Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 51. (2004)

DEUSCH, Engelbert: Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen

Engelbert Deusch Fürst Danilo ersuchte in abgesonderten Schreiben Baron Mamula und Bischof Knezevich die Weihe vorzunehmen. Am 2. Oktober 1853 fand die Feierlichkeit in der griechisch-orthodoxen Kirche von Zara statt. Fürst Danilo ersuchte außerdem um einen dalmatinischen Kleriker, der den neuen Archimandriten in kirchlichen Dingen sowie im neu zu schaffenden Schulwesen zu unterstützen habe. Mamula und Bischof Knezevich wählten „den gut gesinnten griechischen Kleriker Anton Mazzura von Kistagne“ aus. Mamula jubelte, zwei Österreicher seien an die Spitze von Kultus und Unterricht in Montenegro getreten.58 Bei der Besprechung für den Nachkauf der Gegenstände, die an geplünderte Kirchen in Montenegro von Österreich gespendet werden sollten, stellte sich heraus, dass in Österreich kein Mess- oder sonstiges Kirchenbuch für den orthodoxen Ritus in altslavischer Sprache mit kyrillischen Lettern zu bekommen sei und in Russland angekauft werden müsse. In diesen Kirchenbüchern lauteten die Gebete pro salvo Imperatore stets auf Kaiser Nikolaus und dessen Familie. Mamula regte die Einrichtung einer Druckerei für Kirchenbücher mit glagolitischen Lettern mit den üblichen Gold- und Farbinitialen an. Die hohen Kosten dürften von den politischen Vorteilen überboten werden. Wahrscheinlich würden die griechisch nicht unierten Gemeinden Montenegros und der angrenzenden türkischen Provinzen ihre Messbücher aus dem näheren Österreich holen und würden die Gebete für den österreichischen Kaiser darin finden und lesen, und sich daran nach und nach gewöhnen. Mamula regte an, die Bücher aus Österreich schöner und wohlfeiler (auch mit Geldverlusten) zu liefern. Mit der Übergabe der liturgischen Bücher im Auftrag des österreichischen Kaisers an montenegrinische Gemeinden könnte der Beginn jener empfehlenswerten Maßnahme gemacht werden.59 Am 6. Dezember 1853 kam der Setzer Leopold Bogisits aus der Ofener Universitätsdruckerei in Wien mit kyrillischen Schriftproben an. Wenige Tage später konnte mit dem Satz der Kirchenbücher begonnen werden.60 Diese in Wien gedruckten Kirchenbücher sollten die Aufschrift „mit allerhöchster Bewilligung Sr. Majestät des Kaisers und mit dem Segen des Karlowitzer Patriarchen Josef gedruckt“ erhalten, doch der Patriarch verweigerte aus Konkurrenzneid seinen Segen, weil er seit 1851 eine Konzession zum Druck solcher Kirchenbücher besaß.61 58 Ebenda, 3 647, Mamula an Graf Grünne, Zara, 2. Okt. 1853. 59 Ebenda, 3 646 : Mamula an Graf Grünne, Zara, 14. Sept. 1853. 60 Kriegsarchiv Wien, MKSM 4 236. 61 Kriegsarchiv Wien, MKSM 4 180, an Feldmarschallleutnant Graf Coronini, Wien, 7. Dez. 1853, Konzept. 162

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