Nyelvtudományi Közlemények 77. kötet (1975)

Tanulmányok - Hüfner, Lorenz: Samuel Gyarmathi und seine Bemerkungen um die grammatische Komponente der Finnougristik 57

SAMUEL GYAEMATHI UND SEINE BEMÜHUNGEN 59 den Anregung Dobrovskys an, während die Linienführung der „Affinitás" wesentlich und sehr positiv von Schlözer beinflußt wurde. Gyarmathi besaß seinerseits zwei Vorteile, die ihn gegenüber seinen Vorgängern auf dem Gebiet der Finnougristik auszeichneten : neben Sajnovics war er der einzige, der eine finnisch-ugrische Sprache als Muttersprache beherrschte. Darüber hinaus baute er seine Sprachvergleiche auf einer bis dahin unerreichten Fülle an linguistischem Material auf. Die anfängliche Absicht Gyarmathis bestand offenbar lediglich darin, in Anlehnung an Sajnovics4 und Hager 5 den Nachweise von der ungarisch­finnisch-lappischen Verwandschaft anhand einiger weiterer Beispiele zu führen. Daß Gyarmathis Werk am Ende einen weit größeren Rahmen und prinzipiel­leren Charakter erhielt, ist das gemeinsame Verdienst von Dobrovsky und Schlözer. In einem umfassenderen Sinne bestätigt sich gerade auch am Beispiel der „Affinitás" die Feststellung von Eduard Winter, wonach Böhmen und Ungarn in enger Wechselwirkung standen und der romantische Nationalismus in Ungarn wesentliche Anregungen sowohl vom deutschen, nicht minder aber auch vom tschechischen romantischen Nationalismus erhielt, wofür neben Gyarmathi ganz besonders auch Franz Széchenyi, der den Grundstock zum Ungarischen Nationalmuseum — dem künftigen Mittelpunkt der national­ungarischen Bestrebungen — legte, ein beredtes Zeugnis ablegt.6 1792 hatte Dobrovsky eine Reise nach Schweden, Finnland und Rußland unternommen, die ihm die Notwendigkeit einer eingehenderen Erforschung der finnisch-ugrischen Sprachverwandtschaft eindringlich vor Augen führte. Seine intensive Beschäftigung mit diesem Problem legt den Schluß nahe, daß er sich mit dem Gedanken trug, selbst auf diesem Gebiet wissenschaftlich tätig zu werden. Es ging ihm dabei aber jedoch ausschließlich um die Sache und nicht um die Befriedigung eines persönlichen Ehrgeizes.7 So richtete er 1794 in der Wiener ungarischen Zeitung Hírmondó einen Appell an die unga­rische Gelehrten weit, sich mit finnisch-ugrischen Sprachforschungen zii be­fassen und dabei auch Kontakt zu finnischen Wissenschaftlern, insbesondere mit Heinrich Porthan — dem Begründer der finnischen Philologie —, aufzu­nehmen.8 Gyarmathi hat später diesen Hinweis befolgt und Kontakte zu Porthan aufgenommen.9 Es ist durchaus möglich, daß Gyarmathi zusätzlich von Schlözer auf Porthan aufmerksam gemacht wurde, weilte doch Porthan 1779 in Göttingen. 1796 zieht Dobrovsky die Bilanz seiner Reise,10 in der die Finnougristik eine wichtige Rolle spielte, wie bereits einleitend klar zum 4 J. Sajnovics, Demonstratio idioma Ungarorum et Lapponum idem esse, Kopenha­gen 1770. 5 J. Hager, Neue Beweise der Verwandtschaft der Hungarn mit den Lappländern. Wider neue Angriffe der Sajnovicsischen Abhandlung. Wien 1974. «Vgl. E. Winter, Frühliberalismus. Berlin 1968, S. 44. 7 Vgl. R. Prazák, Josef Dobrovsky als Hungarist und Finno—Ugrist, Brno 1967. 8 Vgl. J. v. Farkas, Samuel Gyarmathi und die finnisch-ugrische Sprachverglei­chung, in : Nachrichten d. Akad. d. Wissenschaften in Göttingen, Phil. Hist. Klasse Nr. 3. Jg. 1948. S. 119. 9 Vgl. Y. Wichmann, Ein Paar Bemerkungen, ebenda, S. 1 f. 10 Vgl. J. Dobrovsky. Litterarische Nachrichten von einer auf Veranlassung der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften im Jahre 1792 unternommenen Reise nach Schweden und Rußland. Von J. Dobrovsky. Nebst einer Vergleichung der Russischen und Böhmischen Sprache nach dem Petersburger Vergleichungswörterbuche aller Sprachen. Prag 1796. I

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