Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 52. (2007)

SCHARR, Kurt: Österreichische Archivalien in der Ukraine (Galizien und der Bukowina)

wurden, wieder ein. Bis 1948 beschäftigten sich die Archivmitarbeiter mit der Anlage einer Übersichtsgliederung für die umfangreichen und heterogenen Bestände und bis 1965 erstellten die Archivare einen wissenschaftlichen Apparat (Katalog, Bibliothek, Findbücher, Registraturen, etc.), der erstmals eine systematische Nutzung gestattete. Heute gehört das Archiv in Czemowitz zu den größten der Ukraine, das auch ältere Dokumente aus der Zeit der moldauischen Herrschaft und solche über den russi sch-türkischen Krieg von 1853/1856 aufbewahrt. Das Staatsarchiv Czemowitz umfasst zum überwiegenden Teil Dokumente aus den nördlichen Teilen der Bukowina und deren früheren Verwaltungsbezirken Zastawna, Waschkoutz, Wiiaiitz, Storozinetz6 sowie Czemowitz. Es finden sich in Czemowitz beispielsweise aber auch umfangreiche Dokumentenbestände aus dem ehemaligen Bezirk Kimpolung (heute rumänisch Cämpulung Moldovenesc). Die vorhandenen umfassenden Archivalien lassen sich in fünf Hauptabteilungen zusammenfassen, die etwa den unterschiedlichen Herrschaftsperioden entsprechen. Dazu kommt noch eine gesonderte Abteilung für Nachlässe und private Sammlungen: 1. Österreichische Herrschaft (seit 1867 Österreich-Ungarn) 1775-1918 2. Russisches Imperium (Chotiner Gebiet) 1812-1917 3. Russi sehe Verwaltung der Czemo witzer Gubemiums 1914-1917 4. Rumänische Herrschaft 1918-1940 und 1941-1944 5. UdSSR 1940-1941 und 1944-1977 6. Nachlässe und private Sammlungen Im Folgenden werden ausschließlich die für die österreichische Zeit relevanten Bestände aufgelistet.7 Für die Bezeichnung der verschiedenen Archiveinheiten wurden die rassischen bzw. ukrainischen Ausdrücke beibehalten: Die den Hauptabteilungen nächst untergeordnete Gliederung wird dabei als „Fond“ bezeichnet, dieser gliedert sich wiederum in so genannte „Delo“ (d. h. einzelne Dokumentenfaszikel, wörtlich „Sache“). Jeder Fond verfügt über ein oder mehrere Verzeichnisse seiner Delo, die „Opisi“ (entsprechen etwa den Findbüchem). Im Opis ist zumeist auch angegeben, über wie viele Blätter ein Delo verfügt und welchen Zeitraum er annähernd abdeckt, d. h., eine genauere Abschätzung des Österreichische Archivalien in der Ukraine (Galizien und der Bukowina) 6 Die früheren Ortsnamen sind in den österreichischen Bezeichnungen angegeben. 7 Als Grundlage für die Erstellung einer deutschen Archivübersicht wurde einerseits die oben zitierte Generalarchivübersicht verwendet und andererseits eine neue Publikation des Staatsarchivs Czemowitz eingearbeitet, die allerdings nur geringfügige Bezeichnungsänderungen aufwies: Ljapunov -Nikirsa: (1998). Dieser in ukrainisch geschriebene Archivführer bietet eine gute, teilweise ajourierte Übersicht zur Geschichte und zu den Beständen des Archivs, allerdings ist er in vielen Bereichen stark verkürzt und kann somit keinesfalls die Generalarchivübersicht ersetzen. 335

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