Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 52. (2007)

REBITSCH, Robert: Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644

Robert Rebitsch altbekannten Mängel wurden von Ferdinands Feldherm auch immer wieder eingeklagt. Zudem hielt der Oberbefehlshaber der Kaiserlichen die Schweden zu Recht in ihrer personellen Stärke und militärischen Ausrüstung für überlegen: [...] und ob gleich ihr keyserl. Mayt. mit zehntausendt man die hauptarmada verstercken ließe, so sehe ich doch gleichwol nicht, was wir vor einen mechtigeren vortheil gegen ihm hoben möchten.54 Gallas scheute vor allem einen Übergang über die Elbe, den er bei dem Zustand seiner Armee für höchst gefährlich hielt. Doch alles Monieren des Generalleutnants half nicht. Der Kaiserhof musste reagieren und hielt daher an seinen Unterstützungsplänen für Dänemark fest.55 Sehr bald wurden das Ausmaß und die daraus resultierenden militärischen Konsequenzen des siebenbürgischen Angriffs, der Anfang Februar bereits über die Theiß/Tisza hinausgriff, ersichtlich. Am 10. Februar informierte der oberste Kriegsherr Ferdinand seinen Generalleutnant, dass erste Truppen aus Böhmen und Mähren in Richtung Oberungarn abgefertigt werden mussten. Der Abgang war empfindlich. Unter Feldmarschallleutnant Hanns Christoph Graf Puchheim marschierten vorerst an die 1 500 Mann zu Fuß, 300 Dragoner (anfänglich berittene Infanterie, die jedoch im Laufe des Krieges zur Kavallerie gezählt wurden) und 3 000 Mann zu Pferd gegen Raköczi.56 Es dauerte nicht lange und der Truppenbedarf für Ungarn stieg, zudem wurde Feldmarschall Götz, der eigentlich als dritte Marschkolonne Schlesien und Mähren säubern sollte, als Kommandant für den Kriegsschauplatz im Osten bestellt.57 Am 25. April meldete der bayerische Hofkammerpräsident Johann Mändl aus Wien, die kaiserlichen Völker hätten in einer Stärke von 12 000 Mann die Nitra überschritten.58 Gegen Ende des Jahres schätzte der kaiserliche Generalfeldmarschall Ottavio Piccolomini die Stärke von Götz immerhin auf noch 7 000 bis 8 000 Mann.59 Trotz der kritischen Entwicklungen in Oberungam war Ferdinand der Meinung, alle drei Krisenherde bewältigen zu können.60 Zunächst aber mit einem irrealistisch und merkwürdig unentschlossen anmutenden Kampfplan sowie einer völlig unzureichenden Beurteilung des eigenen Kräftebedarfs. Denn der Kaiser gedachte, Habsburg im konfessionellen Zeitalter, Teil 1 (= Österreichische Geschichte 1522-1699, hrsg. von Herwig Wolfram. Wien 2003), S. 409-529. 54 StOAD, FKG, Ka. 376, Gallas an Ferdinand III., (in seiner Herrschaft) F ri edland/F rydlant 7. Januar 1644 (Datum zweifelhaft, eher früher, Konzept). 55 StOAD, FKG, Ka. 377, Ferdinand m. an Gallas, Wien 23. Februar 1644. 56 Ebenda, Ferdinand III. an Gallas, Wien 10. Februar 1644. 57 StOAD, FKG, Ka. 378, Ferdinand III. an Gallas, Wien 16. April 1644. Beilage zum Schreiben an Gallas. 58 Hauptstaatsarchiv München [in Hinkuft: BayHStA], Kurbayem Äußeres Archiv [in Hinkunft: KÄA], 2 790, Mändl an Maximilian I., Wien 25. April 1644. 59 DBBT VII. Nr. 473, 161, Piccolomini an Ferdinand III., Jahresende 1644. 60 BayHStA, KÄA 2 787, Ferdinand III. an Maximilian I., Wien 7. Mai 1644. 42

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