Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 51. (2004)

DEUSCH, Engelbert: Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen

Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen erfolgte sei. Das bedeutete, dass die Montenegriner in freundlichem Einvernehmen mit österreichischen Grenzbezirken lebten. Trotzdem wollte Mamula erst auf allerhöchste Weisung mit Montenegro in Verbindung treten. Die Montenegriner brauchten Geld, um genügend Munition, Kriegsgerät und Verpflegung beschaffen zu können. Die Gewehrmunition kauften die Montenegriner, wie bisher üblich und wie es Kaiser Franz Joseph I. laut Weisung des Fürsten Felix Schwarzenberg26 1851 erneut zugestanden hatte, im k. k. Artillerie-Pulver-Verschleiße zu Cattaro (Kotor). Pulver und Blei würde ihnen nicht fehlen, sobald sie gehörig mit Geld dotiert seien. Montenegro fehlten Geschütze, Geschützmunition und Artilleristen. Montenegro benötigte ferner eine Anzahl tüchtiger Offiziere, die den Gebirgskrieg studiert haben, unternehmend sind, die kroatische Sprache vollkommen kennen, und sich freiwillig, gegen Angelobung des tiefsten Schweigens unter allen Verhältnissen, herbeilassen, in montenegrinischer Tracht, den Montenegrinern mit Rat und Tat an die Hand zu gehen. Im ganzen Land ist Niemand, der nur halbwegs zureichende militärische Kenntnisse besäße, um ein ordentliches Verteidigungssystem zu entwerfen und durchzuführen, und in dessen kriegerischen Unternehmungsgeist die Montenegriner - nach der bei Zabljak erfolgten schweren Verwundung ihres kühnsten und umsichtigsten Anführers Massan Petrovich, aus der Familie des Knjas27 - ein unerschütterliches Vertrauen setzten. Solche Offiziere könnten auch nötigenfalls schon vor ihrem Eintritte nach Montenegro entsprechende Belehrung empfangen. Indessen wüßte ich in diesem dalmatinischen Landes-Militär-Commando-Bezirke keinen Offizier namhaft zu machen, bei dem ich Fähigkeit, Unternehmungsgeist und Willen zugleich voraussetzen könnte, sich einer solchen Aufgabe zu unterziehen“. Mamula wies noch darauf hin, dass Montenegro im Abwehrwillen nicht ganz einig sei, er rechnete mit Grenzzwischenfällen von türkischer Seite bei Suttorina und Kiek und vielen montenegrinischen Flüchtlingen. Die Stärke der k. k. Truppen im Cattareser Kreis betrug Anfang Jänner 1853 ein Bataillon Heß28 und ein Jägerbataillon von vier Kompagnien. Mamula beantragte die Erhöhung auf wenigstens vier Bataillons und die Verlegung einer entsprechenden Schiffsabteilung nach den Eläfen von Topla und Kiek, was sofort genehmigt wurde.29 26 Schwarzenberg, Felix, Fürst zu, (1800-1852), wurde 1848 Feldmarschallleutnant, im Nov. 1848 Ministerpräsident. Der Grosse Brockhaus, Wiesbaden 1956, 16. Aufl., 10. Bd., S. 534 f. 27 Knjas = „Herr, Befehlender“, „Fürst“; ist ein Titel des Fürsten von Montenegro. 28 Heß Heinrich (seit 1849) Freiherr von (1788-1870), Generalstabschef der Armee in Italien Mai 1848- 49, Chef des Generalstabes 27. IX. 1849-31. I. 1860, dann Kapitän der Trabanten-Leibgarde, Feldmarschall. Redlich Joseph: Kaiser Franz Joseph von Österreich. Berlin 1929, S. 477. 29 GM Mamula an Feldmarschallleutnant, 1. Generaladjutanten Seiner Majestät, Karl Graf v. Grünne, Zara, 4. Jänner 1853. Gh Nr. 1, Kriegsarchiv Wien MKSM 1853. 153

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