Nyelvtudományi Közlemények 77. kötet (1975)
Tanulmányok - Hüfner, Lorenz: Samuel Gyarmathi und seine Bemerkungen um die grammatische Komponente der Finnougristik 57
SAMUEL GYABMATHI UND SEINE BEMÜHUNGEN 61 der Tscheremissen, Wotjaken und Wogulen (der vierte und fünfte Punkt). In diesem Zusammenhang verwies er auf die sibirischen Arbeiten von Johann Eberhard Fischer. Die letzten beiden Punkte (der sechste und siebente) bezogen sich nicht unmittelbar auf die vorgelegte Arbeit Gyarmathis. Sie galten vielmehr der Geschichte der finnisch-ugrischen Völker und wurden später in Schlözers Nestorchronik näher kommentiert, Schlözer nahm ein finnischugrisches Stammvolk an, dessen Heimat sich von der Finmark im Nordwesten bis zum Kaspischen Meer im Südosten — nicht aber darüber hinaus — erstreckt habe. Für den ursprünglichen Stammsitz hält er Gebiete am Jaik (Ural-Strom), nicht aber die Gegenden am Nördlichen Eismeer. Der bisherigen Forschung ist entgangen, daß sich Schlözer mit dem Gedanken trug, seine Thesen zur Herkunft der finnisch-ugrischen Völker in einem historischen Vorwort zu Gyarmathis „Affinitás" näher zu begründen — ein weiteres Zeichen dafür, wie hoch er die Untersuchungen des Ungarn einschätzte und wie er bereit war, sich selbst mit vollem Gewicht seines Namens damit zu identifizieren.13 Wie es dem gleichen Brief von Gyarmathi an Engel zu entnehmen ist, war Gyarmathi für Schlözers Hilfe, die sich nicht nur auf die Ratschläge, sondern auch auf umfangreiche Bücherschenkungen (vor allem Lexika und Bibelausgaben) erstreckte, außerordentlich dankbar. Erst diese Unterstützung durch Schlözer habe es ihm ermöglicht, auch das Estnische, Wotjakische und Tscheremissische in die Untersuchung einzubeziehen. Zugleich habe sie ihm — auf der Grundlage von Wortsammlungen Reisender aus Schlözers Beständen — Einblicke ins Mordwinische, Permische und Syrjänische gestattet. Der Schluß liegt nahe, daß die Impulse auch zu anderen weiterführenden Untersuchungen Gyarmathis von Schlözer ausgingen, obwohl es dafür keine unmittelbare Bestätigung aus schriftlichen Quellen gibt. Dies gilt namentlich für die Erfassung slawischer Lehnwörter im Ungarischen und die Sichtung von Gerhard Friedrich Müllers Sammlung russischer Geschichte unter sprachlichen Gesichtspunkten, zwei Themen, die zumindest prinzipiell in der wissenschaftlichen Interessensphäre Schlözers lagen. Die Annahme von Farkas, daß sich Gyarmathi diesen Fragen unabhängig von Schlözer zugewandt habe, ist mit der Nichtexistenz entsprechender Belege keineswegs ausreichend begründet.14 Am Ende ist jedoch aus dem Vorwort von Schlözer zur Affinitás nichts geworden. Kein ausdrücklicher Bruch, keine grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten (wie bei dem Verhältnis zwischen Schlözer und Engel), wohl aber Interessenunterschiede zwischen Gyarmathi und seinem Lehrer wiesen die Drucklegung der Affinitás in eine andere Richtung. Gyarmathi sah sich zur äußersten Eile bei der Fertigstellung seines Werkes gezwungen, weil Umstände eintraten, die ihm eine Abkehr von Schlözer ratsam erscheinen ließen. 1795 war Schlözers „Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen" erschienen, die antiungarisch interpretierbare Passagen enthielt und daher bei nationalgesinnten Ungarn auf heftigen Widerspruch stieß. Ausdruck dieses Widerspruchs war unter anderem die Rezension dieses Buches in der „Allgemeinen Literaturzeitung" durch Aranka, 13 Vgl. Brief von Gyarmathi an Engel vom 18. Februar 1798; Orsz. Széchenyi Könyvt., Budapest, 1 drb. fol. 1 (in ungarischer Sprache). 14 Vgl. J. v. Farkas, Samuel Gyarmathi und die fgr. Sprachvergleichung, S. 123.