Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 51. (2004)
DEUSCH, Engelbert: Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen
Engelbert Deusch Mamula erhielt im Jänner 1853 10 000 fl C M3n in Gold durch einen Kurier, das er auf ganz sicherem und geheimem Wege nach und nach in verschiedenen Raten im jenseitigen Gebiet einsetzen durfte, außer Mamula und dem Empfänger sollte niemand eingeweiht werden. Im dringenden Bedarfsfall könnte diese Summe verdoppelt werden, die einzelnen erforderlichen Raten könnten unter irgend einem ostensiblen Vorwand aus der Finanzkasse behoben und nach einer Anzeige an die Militärkanzlei Seiner Majestät die Summe refundiert werden. In gleich vorsichtiger Weise könnte Baron Mamula dem Fürsten von Montenegro auch Munition aus den in Dalmatien vorhandenen Vorräten zukommen lassen. Gleichzeitig wurde Umsicht gefordert, um dadurch die österreichischen Beziehungen zur Pforte nicht bloß zu stellen. Bevor Sie aber zur wirklichen Unterstützung in ein oder der anderen Weise schreiten, wollen Sie sich genaue und verläßliche Kenntnis von der Stimmung verschaffen, welche im jenseitigen Gebiete und besonders beim Fürsten in Bezug auf die k. k. Regierung besteht, in wieweit sich letzterer gegen Rußland gebunden finde und ob ihm unser Protectorat nicht in manchen Beziehungen vorteilhafter erscheine; ob er nicht dafür wäre, daß der neue geistliche Oberhirt Montenegro's wieder, wie dies in älteren Zeiten geschah, seine Weihe in Carlowitz empfinge. Es wäre auf gute Art, jedoch möglichst genau zu erforschen, in welchem Maße Montenegro bisher von Rußland subventioniert war. Dem Fürsten wollen Euer Hochwohlgeboren unsere korrekte Stellung in der montenegrinischen Frage bemerkbar machen, ihm anderseits die Schwierigkeiten vor Augen stellen, auf welche die Montenegriner unfehlbar stoßen müßten, sobald sie die Offensive gegen die Türken fortsetzen wollten. Es wäre ihm anzuraten, sich streng auf die Defensive zu beschränken. Endlich kann ihm in Aussicht gestellt werden, dass die k. k. Regierung auf die Pforte entsprechend einwirken würde, damit sie im Interesse des Friedens von allen Angriffsideen gegen Montenegro abstehe.[...].30 31 Mit Datum vom 18. Jänner 1853 wurde Generalmajor und Generaladjutant des Kaisers von Kellner32 mit verschiedenen Vollmachten nach Dalmatien geschickt und gleichzeitig Generalmajor Baron Mamula mitgeteilt, dass seine Verstärkungswünsche bewilligt seien und der Kaiser mit Mamulas bisherigen Verfügungen zufrieden sei. Mamula wurde von der bereits angeordneten Aufstellung eines Armeekorps an der Una verständigt, die keine im Stillen auszuführende abwehrende Maßregel sein sollte, sondern eine Drohgebärde war. Sollten die türkischen Truppen unter Omer Pascha k. k. Gebiet verletzen oder einen Angriff auf Kiek oder die Suttorina durchführen, sollte damit offensiv vorgegangen werden, davon wurde die Pforte durch Gf. Leiningen 30 Fl = Florin = Gulden; CM = Courantmünze, courant - frz. „umlaufend“, CM = eine Währungsmüze eines Landes, die ihren Wert vollständig in ihrem Stoff trägt; Gegensatz: Scheidemünze und Papiergeld. 31 Kriegsarchiv Wien: MKSM 1853, Nr. 131, Wien, 11. Jänner 1853 an GM v. Mamula, Konzept. 32 Kellner von Köllenstein Friedrich Marcus (1802-1883), 1849-52, 2. Generaladjutant Kaiser Franz Josephs, 1853 Freiherr; 1853 Feldmarschallleutnant, 1867 Ruhestand. Vgl.: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950 III. Bd„ Wien 1965, S. 291. 154