Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 51. (2004)
DEUSCH, Engelbert: Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen
Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen die montenegrinischen Klöster zu übernehmen.54 Von dem Ende März 1853 noch unberührt vorhandenen Reservefond von 100 000 Gulden in Silber wurde Mamula ermächtigt, 30 000 fl für den Wiederaufbau der durch die Türken zerstörten Kirchen und Ortschaften zu verwenden, besonders möge er an die Herstellung des Klosters Ostrog denken. Sollte der vorgesehene Betrag nicht reichen, brauche er nur den Mehrbedarf anzugeben. Die Militärkanzlei wollte, dass Montenegro in die österreichische nicht unierte Diözese einbezogen werde. Mamula sollte beim Fürsten Danilo dahin wirken, dass er in dieser Beziehung die Initiative ergreife und um eine solche Verfügung selbst bei uns ansuche. Der österreichische Kaiser würde dafür auf Anregung von Stratimirovich im griechisch orthodoxen Seminar zu Zara einige fähige Jünglinge Montenegros für die geistlichen Bedürfnisse unentgeltlich ausbilden lassen. Sollte sich Fürst Danilo ferner des Schutzes des österreichischen Kaisers würdig erweisen, so werden in k. k. Militär- Bildungsanstalten einige Plätze für Söhne seines Landes gestiftet. Eine so wesentliche Begünstigung könne nur an die Beweise vollkommener Ergebenheit seinerseits geknüpft werden.55 Im September 1853 forderte Russland in einem Brief des Grafen Nesselrode56 * an Fürst Danilo diesen auf, den Archimandriten von Ostrog zur Bischofsweihe baldigst nach St. Petersburg zu schicken, damit das Bistum in Montenegro besetzt werde. Mamula hatte dagegen Fürst Danilo auf verschiedene Weise zu überzeugen gesucht, wie gefährlich die Ernennung eines Bischofs für seine weltliche Macht besonders für die ersten Jahre ihres Inslebentreten werden könnte, und ihm angetragen, sich für alle seine höheren kirchlichen Bedürfnisse des dalmatinischen Bischofs Knezevich zu bedienen, welcher ohnehin jährlich einige Monate in Cattaro zu residieren hat. Dies, sowie die durch Unwisssenheit, Gemeinheit und Trunk signalisierte Charakteristik des Archimandriten von Ostrog haben den Fürsten bisher bewogen, dem Drängen der russischen Diplomatie (vor der Hand wenigstens) nicht nachzugeben. Fürst Danilo wollte den jungen Pfarrer von Cetinje, Nikanor Njegush, zum Archimandriten des Cetinjer Klosters in Zara weihen lassen. Njegush wurde an der griechisch-theologischen Schule in Zara ausgebildet, war österreichischer Untertan, hatte aber montenegrinische Großeltern. 54 Kriegsarchiv Wien, MKSM 1853: Nr. 1 371 an Feldmarschallleutnant Baron Mamula, Wien, 28. März 1853, Konzept. 55 Ebenda, Wien, 27. März 1853, Konzept. 56 Nesselrode, Karl Robert, Graf von (1780-1862), wirkte als Berater des russischen Zaren Alexander I. bei den Verträgen 1813-15, war seit 1816 Außenminister, wurde 1829 Vizekanzler Nikolaus’ L, 1844- 56 russischer Reichskanzler. Der grosse Brockhaus, 16. Auflage, 1955, 8. Bd„ S. 329. 51 Kriegsarchiv Wien, MKSM 1853: 3 646, Mamula an Graf Grünne, Zara, 14. Sept. 1853. 161