Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 52. (2007)

REBITSCH, Robert: Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644

(16. November 1643) mit der schwedischen Krone an der habsburgischen Südostflanke in den Krieg ein. Die kaiserliche Partei war nun plötzlich mit einen „Dreifrontenkrieg“ konfrontiert: im Westen sollte sie Hilfe gegen die Franzosen leisten, im Norden sollte der Hauptfeldzug stattfinden und im Osten tauchte nun unerwartet Raköczi mit seinem Heer auf. Diese völlig neue Situation machte eine totale Umgruppierung der Kräfte notwendig und zugleich den „alten“, gut durchdachten Plan zunichte. Matthias Gallas bekam daher den Auftrag, ein Korps gegen den siebenbürgischen Fürsten zusammenzustellen.49 Generalleutnant Gallas, der ohnehin ein äußerst reserviertes Verhalten gegen große offensive Operationen an den Tag legte50, musste durch die ungünstige Lageentwicklung somit auf einen weiteren Teil der gegenüber Wallensteins Tagen beträchtlich geschrumpften Armada verzichten.51 Das fiel dem Trientner Generalleutnant freilich alles andere als leicht, denn schon im Jänner, also noch vor der siebenbürgischen Bedrohung, riet er von einem Angriff auf die Schweden in Richtung Norden ab. Seine Lagebeurteilung galt zwar für den Winterkampf, die Situation sollte sich aber im Laufe des Frühjahrs nicht wesentlich ändern. Er machte dabei auf den Mangel an Lebensmittel für die Mannschaften und Gras für die Pferde aufmerksam und er wusste um den schlechten Zustand des kaiserlichen Artilleriewesens.52 Dieser Waffengattung fehlte es vor allem an Munition, Fuhrleuten, Pferden und Transportgerät sowie an regelmäßiger Bezahlung der Knechte und an Kleidung gegen die Kälte für die Geschützbedienungen, die auch häufig desertierten. Das war ein doppelter Verlust, denn die Geschützbedienungen waren ausgesuchte Spezialisten. Die kaiserlichen Finanzen waren so darnieder, dass man sich keine Hoffnung auf eine rigorose Besserang machen konnte.53 Die Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644 sind an den Fürsten von Siebenbürgen über 100 000 Rt. an Subsidien bezahlt worden. Eine nicht gerade überdimensionale Summe für die Kriegführung der damaligen Zeit. 49 StOAD, FKG, Ka. 377, Ferdinand III. an Gallas, Wien 1. Februar 1644. 50 Dazu vgl. das Vorwort von B a d ’ u r a, Bohumil (Hrsg.): Documenta Bohemica Bellum Tricennale Illustrantia. Tomus VI: Der große Kampf um die Vormacht in Europa. Die Rolle Schwedens und Frankreichs - Quellen zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges 1635-1643. Praha 1978, S. 12 mit Anm. 24 und S. 14 sowie die dazugehörigen Korrespondenzen. Gallas begründete nicht zum ersten Mal - ob zu Recht oder zu Unrecht sei dahingestellt - seine Ablehnung groß angelegter offensiver Operationen mit dem schlechten Zustand der Armee und der feindlichen Überlegenheit. 51 Zu Wallensteins Zeiten erreichte die kaiserliche Armada zeitweise eine Stärke von über 100 000 Mann und mehr. Vgl. dazu D i w a 1 d, Hellmut: Wallenstein. Biographie. Esslingen- München 19994, S. 284-295. 52 Der Verantwortliche für die Artillerie, Oberst Elias Insel, ließ Gallas genaue Berichte über den schlechten Zustand des kaiserlichen Artilleriewesens zukommen. So z. B. StOAD, FKG, Ka. 376, Insel an Gallas, Krumau/Cesky Krumlov 26. Januar 1644. 53 Zur Kriegsfinanzierung der kaiserlichen Partei, die nicht erst seit 1645 ein arges Problem darstellte, vgl. Winkelbauer, Thomas: Finanznot und Friedenssehnsucht. Der Kaiserhof im Jahre 1645, in: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs, Sonderband 3 (Wien 1997), S. 1- 15 und neuerdings ausführlich zum kaiserlichen Finanzwesen und seinen Auswirkungen auf die Kriegführung derselbe: Ständefreiheit und Fürstenmacht. Länder und Untertanen des Hauses 41

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