingen 1799, S. 381.

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