Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 51. (2004)

DEUSCH, Engelbert: Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen

Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen Die Mission des Grafen Leiningen Das Auftauchen Kellners, eines Vertrauten aus der Umgebung des österreichischen Kaisers, in Dalmatien wurde von der einheimischen Bevölkerung als Sensation aufgenommen. Die Kunde davon ging wie ein Lauffeuer durchs Land und erreichte auch Montenegro und die Hercegovina. Am 11. Jänner 1853 kam schon Vukowich, ein Adjutant des Fürsten von Montenegro, nach Cattaro, um Kellner im Namen des Fürsten zu begrüßen. Kraft der mündlichen kaiserlichen Ermächtigung zerstreute Kellner die Besorgnis wegen des Munitionsnachschubes beim Krieg gegen die Türken. In Dalmatien herrschte außerordentliche Aufregung. Die bewaffnete Bevölkerung erwartete kampflustig von der Militärbehörde zur Grenzverteidigung aufgeboten zu werden. Omer Pascha,62 dieser erklärte Feind Österreichs, dürfte Österreich noch viel zu schaffen machen, wenn es den Montenegrinern nicht gelinge, ihm kräftig Widerstand zu leisten. Müsse sich Österreich gefallen lassen, dass ein solcher Kerl, bekanntermaßen von ungarischen und italienischen Rebellen und allerlei ähnlichem Gesindel aus Korfu (Kerkira) umgeben, sich unseren Grenzen nähern darf? Ein energischer General (vielleicht Feldmarschallleutnant Graf Leiningen oder Stadion) als kaiserlicher Gesandter in Constantinopel wäre jetzt sehr auf seinem Platze. Den jetzigen Türken muß die Faust unter die Nase gehalten werden, wie es Rußland und England immer mit Erfolg getan haben.63 Oberstleutnant Stratimirovich hat in den letzten acht Tagen des Februar 1853 in Montenegro mit Unterstützung der Generäle v. Kellner, Mamula und Dessimon die Verteidigung organisiert, dass Omer Pascha mit seinen Mitteln Montenegro nicht mehr einnehmen hätte können.64 Ende Februar war auch die Armee des Banus von Kroatien operationsfähig.65 Feldmarschallleutnant Graf Leiningen, dessen äußere Erscheinung schon großen Respekt einflößte, traf am 30. Jänner 1853 mit dem österreichischen Kriegsdampfer 62 Omer Pascha als Michael Lattas 1806 in Janja-Gora im Oguliner Regimentsbezirk der Militärgrenze geboren, 1833 als k. k. Kadett nach Bosnien geflohen, nach Annahme des Islam Hauslehrer in Konstantinopel, später Schreiblehrer in einer militärischen Bildungsanstalt, Schreiblehrer bei Prinz Abdul Medschid gleichzeitig Offizier der türk. Armee. Nach Regierungsantritt von Abdul Medschid Beförderung in höhere Militärchargen. G e r b a, S. 97 Anmerkung 2. 63 Kriegsarchiv Wien, MKSM 1853, Nr. 222 Brief Generalmajor v. Kellner an den 1. Generaladjutanten des Kaisers Graf Grünne, Cattaro, 12. Jänner 1853. 64 Kriegsarchiv Wien, MKSM 1853, Nr. 1 371, Stratimirovich an Feldmarschallleutnant Kempen v. Fichtenstamm, Chef der obersten Polizeibehörde, Cattaro, 3. März 1853. Kempen von Fichtenstamm Johann, (seit 1854) Freiherr (1793-1863), Feldmarschallleutnant, Organisator der Gendarmerie, Chef der obersten Polizeibehörde 1852-54 und vom 17. II. 1857-21. VIII. 1859. Redlich, Oskar: Kaiser Franz Joseph von Österreich. Berlin 1929, S. 479. 65 Gerba, a.a.O., S. 137. 163

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