Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 51. (2004)
DEUSCH, Engelbert: Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen
3. Weckung der Sympathien für Österreich. 4. Paralysierung des russischen Einflusses. Diese Ziele gab Stratimirovich in einem Bericht an den Chef der obersten Polizeibehörde an. Beim Fürsten Danilo war Stratimirovich der Meinung, dass weder der Einfluss Österreichs vollkommen gesichert, noch der Friede in jenen Provinzen garantiert sei, so lange Danilo Fürst von Montenegro sei. Stratimirovich habe darum für die österreichischen Interessen Stützpunkte im Lande gewonnen, die die Möglichkeit eröffnen, den Fürsten zur Annahme einer ausschließlich österreichischen Politik zu zwingen. Bei der Majorität des einfachen Volkes hat die Sympathie für Österreich und die Dankbarkeit für Kaiser Franz Joseph tiefe Wurzeln geschlagen. Die augenfällige Unterstützung, Geldspenden und das Verteilen von Brot an die flüchtigen und hungernden Familien haben tiefen Eindruck gemacht. Von den Einflussreichen wurden für Österreich gewonnen und sollten in Zukunft der k. k. Regierung gewogen bleiben: der Senatspräsident Peter Petrovic, der früher den Fürstenstuhl erringen wollte, die ganze Familie Vukotic, der Serdar68 Andria Pero der Zucis, Vido Boskovic, Stefan Radovic, Gjuro Prelov, Vlatiovic (Sekretär des Fürsten). Bei all diesen ist es teils Unzufriedenheit mit dem unvernünftigen und knabenhaften Benehmen des Fürsten, „mehr aber noch die Hoffnung einer künftigen Belohnung von Seite Österreichs“. Die Feierlichkeiten, die in Montenegro nach dem am 18. Februar 1853 überstandenen Attentat auf Kaiser Franz Joseph in Wien vom Fürsten Danilo angeordnet wurden, fanden im ganzen Land statt und wurden von der Bevölkerung mit aufrichtiger Teilnahme begrüßt. Unter Benützung der Volksstimmung könnte Montenegro zu einer österreichischen Provinz gemacht werden oder ihm ein Fürst gegeben werden, der Österreich die Garantie seiner Ergebenheit bietet und durch Charakter und Fähigkeiten „die Möglichkeit bietet, dieses Land in jene Lage zu bringen, wie sie den Absichten unseres Kaiserstaates im Oriente entspricht“. Eine Inkorporierung Montenegros stoße aus Rücksicht auf europäische Politik auf fast unüberwindbare Hindernisse. Es wäre also nur die Bahn der Heranbildung eines Österreich nützlichen Montenegros einzuschlagen. Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen 68 Serdar - Schwertträger. 165